Kolumne von Meteorologe Dominik Jung
Kein klassischer Frühling wie aus dem Lehrbuch? Wettermodelle zeichnen erste Tendenz
Der Frühling 2026 verspricht Spannung: Erste Langfristmodelle deuten wechselhafte Muster und mögliche Temperaturkontraste an. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Langfristprognosen für den Frühling 2026 basieren derzeit vor allem auf saisonalen Ensembleläufen großer Wetterdienste. Modelle des ECMWF und der NOAA zeigen übereinstimmend, dass sich nach dem Winter eine eher zonale Westströmung etablieren könnte. Das würde milde Luftmassen aus dem Atlantik begünstigen, gleichzeitig aber auch häufige Tiefdruckeinflüsse. Für Mitteleuropa ergibt sich daraus kein klassischer Frühling nach Lehrbuch, sondern ein Start mit deutlichen Schwankungen. Viele dürften den Frühling herbeisehnen, denn in den vergangenen Wochen zeigte sich der Winter von seiner kalten Seite.
Warme Phasen könnten sich rasch mit kühleren Rückfällen abwechseln, was insbesondere die Vegetationsentwicklung beeinflusst und das Risiko später Kälterückfälle erhöht. Solche Muster gelten als typisch für Übergangsjahreszeiten unter zunehmendem Einfluss großräumiger Zirkulationsänderungen laut aktuellen Modellinterpretationen führender europäischer und amerikanischer Zentren der Klimaforschung heute.
Zustand des ENSO-Systems bleibt auch weiterhin entscheidender Faktor
Ein entscheidender Faktor bleibt der Zustand des ENSO-Systems im Pazifik. Viele Simulationen rechnen für das Frühjahr 2026 mit neutralen Bedingungen oder einer schwachen La-Niña-Nachwirkung. Das hätte Einfluss auf die planetaren Wellen und damit auf die Lage der Frontalzonen über dem Atlantik. Für Europa bedeutet das tendenziell keine lang anhaltenden Hochdrucklagen. Niederschläge könnten häufiger auftreten, regional auch überdurchschnittlich.
Besonders Westeuropa und der Alpenraum erscheinen in den Modellen anfälliger für feuchte Phasen, während Osteuropa zeitweise trockener bleiben könnte. Diese Einschätzung teilen auch mehrere nationale Wetterdienste in ihren saisonalen Ausblicken, betonen jedoch die hohe Unsicherheit auf dieser Zeitskala, insbesondere bei Niederschlag und regionalen Details im Frühjahrsgeschehen Europas insgesamt.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten




Aktuelle Wettermodelle deuten auf leicht zu milden Temperaturtrend hin
Für Deutschland lassen sich aus heutiger Sicht eher Tendenzen als konkrete Aussagen ableiten. Die Modelle des Deutschen Wetterdienstes deuten auf einen leicht zu milden Temperaturtrend, allerdings mit hoher Variabilität. Spätwinterliche Kaltluftvorstöße bis in den März hinein sind nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig könnte der April wechselhaft und niederschlagsreich ausfallen, bevor sich im Mai stabilere Phasen zeigen.
Entscheidend wird sein, wie sich der Polarwirbel im Spätwinter verhält, da Störungen hier direkten Einfluss auf das Frühjahrswetter haben. Erst im weiteren Verlauf des Frühjahrs dürfte sich ein nachhaltiger Witterungscharakter etablieren, was für Landwirtschaft, Energieplanung und Freizeitaktivitäten gleichermaßen relevant ist und von Meteorologen in den kommenden Monaten aufmerksam beobachtet werden sollte.
Auch der Bauernkalender versucht, erste Wetter-Prognosen für die kommenden Monate zu zeichnen. Geht es nach den Bauernregeln, sieht es für den Sommer 2026 gar nicht mal schlecht aus.
Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Klimamodell
