Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wettermodelle springen hin und her: Konkretes Szenario steht bereits jetzt im Raum
Eigentlich sollte am langen Mai-Wochenende der Frühling durchstarten. Doch die neuesten Modellberechnungen zeigen ein ganz anderes Bild. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Über Island thront aktuell ein Hochdruckriese mit dem harmlos klingenden Namen „Uli“ – doch der hat es in sich. Mit einem Kerndruck von über 1040 Hektopascal ist er ein echtes Schwergewicht und schaufelt eisige Polarluft direkt aus der Spitzbergen-Region über die Nordsee nach Deutschland.
Die Nächte werden jetzt schon empfindlich kalt, gebietsweise mit leichtem Frost. Und das ist erst die Ouvertüre. Die große Frage: Hält „Uli“ bis zum Maifeiertag durch – oder kippt die Wetterlage?
Ein fieser Kaltlufttropfen nimmt Kurs auf uns
Die Rechenmodelle springen alle sechs Stunden hin und her. Ein Szenario zeigt einen sogenannten Kaltlufttropfen – ein abgekapseltes Höhentief voller arktischer Luft –, der sich zwischen Skandinavien und Osteuropa losreißt und direkt auf Deutschland zusteuert. Tritt das ein, droht zum 1. Mai in der Früh verbreitet Luftfrost um minus 4 Grad.
Direkt am Erdboden, wo die Pflanzen stehen, stürzen die Werte sogar auf minus 6 bis minus 7 Grad ab. Ich gebe zu: Als ich den Lauf aufgerufen habe, musste ich zweimal hinsehen.
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Jetzt kann es nochmal richtig frisch werden
Durch die Klimaerwärmung hat sich der Vegetationsbeginn deutlich nach vorne verschoben – die Apfelblüte startet heute rund elf Tage früher als noch vor 30 Jahren. Die Natur steht voll im Saft, und genau das wird ihr zum Verhängnis. Bei minus 7 Grad am Boden reden wir nicht über eine kühle Frühlingsnacht, sondern über echte Totalschäden an Obstblüten, Weinreben und Jungpflanzen. Tomaten, Gurken, Paprika? Chancenlos.
Mein Rat: Vlies, Decken und alte Bettlaken griffbereit halten. Ob der Frostschock kommt, entscheidet sich in den nächsten 48 bis 72 Stunden – ich bleibe dran. Spannend bleibt auch das ein oder andere Wetterphänomen. Beispielsweise Saharastaub sorgt hierzulande regelmäßig für Aufsehen.
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