„Innerhalb von Sekunden“

Augenzeugen müssen Drama von Werries verarbeiten

Ein blauer Einmalhandschuh der Rettungskräfte erinnerte am Donnerstag an die Bluttat in der Seniorenanlage.
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Ein blauer Einmalhandschuh der Rettungskräfte erinnerte am Donnerstag an die Bluttat in der Seniorenanlage.

HAMM - Das rot-weiße Absperrband der Polizei im Friedrich-Gruß-Weg in Werries ist verschwunden. Nur ein blauer Einmalhandschuhe der Rettungskräfte liegt noch neben dem Hauseingang der Seniorenanlage und erinnert an das blutige Szenario vom Mittwoch.

Still und meist für sich allein versucht jeder der Bewohner, das Geschehene zu verarbeiten. Still ist es vor allem im Erdgeschoss der Wohnanlage am Friedrich-Gruß-Weg 2. Und daran wird sich absehbar nichts ändern.

Schlagzeilen deutscher Zeitungen

Berliner Zeitung: „77-Jähriger erschießt Mitbewohner im Seniorenheim“ (online)

Bild: „Amok-Rentner schießt bei Kaffee-Klatsch um sich“

Express (Köln): „Drama in Hamm: Schießerei in Senioren-Anlage“ (online)

Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Alter Mann schießt in Altenheim um sich“

Kölner Stadt-Anzeiger: „Zwei Tote bei Schießerei in Seniorenheim“ (online)

Münchner Merkur: „Seniorenhaus: 77-Jähriger erschießt Mitbewohner“ (online)

Ruhr-Nachrichten (Dortmund): „77-Jähriger erschießt Mitbewohner“

Süddeutsche Zeitung (München): „Schießerei im Seniorenheim“

Der Tagesspiegel (Berlin): „Amoklauf in Hamm: Tote und Verletzte durch Schüsse in Seniorenanlage“ (online)

Die Welt (Berlin): „Schießerei in Seniorenheim – zwei Tote“

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Essen): „Senior schießt um sich – zwei Tote“

Westfälische Nachrichten (Münster): Bluttat unter Senioren

Westfalenpost (Hagen): „Senior schießt um sich – zwei Tote“

Hier lebten der 77-jährige Todesschütze und das 72-jährige Todesopfer. Ebenso die 77-Nachbarin, mit der sich der Schütze seit längerem beharkt hatte. Die Seniorin wurde schwerst verletzt, ihr Zustand ist noch kritisch.

Die Jalousien dieser Einzelwohnungen sind wie am Mittwoch teils noch heruntergelassen. In den oberen Geschossen klappert hingegen etwas Geschirr, und Gerüche von Hausmannskost schweben zur Mittagszeit durch den Hausflur. Gespräche hört man keine.

Eine der Bewohnerinnen schiebt sich, gestützt auf ihren Rollator, in Richtung der Briefkästen. Sie ist 79 Jahre alt und nicht abgeneigt, mit unserer Redaktion reden. Nur ihr Name soll nicht in der Zeitung erscheinen.

„Ja sicher...“, antwortet sie auf die Frage, ob sie am Mittwochmorgen auch im Keller bei dem Frühstück dabei gewesen sei. „Ja sicher...“, sagt sie und starrt kopfschüttelnd ins Leere.

Ob er anderen etwas getan hätte, ob jemand in der Runde etwas gegen ihn hätte: Das sind nach ihrer Erinnerung die Worte gewesen, mit denen das blutige Geschehen begann.

„Innerhalb von Sekunden ging das los“, erinnert sie sich. Die Tür zum Gruppenraum sei aufgestoßen worden und der 77-Jährige habe in die Runde geschnauzt.

„Setz dich hin“, soll er die 55-jährige Betreuerin vom Pflegedienst angeblafft haben, als die beruhigend auf ihn habe einwirken wollen und vorgeschlagen habe, mit ihm vor die Tür zu gehen.

Stattdessen zog der Senior die Walther P38 hervor und eröffnete das Feuer. Zwei Tote, zwei Schwerverletzte und eine Leichtverletzte sind die Bilanz.

So haben wir bisher berichtet:

- Schießerei in Hamm-Werries: Herkunft der Waffe ungeklärt

- Blutbad in Werries: Frauen noch in Lebensgefahr

Fotos vom Tatort:

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„Das war hier ein prima Haus, bis dass er zu spinnen begann“, sagt die 79-Jährige Rollatorfahrerin. Über drei Jahre lang habe sich der Schütze mit ihrer 77-jährigen Mitbewohnerin beharkt. Dabei sei es um Kleinigkeiten gegangen.

Wie sie selbst auch sei der Schütze in 2007 in die Anlage eingezogen. Wirklich gut habe man sich aber nicht gekannt.

Angehörige habe sie keine mehr. Auch am Mittwoch sei niemand zu ihr gekommen. Sie sei froh gewesen, als sie endlich wieder in ihre Wohnung durfte. „Hinsetzen, fernsehen, an etwas anders denken.“ Nichts anders habe sie da mehr gewollt.

Video vom Tatort:

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