Allein vorm Standesbeamten
Corona zwingt Brautpaare in Hamm zur Einsamkeit
Es soll der schönste Tag im Leben werden – und dann darf niemand dabei sein. In den Hammer Trauzimmern ist es derzeit ziemlich einsam. Nichtmal die Trauzeugen werden Corona-bedingt vorgelassen, Brautpaar und Standesbeamte bleiben unter sich. Viele haben ihre Termine deshalb abgesagt.
Hamm – 120 standesamtliche Trauungen waren ursprünglich bis Ende April bei der Stadt angemeldet; 42 Termine sind nach Stand vom Freitag geblieben. Standesamtsleiterin Kerstin Schickhoff ist erleichtert, dass 78 Paare sich anders entschieden haben. Alle müssten einen Beitrag leisten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sagt sie. Und diese 78 Paare hätten sich dabei sehr verantwortungsvoll verhalten.
Paare, die dennoch heiraten wollen oder müssen, stehen allein vor dem Standesbeamten: Aufgrund des Ansteckungsrisikos werden nur die Brautleute ins Trauzimmer gelassen, alle anderen Hochzeitsgäste müssen draußen bleiben. Das gilt sogar für die Trauzeugen. Im Trauzimmer stehen Desinfektionsmittel bereit, es gilt die Mindestdistanz von zwei Metern und ein Zeitlimit von 15 Minuten.
Paare, die in diesen Tagen den Bund fürs Leben schließen, wissen allerdings, worauf sie sich einlassen. Alle Heiratswilligen seien im Vorfeld kontaktiert und über die Einschränkungen informiert worden, sagt die Standesamtsleiterin. Gestern waren es immerhin noch acht Paare, die sich nicht abschrecken ließen. Es könne ja durchaus Gründe geben, trotz widriger Umstände zu heiraten, sagt Schickhoff. Seien sie rechtlicher oder privater Natur, wie bei einer Schwangeren, die ihr Kind ehelich zur Welt bringen wolle.
Coronavirus in Hamm: Verschieben von Hochzeit verständlich
Dass die meisten ihren Termin verschoben haben, findet Schickhhoff aber nachvollziehbar. Für viele solle es der größere Rahmen sein, mit Eltern, Großeltern und Freunden, oft auch mit den eigenen Kindern. Eine Rolle für die aktuellen Absagen spiele sicherlich auch die Schließung aller Kirchen, weshalb kirchliche Trauungen verschoben werden müssten. Und an die große Hochzeitsfeier sei angesichts geschlossener Gasthöfe auch nicht zu denken.
Den Termin zu verschieben, sei unproblematisch, sagt Schickhoff. Man solle lediglich das Standesamt kontaktieren. Ein Nachteil soll den Heiratswilligen dadurch nicht entstehen. Gezahlte Gebühren werde man nicht verfallen lassen, auch bei der Einhaltung gesetzlicher Fristen werde das Amt sich wohlwollend zeigen.
Immerhin helfe jede verschobene Trauung dem Standesamt, den Betrieb aufrecht zu erhalten, sagt die Amtsleiterin. 16 Mitarbeiter hat Schickhoff, doch nur drei bleiben ihr derzeit, um Geburten und Sterbefälle zu beurkunden. Und die lassen sich, anders als eine Trauung, nicht aufschieben. Wenn die Corona-Krise vorüber sei, sagt Schickhoff, wolle man mit allen Hochzeitspaaren Kontakt aufnehmen und neue Termine finden.
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