Kurz vor der Klimakonferenz

Globale Temperatur überschreitet erstmals magische Grenze – Klima-Fachleute schlagen Alarm

Das Jahr 2023 war zu warm und nun auch noch das: Die globale Temperatur hat erstmals die 2-Grad-Grenze geknackt. Die Hoffnungen ruhen auf der Klimakonferenz COP28.

München – Etwa zwei Wochen vor dem Beginn der Klimakonferenz COP28 in Dubai zeigen alarmierende Daten, wie schlimm es um die Erderwärmung steht. Offenbar hat die globale durchschnittliche Temperatur am 17. November 2023 erstmals die 2-Grad-Grenze im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter überschritten. Das schreibt Samantha Burgess, Direktorin des Copernicus-Klimawandeldiensts, auf der Plattform X (ehemals Twitter).

Burgess veröffentlicht dort vorläufige Daten, die zeigen, dass der 17. November 2023 um durchschnittlich 1,17 Grad wärmer war als die Temperatur in den Jahren 1991 bis 2020 – damit werde der Tag zum wärmsten 17. November in den Aufzeichnungen.

Verglichen mit dem Zeitraum von 1850 bis 1900, also der Zeit vor der Industrialisierung, war der Tag jedoch noch deutlich wärmer, warnt Burgess. „Unsere beste Schätzung ist, dass dies der erste Tag war, an dem die globale Temperatur mehr als 2 Grad Celsius über dem Niveau von 1850 bis 1900 (oder vorindustriell) lag, nämlich 2,06 Grad Celsius“, schreibt sie.

Erderwärmung überschreitet kurzzeitig die 2-Grad-Grenze

Gegenüber CNN betont die Forscherin jedoch auch, dass ein Tag über dem 2-Grad-Ziel „nicht bedeutet, dass das Übereinkommen von Paris gebrochen wurde“. Der Temperaturrekord verdeutliche jedoch, „dass wir diese international vereinbarten Grenzen erreichen. Wir können davon ausgehen, dass die Häufigkeit von 1,5-Grad- und 2-Grad-Tagen in den kommenden Monaten und Jahren zunehmen wird“, so Burgess.

Das Paris-Übereinkommen sieht vor, dass die globale Erwärmung auf „deutlich unter zwei Grad Celsius“ gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt werden soll. Man will gleichzeitig Anstrengungen unternehmen, um die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Klimakonferenz COP28 „muss ein klarer Wendepunkt sein“

Ein erst vor wenigen Tagen veröffentlichter Bericht der UN zeigt jedoch, dass die nationalen Klima-Aktionspläne wohl nicht ausreichen werden, um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen. Selbst wenn die Länder ihre aktuellen Pläne zur Emissions-Reduktion umsetzen würden, würde es im Laufe des Jahrhunderts eine Erderwärmung von mehr als 2 Grad Celsius geben.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Regierungen müssten auf der COP28 in Dubai „mutige Schritte nach vorne machen, um auf den richtigen Weg zu kommen“, betont deshalb der Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell, deshalb in einer Mitteilung. „Die COP28 muss ein klarer Wendepunkt sein. Die Regierungen müssen sich nicht nur auf stärkere Klimaschutzmaßnahmen einigen, sondern auch zeigen, wie sie diese umsetzen wollen.“

Am 17. November 2023 hat die globale Temperatur die 2-Grad-Grenze wohl überschritten. (Archivbild)

Jahr 2023 wird „mit ziemlicher Sicherheit das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“

Eine Studie des renommierten Klimawissenschaftlers James Hansen schlug erst vor einigen Tagen Alarm: Offenbar schreitet die globale Erwärmung schneller voran als bisher prognostiziert. Der Copernicus-Klimawandeldienst hat für das Jahr 2023 bereits einige Temperatur-Rekorde aufgezeichnet. So ist der Oktober 2023 der wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Für die Monate Januar bis Oktober 2023 liegt die globale Durchschnittstemperatur um 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt.

Die Direktorin des Copernicus-Klimadiensts, Samantha Burgess, erklärte bei der Vorstellung der Daten in einer Mitteilung: „Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass 2023 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sein wird und derzeit 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt liegt. Die Dringlichkeit ehrgeiziger Klimamaßnahmen für die COP28 war noch nie so groß wie heute.“ (tab)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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