Größte Insel der Welt

Unter dem Eis Grönlands: Verborgene Rohstoffe wecken Trumps Interesse

Unter dem Eis Grönlands schlummern Rohstoffe für Milliarden Dollar. Trump will sie für die USA sichern – doch die Realität ist komplizierter.

Frankfurt – „Wir brauchen Grönland für die internationale Sicherheit. Wir brauchen es. Wir müssen es haben“ – Donald Trump lässt keinen Zweifel daran, dass die größte Insel der Welt ganz oben auf seiner Agenda steht. Was 2019 noch wie eine exzentrische Idee klang, ist längst zu einem ernst gemeinten politischen Projekt geworden. Der US-Präsident droht offen mit militärischer Gewalt, sollte Dänemark nicht zum Verkauf bereit sein. Sein Vize J.D. Vance reiste bereits nach Nuuk, um die Lage zu sondieren.

US-Präsident Donald Trump scheint von Grönland regelrecht besessen zu sein. Neben den geostrategischen Überlegungen dürfte das auch an den Bodenschätzen liegen. Im Bild: Die Hauptstadt Nuuk.

Doch was macht Grönland so begehrenswert für die USA? Es geht Trump nicht nur um die geostrategische Lage zwischen Amerika, Europa und Russland sowie die Militärbasen und Schifffahrtsrouten der Arktis. In erster Linie geht es wohl um etwas, das tief unter dem schmelzenden Eis Grönlands verborgen ist: Bodenschätze, die die globalen Machtverhältnisse verschieben könnten. „Grönland verfügt über einige der reichsten Vorkommen an natürlichen Ressourcen weltweit“, schreibt der Geowissenschaftler Jonathan Paul von der University of London in einem Gastbeitrag auf The Conversation.

Grönland hat unwahrscheinlich viele Bodenschätze – seltene Erden, Erdöl und mehr

Der Experte fährt fort: „Dazu gehören kritische Rohstoffe – Ressourcen wie Lithium und Seltenerdelemente, die für grüne Technologien unverzichtbar sind, deren Produktion und Nachhaltigkeit jedoch äußerst sensibel sind – sowie andere wertvolle Mineralien und Metalle und riesige Mengen an Kohlenwasserstoffen, darunter Öl und Gas.“ Alleine drei Lagerstätten für seltene Erden in Grönland „gehören möglicherweise zu den volumenmäßig größten der Welt“, weiß Paul. Seltene Erden werden beispielsweise für die Herstellung von Batterien und elektrischen Bauteilen benötigt – und China beschränkte erst im Herbst 2025 deren Ausfuhr.

Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sieht in Grönland ein „erhebliches Rohstoffpotenzial“. Die Vorkommen von Gold, Platin, Palladium, Seltenen Erden, Uran und Strontium zählen nach Angaben des BGR zu den größten der Welt. Der US Geological Survey (USGS) schätzt, dass das Onshore-Gebiet im Nordosten Grönlands rund 31 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent an Kohlenwasserstoffen enthält – das entspricht etwa dem gesamten Volumen der nachgewiesenen Rohöl-Reserven der USA. Es gibt auch Forschungsergebnisse, die auf potenziell ausgedehnte Erdölsysteme rund um die gesamte Küste Grönlands hindeuten.

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Gewaltige Bodenschätze in Grönland hängen mit der geologischen Geschichte zusammen

Wie kommt es eigentlich, dass Grönland solche gewaltigen Bodenschätze hat? „Die Konzentration der natürlichen Ressourcen Grönlands hängt mit seiner äußerst vielfältigen geologischen Geschichte der letzten 4 Milliarden Jahre zusammen“, sagt der Geologe Paul. Er ist sich sicher: „Geologisch gesehen ist es höchst ungewöhnlich (und für Geologen wie mich sehr spannend), dass in einem Gebiet alle drei wichtigen Entstehungsprozesse von Bodenschätzen – von Öl und Gas bis hin zu Seltenen Erden und Edelsteinen – stattgefunden haben.“

Diese Prozesse stehen im Zusammenhang mit Gebirgsbildung, Rifting (Entspannung und Ausdehnung der Erdkruste) und vulkanischer Aktivität. Die Entstehung von Bergen brach die Erdkruste auf und ermöglichte es laut Paul, dass Gold, Edelsteine und Grafit in den Rissen abgelagert wurden. Der größte Teil der Bodenschätze Grönlands stammt jedoch aus seinen Riftphasen, schreibt Paul in seinem Gastbeitrag. Dazu gehörte zuletzt die Entstehung des Atlantischen Ozeans vor etwas mehr als 200 Millionen Jahren.

Die wichtigsten Bodenschätze Grönlands

Metalle: Gold, Platingruppenmetalle, Eisen, Eisenerz, Blei, Zink, Silber, Kupfer, Molybdän, Wolfram, Beryllium, Zinn, Wismut, Niob, Tantal, Chrom, Nickel, Uran, Kobalt, Lithium

Seltene Erden: Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym sowie weitere Seltene Erden

Industriemineralien: Kryolith, Fluorit, Baryt, Coelestin, Grafit, Olivin, Phlogopit, Schwerminerale, Zirkon, Anorthosit

Edelsteine und Schmucksteine: Diamanten, Marmor, farbige Schmucksteine

Fossile Brennstoffe: Erdöl, Erdgas, Kohle

Quellen: BGR, USGS

Vulkanische Vergangenheit Grönlands hat Seltene Erden entstehen lassen

Viele der Seltenen Erden in Grönland sind durch die vulkanische Geschichte der Insel entstanden. „Seltene Erden wie Niob, Tantal und Ytterbium wurden in magmatischen Gesteinsschichten entdeckt“, schreibt Paul und weist darauf hin, dass Grönland unter dem Eis vermutlich auch über ausreichende Reserven an Dysprosium und Neodym verfügt, um mehr als ein Viertel des prognostizierten zukünftigen weltweiten Bedarfs zu decken – insgesamt fast 40 Millionen Tonnen.

„Diese Elemente werden zunehmend als die wirtschaftlich wichtigsten, aber auch am schwierigsten zu beschaffenden Seltenerdmetalle angesehen, da sie für die Windkraft, Elektromotoren für umweltfreundlichen Straßenverkehr und Magnete in Hochtemperaturumgebungen wie Kernreaktoren unverzichtbar sind“, weiß der Geoforscher.

An die grönländischen Bodenschätze kommt man nicht so leicht heran

Doch zwischen Donald Trumps Begehrlichkeiten in Grönland und der Realität liegen Welten – und Milliarden Dollar. Die harschen arktischen Bedingungen, fehlende Infrastruktur und gewaltige Investitionskosten haben bisher verhindert, dass Grönlands Rohstoffreichtum gehoben werden kann. „Wenn Sie wegen der Bodenschätze nach Grönland gehen wollen, dann sprechen wir hier von Milliarden und Abermilliarden Dollar und einer extrem langen Zeit, bevor sich jemals etwas daraus ergibt“, warnt Anthony Marchese, Vorsitzender der Texas Mineral Resources Corporation bei Fortune. (Quellen: The Conversation, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey, Nature, Fortune) (tab)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ZUMA Press Wire/Anadolu Agency

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