Iran-Krieg

Spritpreise steigen immer weiter – was Verbraucher in NRW jetzt tun sollten

Nach dem Angriff auf den Iran steigen Öl- und Spritpreise. Auch in NRW zahlen Autofahrer mehr – wie stark die Preise klettern könnten.

Die Eskalation im Nahen Osten nach Angriffen der USA und Israels auf den Iran wirkt sich immer weiter auf die Energiemärkte aus – und damit auch auf die Zapfsäulen in Nordrhein-Westfalen. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Die Sorge vor Lieferengpässen hat die Preise für Öl und Gas deutlich nach oben getrieben.

Die Spritpreise sind zwei Tage nach dem Angriff auf den Iran deutlich in die Höhe geschnellt. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

An deutschen Tankstellen macht sich die Entwicklung besonders bemerkbar. Auf Anfrage von wa.de erklärte der ADAC am Montag, dass der Benzinpreis zum am Sonntag um sechs Cent gestiegen sei – von 1,789 Euro auf 1,849 Euro. Beim Diesel war der Sprung noch größer, von 1,753 Euro auf 1,824 Euro pro Liter. Im Laufe der Woche knackten die Spritpreise dann fast überall die Zwei-Euro-Marke.

Wie sieht es konkret in NRW aus?

Eine Auswertung aktueller Preise (Freitagmittag, 6. März) zeigt auch in Nordrhein-Westfalen steigende Tendenzen – bei teils deutlichen regionalen Unterschieden:

  • Ruhrgebiet (z. B. Essen, Bochum, Dortmund):
    Super E10: meist zwischen 1,87 und 2,02 Euro pro Liter
    Diesel: zetwa 2,00 bis 2,10 Euro pro Liter
  • Ostwestfalen (z. B. Bielefeld, Paderborn, Gütersloh):
    Super E10: etwa 1,85 bis 1,98 Euro pro Liter
    Diesel: rund 1,98 bis 2,08 Euro pro Liter

Was können Verbraucher jetzt tun?

  • Abends tanken: Laut ADAC sind die Preise zwischen 18 und 20 Uhr meist am günstigsten.
  • Preise vergleichen: Gerade in volatilen Zeiten sind die Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders groß.
  • Vorausschauend planen: Wer flexibel ist, sollte größere Fahrten bündeln.

Dass gerade auch aufgrund der Berichterstattung mehr Menschen noch schnell günstiger tanken wollen, bestätigt auch der ADAC. Gegenüber wa.de hieß es, dass sogar die Spritpreis-App zwischenzeitlich – ähnlich wie bei anderen Anbietern – aufgrund des Ansturms nicht erreichbar war.

Für viele Haushalte in NRW bedeutet der aktuelle Preisanstieg zwar noch keinen Schock wie 2022 – doch sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen, könnten die Belastungen spürbar zunehmen. Entscheidend bleibt, ob aus der geopolitischen Eskalation eine dauerhafte Störung des globalen Energiehandels wird.

Wie hoch könnten die Preise noch steigen?

Zwar bezieht Deutschland kein Öl direkt über die Straße von Hormus, doch der Weltmarktpreis bestimmt auch hierzulande die Einkaufskosten. Energieexpertinnen wie Claudia Kemfert weisen gegenüber der dpa darauf hin, dass eine Blockade der Meerenge über den globalen Marktmechanismus auch deutsche Verbraucher treffen würde.

Entscheidend ist, ob Iran die Straße von Hormus tatsächlich länger blockiert oder nur mit Einschränkungen droht. Rund 20 bis 30 Prozent des weltweiten Seeöltransports passieren diese Route. Eine längerfristige Störung könnte den Ölpreis deutlich in Richtung 100 Dollar treiben. Kurzfristig gilt:

  • Steigende Ölpreise werden meist schnell an der Zapfsäule weitergegeben.
  • Sinkende Preise kommen oft verzögert an – ein Effekt, den Experten als „Rakete-und-Feder-Effekt“ bezeichnen.

Sollte sich die Lage am Golf beruhigen und die Opec+ wie angekündigt ihre Fördermengen erhöhen, könnte sich der Preisdruck mittelfristig wieder abschwächen. Eine schnelle Entspannung erwarten Marktbeobachter derzeit jedoch nicht.

Öl und Gas legen kräftig zu

Der Preis für die Nordseesorte Brent Crude Oil sprang zum Wochenstart zeitweise um rund zehn Prozent auf fast 88 US-Dollar je Barrel, Anfang der Woche waren es 82 Dollar, nachdem er zuvor bei etwa 73 Dollar gelegen hatte. Ökonomen wie Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer halten gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) im Falle einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus sogar einen Anstieg in Richtung 100 Dollar für möglich.

Noch stärker fiel der Preissprung beim Erdgas aus: An der Börse in Amsterdam verteuerte sich der maßgebliche TTF-Terminkontrakt für Mai-Lieferung am Freitag zeitweise auf 53 Euro je Megawattstunde, am Montag waren es noch knapp zehn Euro weniger. Hintergrund ist unter anderem ein Produktionsstopp für Flüssigerdgas in Katar nach einem Angriff auf Energieanlagen.

Rubriklistenbild: © Marvin Hoffmann

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