Betrug per Mail
E-Mail von Europol: Frau aus NRW wird Kinderpornografie vorgeworfen
Eine Frau aus NRW bekommt per E-Mail wirre Anklageschriften. Der Vorwurf lautet Kinderpornografie. Absender ist angeblich Europol. Eine perfide Betrugsmasche.
Wickede - Spam und Phishing sind mittlerweile gang und gäbe in Mail-Postfächern. In vielen Fällen werden die Betrugsversuche automatisch aussortiert. Hin und wieder verirren sich die Fake-Mails aber doch in den Posteingang. Und dann fällt zum Teil auch erst beim zweiten Blick auf, dass es sich um einen Betrug handelt. In einem Fall aus Nordrhein-Westfalen wäre vermutlich jedem beim Lesen der E-Mail zunächst einmal das Herz in die Hose gerutscht. Eine Frau erhielt mehrere Zuschriften, in denen ihr Kinderpornografie vorgeworfen wurde. Der Absender: Europol und der Europäische Gerichtshof.
E-Mail von Europol-Betrügern: Frau aus NRW wird Kinderpornografie vorgeworfen
„Sie haben die Straftat begangen“, wird Ulla Arndt aus Wickede im Kreis Soest beschuldigt. Von der Verbreitung pornografischer Darstellungen von Minderjährigen ist die Rede. Sie habe im Internet gezielt „Videos mit kinderpornografischem Charakter, Fotos/Videos von nackten Minderjährigen“ angewählt. Dies werde mit „fünf Jahren Gefängnis und 75.000 Euro Geldstrafe geahndet“. Kurz nach einer Computer-Beschlagnahmung seien rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet worden.
Doch das ist noch lange alles, womit der Frau – angeblich von Europol – gedroht wird, berichtet soester-anzeiger.de. Ulla Arndt wurde eine „strenge Frist“ von 72 Stunden gegeben, um sich zu dem Vorwurf zu äußern und ihr Verhalten zu begründen. „Nach dieser Zeit sehen wir uns gezwungen, unseren Bericht an die Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden weiterzuleiten und einen Haftbefehl auszustellen“, heißt es weiter. Außerdem werde ihr Name in einem nationalen Register für Sexualstraftäter eingetragen und zudem an Pädophilie-Verbände sowie zwecks Veröffentlichung an die Medien gemeldet.
Angebliche E-Mail von Europol – unterzeichnet von „Jürgen Ebner“
„Bitte antworten Sie uns so schnell wie möglich“, heißt es abschließend in dem Schreiben, das mit dem Namen „Jürgen Ebner“ unterzeichnet und mit der Europol-Adresse in Lyon versehen ist. Jürgen Ebner, das ist keine ausgedachte Person. Wer im Internet nach dem Namen sucht, wird schnell fündig: auf der Seite vom Bundeskriminalamt (BKA) und von Europol. Jürgen Ebner, ehemaliger Direktor des BKA, ist seit November 2019 stellvertretender Direktor von Europol.
Dass sich Betrüger als Mitarbeiter mit teils hohen Positionen bei Europol ausgeben, ist nicht neu. Den Satz „This call is from Europol“ werden schon unzählige Menschen in Deutschland am Telefon gehört haben. Anrufe von angeblichen Europol-Mitarbeitern häuften sich bereits vor zwei Jahren. 2023 kamen dann vermehrt Mails und Briefe hinzu, in denen den Empfängern schwere Straftaten vorgeworfen wurden. Seinerzeit fiel in dem Zusammenhang schon der Name „Jürgen Ebner“. Auch das BKA war oft Absender solcher Fake-Mails.
Vor allem die Telefon-Betrüger waren damals mitunter erfolgreich. So knickte etwa eine Frau aus NRW unter dem Druck der Telefontäter ein und überwies eine hohe Summe an die Europol-Betrüger. Eine Studentin aus Leipzig verlor 20.000 Euro an die Telefon-Betrüger. Sie erweckten durch einen Technik-Trick den Anschein, dass ihre Anrufe von echten Europol-Nummern stammen.
„Ich bin ja nicht doof“: Seniorin wird von Europol-Betrügern Kinderpornografie vorgeworfen
Auch die E-Mails, die Ulla Arndt aus Wickede erhalten hat, könnten auf den ersten Blick für echt gehalten werden. Bei der Seniorin kommen die Betrüger allerdings nicht weit. „Ich bin ja nicht doof“, sagt die Seniorin und verweist auf die teils eklatanten Schreib- und Formulierungsfehler. Sie werde nicht auf die E-Mails reagieren, möchte allerdings auf die Betrugsmasche aufmerksam machen, damit andere Betroffene ebenfalls sofort wissen: Das ist ein Betrugsversuch.
Dass es sich um einen solchen handelt, da können sich Betroffene sicher sein. So stellt Europol selbst in einer Mitteilung zu den Betrugsversuchen jeglicher Art klar: „Lassen Sie sich nicht in die Irre führen – die gesamte Korrespondenz ist gefälscht. Weder Europol noch seine Mitarbeiter würden sich jemals direkt an die Öffentlichkeit wenden, sofortiges Handeln fordern oder Einzelpersonen mit der Einleitung einer strafrechtlichen Untersuchung drohen. Europol verhängt keine Bußgelder und fordert auch keine Zahlungen von Bürgern.“
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