Gesund durch den Herbst
Krankheitswelle in NRW – Arzt wird deutlich: „Geraten Abläufe schnell an Grenzen“
Die Erkältungssaison hat NRW fest im Griff. Oft strömen Patienten ohne Termin in die Praxen. Ein Arzt rät zu Vorsichtsmaßnahmen, um Wartezeiten zu verkürzen.
Hamm – Kratzen im Hals, Husten oder plötzliches Fieber – in der aktuellen Erkältungssaison fragen sich viele Menschen in Nordrhein-Westfalen, ob sie eine harmlose Erkältung oder doch eine echte Grippe erwischt hat. Während eine Erkältung meist schleichend mit Kribbeln in der Nase oder Kratzen im Hals beginnt und sich durch Schnupfen, leichten Husten und eventuell leicht erhöhte Temperatur äußert, schlägt die echte Influenza wie ein Blitz ein.
Typisch für eine Grippe ist der plötzliche Krankheitsbeginn aus völliger Gesundheit heraus mit hohem Fieber von 39 bis 40 Grad, starken Kopf- und Gliederschmerzen, ausgeprägter Abgeschlagenheit und einem charakteristischen trockenen Reizhusten. Im Gegensatz zur Erkältung, die hauptsächlich die oberen Atemwege betrifft, ist bei der Grippe der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen – Symptome wie Schnupfen oder eine laufende Nase sind bei der echten Influenza dagegen eher selten. Die Arztpraxen bei uns in NRW stellt beides gleichermaßen vor Herausforderungen. Ein Experte kennt die richtigen Verhaltenstipps.
Erkältung oder Grippe? Praxen in NRW am Limit
„In Zeiten starker Infektionswellen stehen Hausarztpraxen vor erheblichen logistischen Herausforderungen. Wenn viele Patientinnen und Patienten gleichzeitig und oft ohne Termin in die Praxis kommen, geraten Abläufe schnell an ihre Grenzen“, sagt Lars Rettstadt auf wa.de-Nachfrage. Der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Westfalen-Lippe kennt die Probleme, die die aktuelle Krankheitswelle in NRW mit sich bringt. Ärztinnen und Ärzte versuchen zu reagieren – sie sind aber dabei auf die Hilfe ihrer Patientinnen und Patienten angewiesen. „Viele Praxen versuchen, durch Video- oder Telefonsprechstunden den Andrang vor Ort zu reduzieren – das funktioniert mittlerweile sehr gut“, sagt Rettstadt. Wichtig sei aber auch, „dass Patientinnen und Patienten sich möglichst vorher telefonisch oder online anmelden und nicht unangemeldet in die Praxis kommen“. So können Wartezeiten verkürzt und das Infektionsrisiko für alle gesenkt werden. Denn das ist derzeit ziemlich hoch.
Die Erkältungssaison 2025/26 hat in Nordrhein-Westfalen bereits deutlich an Fahrt aufgenommen. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) befinden sich die akuten Atemwegserkrankungen (ARE) mit rund 8.900 Fällen pro 100.000 Einwohner bereits auf einem hohen Niveau. Dies entspricht bundesweit etwa 7,5 Millionen Menschen, die derzeit mit Atemwegsinfekten kämpfen. In der ersten Oktoberwoche dominierten dabei vor allem Rhinoviren mit 35 Prozent der nachgewiesenen Erreger, gefolgt von SARS-CoV-2 mit 18 Prozent und Parainfluenzaviren mit 9 Prozent. Besonders betroffen sind Erwachsene zwischen 35 und 59 Jahren, bei denen die Infektionszahlen zuletzt deutlich angestiegen sind.
Während die klassische Influenza-Grippe noch keine größere Rolle spielt – für die erste Oktoberwoche wurden lediglich rund 400 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle bundesweit gemeldet – verzeichnet NRW einen deutlichen Anstieg bei Corona-Infektionen. In der Woche vom 6. bis 12. Oktober wurden 1.101 bestätigte Covid-19-Fälle an das RKI übermittelt, was einem Anstieg von knapp 40 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht. Die derzeit dominante Corona-Variante „Stratus“ (XFG) ist für etwa 82 Prozent der Fälle verantwortlich und verursacht typischerweise Symptome wie Heiserkeit in der Anfangsphase. Experten rechnen damit, dass die eigentliche Grippewelle wie in den Vorjahren erst im Januar beginnen wird und dann drei bis vier Monate andauern könnte. Doch schon jetzt sorgen die vielen Kranken für volle Wartezimmer bei den Ärzten.
Saisonale Infektionswellen: Experte gibt Verhaltenstipps
„Patientinnen und Patienten müssen in solchen Phasen mit längeren Wartezeiten rechnen – sowohl bei der Terminvergabe als auch in der Praxis selbst“, sagt Rettstadt vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband Westfalen-Lippe. Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams würden dabei „unter Hochdruck“ arbeiten, um alle zu versorgen, während das normale Tagesgeschäft parallel weiterlaufe. „Ganz vermeiden lassen sich saisonale Infektionswellen nicht – aber jede und jeder kann dazu beitragen, dass sie kleiner ausfallen“, weiß Rettstadt. Er ergänzt: „Auch einfache Maßnahmen aus der Pandemiezeit bleiben wirksam: Maske tragen in vollen Wartezimmern, Abstand halten und regelmäßiges Lüften.“ Diese Verhaltenstipps gibt er zudem:
- Grippe- und Corona-Impfungen, besonders für Risikogruppen und medizinisches Personal.
- Hygieneregeln beachten: regelmäßiges Händewaschen, Husten- und Niesetikette einhalten.
- Abstand halten und in Innenräumen bei vielen Menschen oder Symptomen eine Maske tragen.
- Praxisabläufe unterstützen, indem man Termine vereinbart oder bei leichten Symptomen die Videosprechstunde nutzt.
Eyperte erklärt: „Starke Immunabwehr ist die beste Grundlage“
Besser ist es natürlich noch, gar nicht erst krank zu werden. Ein starkes Immunsystem hilft dabei – eine Kürbis-Expertin schwört hier auf das leckere Herbstgemüse. „Eine starke Immunabwehr ist die beste Grundlage“, bestätigt Rettstadt. Generell helfen da vorab einige einfache Maßnahmen.
Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sowie ausreichend Flüssigkeit versorgt den Körper mit wichtigen Vitaminen und hält die Schleimhäute feucht, was ihre natürliche Schutzfunktion stärkt. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kurbelt das Immunsystem an und macht den Körper widerstandsfähiger gegen Infekte. Ebenso wichtig sind ausreichend Schlaf und bewusster Stressabbau, denn chronische Erschöpfung und Anspannung schwächen die körpereigenen Abwehrkräfte erheblich. Den effektivsten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten jedoch Impfungen gegen Grippe und Corona – Experten empfehlen, den Impfschutz regelmäßig aufzufrischen, um optimal geschützt durch die Erkältungssaison zu kommen. „So lassen sich Ansteckungen deutlich reduzieren – und Praxen sowie Patientinnen und Patienten werden entlastet“, sagt Rettstadt vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband Westfalen-Lippe – damit alle gesund durch den Herbst und den Winter kommen.



