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Campingplatz oder Jugendherberge statt Wohnung: Wohnraummangel in Münster verschärft
Durch eine Uni-Panne hat sich der Wohnraummangel in Münster verschärft. Studierende werden kreativ und finden kuriose Übernachtungsmöglichkeiten.
Münster/Hamm – In Münster eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist schon lange so schwer wie am Samstag auf den obligatorischen Markttag zu verzichten. Der Wohnraum in der Universitätsstadt in NRW ist knapp – nun erreicht der Mangel aber neue Dimensionen. Grund ist auch eine Panne an der Uni Münster.
Wohnraummangel in Münster durch Panne an Uni verschärft
Wegen eines Fehlers wurden für das laufende Semester an der Uni Münster 1.400 Studierende zu viel angenommen. Der ohnehin schon knappe Wohnraum bietet daher keinen Platz für alle. „Die Kapazitäten des Wohnungsmarktes sind aktuell leider praktisch ausgeschöpft“, sagt Till Pauly, Referent für Soziales und Wohnen im AStA Münster, im Gespräch mit wa.de. „Wir raten Studierenden, die noch keine Wohnung in Münster gefunden haben, daher, bestehende Möglichkeiten des temporären Wohnens zu nutzen, um die Zeit der Wohnungssuche zu überbrücken.“ Im Klartext: Hostels, Jugendherbergen, Campingplätze und Vergleichbares.
Studenten aus Münster wohnt auf Campingplatz
Eine davon ist Emily Richter. Die 19-Jährige musste mit Studiumsbeginn auf einem Campingplatz unterkommen, weil sie keine bezahlbare Wohnung in Münster finden konnte. „Die meisten Menschen auf dem Campingplatz machen Urlaub und fahren dann wieder. Es wäre schon schön, mit Gleichaltrigen zusammenzuwohnen“, sagte sie dem WDR. Die Erstsemester-Studentin ist kein Einzelfall.
Der AStA ist zwar der Meinung, dass „die Situation mit Beginn des Folgejahres“ tendenziell etwas verbessere. Aktuell hat aber nicht jeder Student eine Wohnung gefunden in Münster. Verschiedene Ideen sollen temporär Abhilfe schaffen, bis das Problem gelöst ist – das könnte aber noch dauern.
Panne an der Uni Münster
Bei der Vergabe der Studienplätze vor dem Wintersemester 2023/24 waren durch eine Panne 1.400 mehr Studierende zugelassen worden als vorgesehen. Betroffen waren 19 Fächer, darunter Betriebswirtschaftslehre (BWL), Jura und Soziologie. In BWL beispielsweise gab es nach Angaben der Uni Münster rund 430 zusätzlichen Anmeldungen, bei den Juristen sind es rund 280, wie der WDR berichtete. Die Panne bei Studienplatzvergabe hatte sich schon im September gezeigt.
„Deine Couch für Erstis“ soll Studenten helfen, einen Schlafplatz zu finden
„Zu den kurzfristigen Möglichkeiten zählen beispielsweise unser Programm ‚deine Couch für Erstis‘, bei dem Studierende, die noch Platz in ihren Wohnungen haben, diese für Erstsemester zur Verfügung stellen können“, sagt Pauly. Das Studierendenwerk betreibe außerdem eine Notunterkunft, in der Studierende übergangsweise zumindest einen Schlafplatz erhalten können.
„Weitere Möglichkeiten sind die Suche nach Wohnungen im Umland sowie Hostels und Jugendherbergen. Letztere sind allerdings für viele Studierende kaum finanzierbar“, erklärt der Referent für Soziales und Wohnen im AStA Münster und fordert, „dass die Stadt und das Studierendenwerk solche temporären Wohnprojekte verstärken, um die Wohnungssuche zu entzerren“.
Nun ist das Problem mit dem Wohnungsmangel in Münster nicht neu, die Panne an der Uni Münster hat es sicherlich aber noch einmal verstärkt. „Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist ein Problem, welches seit langem besteht und die Folge jahrzehntelanger politischer Entscheidungen ist. Wir gehen daher leider nicht davon aus, dass sich die Situation in naher Zukunft verbessern wird, solange die Politik keine strukturellen Änderungen vornimmt“, sagt Pauly. Die Studierenden wünschen sich daher von der Politik bessere Lösungen. Konkret fordert der AStA:
- Eine „deutlich“ bessere Finanzierung der Studierendenwerke durch das Land NRW, „damit sie ihrem ureigenen Auftrag, der Versorgung mit bezahlbarem studentischen Wohnraum endlich wieder nachkommen können“.
- Der Staat müsse „endlich wieder massiv in sozialen Wohnungsbau investieren und mit Investitionen dafür sorgen, dass nicht nur Luxuswohnungen, sondern vor allem bezahlbare, öffentlich geförderte Wohnungen entstehen“.
- Besser Schutz für studentische Mieter „vor Ausbeutung und überhöhten Mieten“. Dazu bedürfe es einer „wirksamen Nachschärfung der Mietpreisbremse, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität die Mieterrechte stärkt“.
- Eine Ausweitung des Angebots an bezahlbarem Wohnraum, denn nur so könne „der Druck auf dem Wohnungsmarkt langfristig sinken“.
AStA Münster wünscht sich schnellere und bessere Lösungen
Auch der Vorsitzende des AStA Münster, Maurice Schiller, wünscht sich eine schnellere und bessere Lösung der Probleme. Die Wohnsituation ist für manche Studierende nach der Panne nicht gerade einfach. Sie sei für „alle Beteiligten herausfordernd“, erklärt er im Gespräch mit wa.de und hofft, dass sich ein derartiger Fehler nicht wiederholt. „Wichtig ist, dass aufgeklärt werden kann, wo und bei wem genau der Fehler lag. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich eine so drastische ungeplante Überbuchung nicht noch einmal wiederholt“, sagt er.
Neben ausreichend Wohnraum sei zudem auch noch etwas anderes wichtig, auf das es im laufenden Semester an der Uni Münster ankommt. „Als Reaktion ist es vor allem für Studierende wichtig, dass die Mensen und Bibliotheken nicht zu voll werden, es genug Platz in Vorlesungen oder Seminaren gibt sowie natürlich auch die angesprochene Situation auf dem Wohnungsmarkt angegangen wird“, sagt er – damit die Studenten in Münster genügend Platz in den Hörsälen haben und auch nicht mehr auf Campingplätzen hausen müssen.
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