Schah-Sohn bringt sich in Stellung
„Enthauptungsschlag“ im Iran steht wohl bevor: „Trump braucht Erfolge“
Mehrere europäische Staaten ziehen militärisches Personal aus dem Nahen Osten ab. Experten rechnen mit einem baldigen US-Angriff auf Iran – für Trump könnte das von Vorteil sein. Eine Analyse.
Die Zeichen mehren sich: Ein Angriff der USA auf den Iran könnte kurz bevorstehen. Mehrere europäische Staaten haben bereits Sicherheitsvorkehrungen für ihr militärisches Personal im Nahen Osten getroffen, nach Deutschland zog zuletzt auch Norwegen Soldaten aus der Region ab – wegen der Sicherheitslage, wie ein Sprecher der norwegischen Streitkräfte mitteilte.
Die US-Regierung besteht auf einem Einlenken des Mullah-Regimes im Atomstreit und einer Beendigung des Raketenprogramms. Schon seit Wochen drohen die USA mit einem möglichen Militärschlag, wenn der Iran die Forderungen nicht erfüllt – die iranische Regierung setzt ihrerseits auf eine Verzögerungstaktik. Derweil hat das US-Außenministerium einen Teil seines Botschaftspersonals in der libanesischen Hauptstadt Beirut abbeordert. Nur eine kleine Kernmannschaft soll vor Ort bleiben. Im Libanon sitzt die vom Iran unterstützte Hisbollah – bei einem möglichen Krieg mit Iran könnte es auch dort zu Spannungen kommen.
US-Angriff auf den Iran: Chaos als Ziel eines Militärschlags
Die USA und der Iran verhandeln weiterhin über das iranische Atomprogramm, bislang gab es allerdings keine Fortschritte, und der Konflikt droht zu eskalieren. Auch Politologe und USA-Kenner Siebo Janssen, der die US-Politik intensiv beobachtet, glaubt: „Man kann davon ausgehen, dass die USA sehr bald eingreifen, wenn es keine Einigung gibt.“ Wahrscheinlich sei ein sogenannter „Enthauptungsschlag“, so Janssen: „Also eine sehr gezielte Operation gegen die Führung des Irans.“
Ziel einer ersten Attacke dürfte sein, Chaos zu stiften, aus dem heraus eine möglichst USA-freundliche neue Regierung entsteht. Derweil scheint sich in der Tat bereits Reza Pahlavi, Sohn des vor 47 Jahren im Zuge der iranischen Revolution ins Exil gegangenen Schah Mohammad Reza Pahlavi, in Stellung zu bringen. Bei den jüngsten Protesten im Iran gegen das Regime wurde sein Name immer wieder skandiert. Es sei „durchaus vorstellbar“, dass Royalisten versuchen könnten, das Mullah-Regime abzulösen. Und: Pahlavi ist USA-affin.
Trump selbst könne ein Eingreifen im Iran innenpolitisch nützen, sagt Experte Janssen. Zwar schmeckt dem harten Kern der MAGA-Bewegung die Außenpolitik Trumps nicht – Hardcore-Isolationisten wollen keine Einmischung der USA im Ausland. Aber: „Trump braucht dringend Erfolge, gerade nach der krachenden Niederlage vor dem Supreme Court“, so Janssen. Vor dem Obersten US-Gericht hatte der Präsident gerade eine Klatsche wegen seiner Zolldrohungen kassiert.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran




Und: Trump könnte neue Anhänger unter den Republikanern gewinnen, die ihm bisher skeptisch gegenüberstanden, so Janssen. Denn in manchen Kreisen will man schon seit vielen Jahren einen Change im Iran erreichen: „Schon Konservative in der Bush-Administration haben das immer wieder gefordert, ohne dass es zu einem direkten Eingreifen kam“, erklärt der Experte.
Der Iran hat seinerseits die Regierung in Washington vor jeder Art von Angriff gewarnt: Teheran werde auch auf einen begrenzten Angriff mit „voller Härte“ reagieren, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei, am Montag. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte unterdessen vor einem neuen Krieg in der Region und drängte auf eine diplomatische Lösung. Am Donnerstag sollen die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Genf fortgesetzt werden. (Quellen: Expertengespräch, eigene Recherchen, dpa, afp)
Rubriklistenbild: © dpa/US Navy/AP/Seaman Daniel Kimmelman, Evan Vucci (Fotomontage)
