Raubzug im Ukraine-Krieg

Russen plündern Ukraine: Putins Polizei erschießt eigene Leute

Fabriken, Krankenhäuser, Museen: Russland soll hinter der Ukraine-Front plündern. Jetzt funkten vier Stahldiebe im Asow-Werk dazwischen – mit tödlichen Folgen.

Mariupol – Einst war das Asow-Stahlwerk in der Ukraine eines der größten in Europa. Doch nach intensiven Kämpfen ist die gigantische Fabrik in Mariupol nur noch eine Ruine. In einer der blutigsten Schlachten im Krieg wurde die Anlage dem Erdboden gleichgemacht. Dennoch lagern auf dem Gelände Tonnen von Stahl, die sich weiterhin zu Geld machen lassen und zahlreiche Plünderer anlocken. Doch gegen vermeintliche Diebe geht die Armee aus Russland hart vor. Möglicherweise aus Eigennutz?

Mariupol ist weitgehend zerstört, doch das Stahlwerk lockt noch Plünderer aus Russland an.

Plünderei hinter der Frontlinie: Russlands Armee schießt im Asov-Stahlwerk auf Diebe

Ein Vorfall hinter der Frontlinie im Ukraine-Krieg ließ jetzt aufhorchen. So sollen vier Männer versucht haben, auf dem Gelände des zerstörten Asow-Stahlwerks einen Teil des begehrten Schrotts zu stehlen. Jedoch fielen sie auf – und Sicherheitskräfte von Russlands Armee sollen auf die Plünderer geschossen haben, berichtete Newsweek am Dienstag (14. November) unter Berufung auf örtliche Beamte. Dabei sei einer der Diebe mit einem Kopfschuss getötet und einer der Komplizen lebensgefährlich verletzt worden, hieß es in dem Bericht. Er liegt demnach im Koma. Bei beiden Männern soll es sich demnach um Männer mit russischer Staatsbürgerschaft gehandelt haben.

Ukraine-Krieg: Stahlwerk in Mariupol war Zentrum des Widerstandes

In den ersten Kriegsmonaten des Jahres 2022 stand das Stahlwerk Asowstal als Zeichen des Widerstands. Eine Belagerung der Stadt, die fast drei Monate andauerte, endete im Mai 2022, als rund 2.500 ukrainische Kämpfer das Werk verließen, nachdem sie sich den russischen Streitkräften entgegengestellt hatten. Viele der Asow-Kämpfer stehen jetzt in Russland vor Gericht.

Mariupol, eine strategisch wichtige Hafenstadt am Asowschen Meer, ist derzeit von russischen Streitkräften besetzt. Sie ist Teil eines Landkorridors, der von der östlichen Donbass-Region – die an Russland grenzt – zur annektierten Halbinsel Krim führt. Satellitenbilder von Mariupol, die im April von Google Earth aufgenommen wurden, verdeutlichen das Ausmaß der Zerstörung in der Stadt, die durch die umfangreiche Invasion Russlands hervorgerufen wurde.

Ukraine-News: Sollen Plünderungen im Staatsauftrag Russlands Kriegskosten lindern?

Trotz der Zerstörung haben die ukrainischen Industrieanlagen hinter der Frontlinie für Putins Regime einen Wert. Berichte über Plünderungen im Staatsauftrag gibt es zuhauf. Erst im Mai dieses Jahres beklagte der ukrainische Generalstab in einem Lagebericht die gezielte Demontage in den Industriezonen von Saporischschja. Daneben seien auch etwa in Enerhodar alle medizinischen Einrichtungen der Stadt vollständig geplündert worden, berichtete das News-Portal welt.de. Demnach sei die Beute nach Simferopol auf die ebenfalls besetzte Halbinsel Krim gebracht worden, hieß es.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus vorstellbar, dass Russland auch ein Interesse an den Überresten des Stahlwerkes in Mariupol haben könnte. Der Krieg in der Ukraine dauert länger als geplant und verschlingt enorme Kriegskosten. Doch unabhängig überprüfen lässt sich das nicht.

Plünderungen gelten als Kriegsverbrechen – Russland hat Strafen offiziel verschärft

Offiziell gelten Plünderungen in Konfliktregionen nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen. Doch insbesondere zu Beginn des Ukraine-Krieges gab es immer wieder Berichte über Diebeszüge. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Telefonmitschnitt, in dem angeblich ein russischer Kommandant laut der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) jubelte: „Putin hat uns das Plündern erlaubt.“ Flankiert wurde dies mit Meldungen, wonach die Soldaten alles mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest ist: Waschmaschinen, Kühlschränke, Elektronik, Autos, Schmuck.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

Experten halten es aber für unwahrscheinlich, dass es ein Dekret vom Kreml gibt, dass das Plündern offiziell erlaubt. Selbst wenn es stillschweigend von Putin geduldet wird – ein verschriftlichtest Dokument, das ein Kriegsverbrechen straffrei stellt, wird sich Russlands Präsident nicht anheften lassen. Im Gegenteil, vor knapp einem Jahr hatte die Regierung die Strafen für Plünderungen in der Ukraine sogar noch einmal verschärft. Wer freiwillig in Kriegsgefangenschaft geht oder eben auf Raubzug unterwegs ist, kann mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. (jeki)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Cover-Images

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