Frankfurter-Rundschau-Gespräch

Trumps Grönland-Wunsch ist „derselbe”: Dänemark warnt – NATO-Minister gibt Einschätzung

Entwarnung bei Trumps Griff nach Grönland? Mitnichten, es gibt neue Warnungen. Norwegens Verteidigungsminister erklärt uns seine Sicht der Dinge.

Grönland: Fast ist der Streit um die größte Insel der Erde in Vergessenheit geraten, seit Donald Trump in Davos seine Drohungen einer Übernahme mit Gewalt zurücknahm. Doch tatsächlich wird seither verhandelt und beraten – und Dänemarks Regierung schlug auf der Münchner Sicherheitskonferenz Alarm. „Leider denke ich, dass der Wunsch derselbe ist”, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Samstag. Die Regierungschefin Dänemarks, zu dem Grönland gehört, dürfte die Lage am besten kennen.

Norwegens Verteidigungsminister Tore Sandvik im Gespräch mit Ippen.Media-Autor Florian Naumann.

Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media beklagt auch Norwegens Verteidigungsminister Tore Sandvik „Unklarheit” in Sachen Grönland. Er zeigte sich allerdings zugleich vorsichtig optimistisch – auch, weil die NATO wahrnehmbar nochmals aktiver geworden sei.

Weiter Sorge wegen Trumps Griff nach Grönland – NATO-Minister: „War negativ für Allianz“

Die Entwicklung rund um Trumps Griff nach Grönland sei eine „negative Angelegenheit für die Allianz” gewesen, betonte Sandvik beim Gespräch am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Norwegen unterstütze „natürlich“ Dänemark und die Grönländerinnen und Grönländer – Verhandlung und Entscheidung obliege ihnen. „Ich denke aber, jetzt ist es auf einem guten Weg”, sagte der Minister.

Seit Januar gibt es eine Arbeitsgruppe zwischen den USA, Dänemark und Grönland. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen lobte Ende vergangenen Monats eine „konstruktive Atmosphäre”. Er warnte aber auch, viele Fragen seien offen. Frederiksen erklärte in München, man versuche, eine Lösung zu finden. Vorbei sei „es” aber noch nicht. Es gebe „rote Linien“ – wie die (territoriale) Souveränität.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
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Expeditionen nach Grönland
Dänisch Westindien
Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Am Mittwoch verkündete indes die NATO den Start der Arktismission „Arctic Sentry” – zu deutsch etwa „arktischer Wachtposten”. Sandvik begrüßte das im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Sache befindet sich jetzt in einem größeren NATO-Rahmen, dafür haben wir seit vielen Jahren geworben”, sagte er. „Grönland ist Teil der NATO, also sollten Sicherheitsfragen im Norden, in der Arktis, in der Verantwortung der NATO liegen.”

Trump hatte seine Grönland-Ambitionen unter anderem mit Sicherheitsinteressen der USA begründet. Europäische Politiker bezweifeln diese Argumentation allerdings. Mit einer stärkeren NATO-Präsenz könne man ihr jedenfalls den Wind aus den Segeln nehmen. Arktis-Experte Christoph Humrich erklärte unserer Redaktion mit Blick auf Trumps Grönland-Kurs: „Dass es ihm nicht nur nachrangig um den Nachruhm als größter Präsident aller Zeiten geht, scheint mir sehr offensichtlich.“

Bei der Sicherheitskonferenz kündigte der britische Premier Keir Starmer an, sein Land werde als Bestandteil von „Arctic Sentry” noch 2026 einen Flugzeugträgerverband Richtung Arktis (und Grönland) entsenden. Mehr Aktivität der Verbündeten in der Arktis habe es aber schon im zurückliegenden Jahrzehnt gegeben, sagte Sandvik. „Jetzt hat nur der Rest der Welt mitbekommen, dass hier etwas passiert. Und das ist gut”, fügte er hinzu.

Zunehmend „heiße“ Arktis rückt stärker in NATO-Fokus – Warnung vor Russlands Flotte

Die Arktis insgesamt werde tatsächlich „heißer“, sagte der norwegische Amtskollege von Boris Pistorius. Die Eisschmelze erlaube neue, kürzere Schifffahrtsrouten und könne gefragte Rohstoffe und Mineralien freilegen. Dabei wolle Russland zu einem „Hegemon“ in der Region werden. Auch China bezeichne sich mittlerweile vielsagend als „arktisnaher Staat“.

Konkret warnte Sandvik vor einer laufenden Aufrüstung der russischen Flotte auf der – an Finnland und Norwegen grenzenden – Halbinsel Kola; Verlusten im Ukraine-Krieg zum Trotz. Es gebe „neue Fregatten, neue U-Boote. Sowohl strategische U-Boote, die Interkontinentalraketen tragen können, als auch Angriffs-U-Boote mit Marschflugkörpern und Atomsprengköpfen sowie Multifunktions-U-Boote.” Norwegen fungiere in dieser Region als „Augen und Ohren“ der NATO – und damit auch der USA. Die Sorge um das Bündnis prägte die Sicherheitskonferenz. (Quellen: Gespräch mit Tore Sandvik, dpa, dr.dk, eigene Recherchen)

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