Nahost
Brisante Studie enthüllt: Experte kritisiert, wie einseitig deutsche Medien über Israel berichten
Eine Studie des Berliner Tikvah Instituts bescheinigt den deutschen Medien eine einseitige Nahost-Berichterstattung. Israel wird demnach häufig als alleiniger Aggressor des Nahost-Konflikts dargestellt.
Der Antisemitismus-Experte Jonas Hessenauer beobachtet eine teils einseitige Berichterstattung über Israel in deutschen Medien. „In den deutschen Medien finden sich immer wieder antisemitische Stereotype“, kritisierte Hessenauer vom Berliner Tikvah Institut im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Hessenauer ist Mit-Autor der Studie „Israel in deutschen Medien“. Das Forschungsprojekt läuft seit 2023 und arbeitet mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums.
Medienanalyse: Positive Ausnahme nach dem 7. Oktober 2023
Eine positive Ausnahme seien die Wochen nach dem 7. Oktober 2023 gewesen. In dieser Zeit hätten Berichte und Kommentare überwogen, in denen ein tiefer Schock über die Gewalt der Hamas und Solidarität mit der israelischen Zivilgesellschaft zum Ausdruck gebracht worden sei.
Berichte und Interviews mit israelischen Opfern oder ehemaligen Geiseln der Hamas seien Gegenstand vieler Artikel gewesen. „Im Vergleich zur internationalen Berichterstattung konnte man in deutschen Medien eine größere Sensibilität für Antisemitismus erkennen“, konstatierte Hessenauer.
Forschungsprojekt mit 40.000 Artikeln: Ergebnisse noch ausstehend
Für das noch laufende Forschungsprojekt wurde aus knapp 40.000 Artikeln in deutschen Medien eine Stichprobe gezogen, die quantitativ und qualitativ ausgewertet wird. Die endgültigen Ergebnisse stehen noch aus.
Am 7. Oktober 2023 hat die Terrororganisation Hamas Israel überfallen, etwa 1.200 Menschen wurden getötet und mehr als 240 Geiseln in den Gaza-Streifen verschleppt. In der Folge startete Israel eine Militäroffensive gegen die Hamas im Gaza-Streifen, Zehntausende Menschen wurden dabei getötet. Inzwischen wurden alle 20 noch lebenden Geiseln der Hamas freigelassen und der Gaza-Krieg beendet.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Rückkehr alter Muster: Israel wieder als Aggressor dargestellt
Im Laufe des Konflikts seien die Solidaritätsbekundungen Israelis gegenüber aber wieder abgeflaut und einseitige Darstellungen, wonach Israel alleinig Schuld trage an dem Konflikt, hätten wieder zugenommen, sagte Hessenauer.
Als Beispiel nannte er eine häufige Verkehrung von Ursache und Reaktion in Überschriften: Israel werde oft als Aggressor in Überschriften genannt, aus dem Artikeltext gehe dann allerdings hervor, dass es lediglich auf Angriffe durch die Hamas reagierte. „In einem Kommentar fand sich zudem die Behauptung, wonach bestimmte israelische Akteure den deutschen Mediendiskurs lenken würden. Dahinter steht die antisemitische Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung.“
Palästinenser oft nur als Opfer dargestellt
Expliziter Rassismus gegenüber Palästinensern sei weniger zu beobachten gewesen. Allerdings würden Palästinenser in der deutschen Nahost-Berichterstattung oft ausschließlich als Opfer dargestellt und nicht als handelnde Subjekte, sagte der Experte des Instituts, zu dessen Gesellschaftern der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, gehört.