Symbol für Europas Stärke
Mega-Projekt scheitert: Deutsch-französischer Superkampfjet hat keine Zukunft
Deutschland und Frankreich wollten ein ultramodernes Kampfflugzeug entwickeln. Doch acht Jahre nach der Idee steht das Mega-Projekt vor dem Aus.
Er sollte zum Symbol für die Stärke Europas werden: Ein Superkampfjet, der von Frankreich und Deutschland gemeinsam entwickelt wird. Doch ausgerechnet jetzt, da sich die NATo in einer der schwierigsten Phasen befindet, steht das Projekt offenbar vor dem Aus – auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Das milliardenschwere deutsch-französische Rüstungsprojekt Future Combat Air System (FCAS) steht kurz vor dem Scheitern, berichtet das Magazin Stern. Bundeskanzler Friedrich Merz soll Mitte Januar Kabinettsmitglieder nach einem Gespräch mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron informiert haben, dass es keinen gemeinsamen Kampfjet mehr geben werde.
Deutsch-französisches Kampfjet-Projekt steht vor endgültigem Aus
Ein Sprecher der Bundesregierung betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass über die Zukunft des FCAS-Projekts noch nicht final entschieden worden sei. Dennoch mehren sich Zweifel, dass es weiter gehen wird. Das Vorhaben, das als Symbol für die europäische Verteidigungszusammenarbeit galt, droht nun am Streit zwischen den beteiligten Unternehmen und Ländern zu scheitern. Eine für Ende des Jahres geplante Entscheidung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Stern zufolge erwartet die Bundesregierung bis spätestens Ende Februar von der französischen Seite endgültige Klarheit über die Zukunft des Projekts.
FCAS, was für „Future Combat Air System“ steht, sollte das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt werden. Ziel war es, ein Luftkampfsystem zu entwickeln, das ab 2040 den Eurofighter und die französische Rafale ablösen sollte. Das System umfasst nicht nur einen Kampfjet, sondern auch unbemannte Begleitflugzeuge und eine sogenannte Combat Cloud zur digitalen Vernetzung. Mit geschätzten Gesamtkosten im dreistelligen Milliardenbereich sollte FCAS die Zukunft der europäischen Luftverteidigung sichern.
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Streit zwischen Kampfjet-Herstellern Dassault und Airbus offenbar nicht lösbar
Der Hauptgrund für die Verzögerungen und das mögliche Scheitern liegt im Konflikt zwischen dem französischen Unternehmen Dassault und der deutschen Airbus-Rüstungssparte. Dassault-Chef Eric Trappier fordert für sein Unternehmen 80 Prozent der Anteile am Kampfjet-Projekt und begründet dies mit dem technologischen Vorsprung Frankreichs. Die deutsche Seite besteht hingegen auf einer gleichberechtigten Beteiligung, wie es in den ursprünglichen Vereinbarungen vorgesehen war.
Angesichts der Schwierigkeiten werden bereits Alternativen diskutiert. Eine Option ist die von Deutschland ins Spiel gebrachte „Zwei-Fighter-Lösung“, bei der zwei verschiedene Jets von unterschiedlichen Unternehmen entwickelt würden. Allerdings droht auch dieser Vorschlag am Widerstand Frankreichs zu scheitern. Einige Komponenten wie die „Combat Cloud“, ein digitales Kommunikationssystem, das das Flugzeug mit Begleitdrohnen vernetzen soll, sollen weiter gemeinsam entwickelt werden.
Scheitern von FCAS könnte deutsch-französische Beziehungen belasten
Eine weitere Alternative könnte ein mögliches Umschwenken Deutschlands auf das Global Combat Air Programme (GCAP) sein, ein Konkurrenzprojekt von Großbritannien, Italien und Japan. Ein anonymer französischer Verantwortlicher erklärte der Zeitung La Tribune: „Wenn tatsächlich keine Einigung über eine Neuorganisation des Programms erzielt werden kann, ist Frankreich in der Lage, seine Kampfflugzeuge alleine zu bauen.“
Ein Scheitern von FCAS hätte nicht nur erhebliche Folgen für die deutsch-französische Rüstungskooperation, sondern würde auch die bilateralen Beziehungen belasten. Zudem würde es die Fähigkeit Europas infrage stellen, komplexe Verteidigungsprojekte eigenständig zu entwickeln und umzusetzen. (Quellen: Stern, La Tribune, AFP)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
