Telegram im Ukraine-Krieg

Front-Chaos bei Putins Truppen: Soldaten verärgert wegen Kreml-Entscheidung – „Sollen wir Brieftauben nutzen?“

Telegram spielt in Russland eine wichtige Rolle – auch an der Front im Ukraine-Krieg. Eine Kreml-Entscheidung stößt daher auf Widerstand.

Das Regime in Russland hat seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine Zensur und Kontrolle im Internet noch weiter ausgebaut. So schränken die Behörden neben Whatsapp auch den Messengerdienst Telegram ein – wohl auch, um die Bevölkerung auf das einheimische Pendant Max zu zwingen. Bei den russischen Soldaten an der Front des Ukraine-Kriegs kommt das offenbar gar nicht gut an. Als Kommunikationsmittel ist Telegram nämlich weit verbreitet.

Fotomontage Wladimir Putins (l.) und Telegram-Logo (r.)

In Russland ist Telegram der beliebteste Messenger und ein wichtiges Online-Netzwerk, auf dem auch viele Prominente und Politiker eigene Kanäle unterhalten. Zu ihnen zählt auch der Abgeordnete und Vorsitzende der Oppositionspartei „Gerechtes Russland“, Sergej Mironow. Wie er auf Telegram schildert, gehen zahlreiche Hilferufe russischer Soldaten bei ihm ein. Wörtlich schrieb er: „Diese Männer vergießen Blut, sie brauchen eine funktionierende Kommunikation, und außer Telegram haben sie oft nichts.“

Opposition und Kreml-Treue kritisieren Putins Telegram-Entscheidung

Die Kritik daran, dass die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor die Geschwindigkeit des Messengerdienstes drosselt, kommt jedoch nicht nur aus der Opposition. Telegram sei das einzig verbliebene Mittel der Abstimmung zwischen verschiedenen Einheiten, schrieb etwa der kremltreue Kanal „Dva Majora“. Die Einschränkung könne unter anderem auch zu Problemen bei der Drohnenabwehr führen, so die Befürchtung.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Weiter erschwert wird die Kommunikation durch Internetprobleme: Seit Kurzem ist auch der Zugriff auf das US-amerikanische Starlink-Satellitennetzwerk eingeschränkt. Dazu schrieb der russische Unternehmer und Blogger Iwan Utenkow: „An der Front herrscht das totale Chaos! Die Starlinks sind ausgefallen, und jetzt stören sie sogar Telegram! Wie sollen wir denn kämpfen? Mit Brieftauben?“

Der Kreml spielt die Bedeutung von Telegram für die Kommunikation an der Front herunter – oder scheint sich ihrer gar nicht bewusst zu sein. So sagte Kremlsprecher Dimitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge: „Ich halte es für unvorstellbar, dass die Kommunikation an der Front über Telegram oder einen anderen Messenger läuft. Das ist schwer vorstellbar und unmöglich.“ Er fügte hinzu, dass Experten sich jedoch besser dazu äußern sollten.

Häme für Putin-Vertrauten nach Telegram-Äußerungen

Diese Aussagen brachten Peskow Spott ein. Der russische Journalist Sergej Mardan witzelte auf seinem Telegram-Kanal: „Peskow kann es nicht glauben. Und er hat nicht einmal jemanden, den er fragen kann.“

Grund für das Vorgehen von Präsident Wladimir Putin gegen den Messenger dürfte auch der geschichtsträchtige Konflikt mit dem russischen Telegram-Gründer Pawel Durow sein, der seit 2014 nicht mehr in Russland lebt. Durow hatte sich geweigert, persönliche Daten von Demonstranten in der Ukraine, die Telegram nutzen, an den russischen Geheimdienst weiterzugeben. 

Im Sommer 2025 hatte Roskomnadsor Anrufe über WhatsApp und Telegram gesperrt. Seitdem sind diese nur noch mithilfe eines Virtual Private Network (VPN) möglich. Im Dezember war zudem der Apple-Videodienst FaceTime blockiert worden. (Quellen: dpa, Kyiv Post, Tass, genannte Instagram-Kanäle) (grmo)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press und IMAGO / SOPA Images

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare