„Schneller, sicherer, besser“

Gegen Russlands Angriff: EU will „Schengenraum für Militär“ – Deutschland im Fokus

In Europa wächst die Angst vor einem Angriff Russlands auf die NATO. Die EU will jetzt den Ernstfall vorbereiten. Man plant, die Zusammenarbeit neu zu organisieren.

Brüssel – Ein neuer EU-Mobilitätsraum soll schnelle Truppenverlegung ermöglichen. Die Umsetzung bis 2027 könnte die Verteidigungsfähigkeit Europas entscheidend stärken.

Ukrainische und deutsche Soldaten stehen bei der Ausbildung am Flugabwehrraketensystem «Patriot» auf einem Truppenübungsplatz

Angesichts der Bedrohung durch Russland plant die EU die Schaffung einer Art von militärischem Schengenraum, um im Ernstfall schnell Truppen und Ausrüstung über die Grenzen der EU hinweg zu verlegen. Dieses Vorhaben soll ermöglichen, Truppen und militärische Ausrüstung „schneller, sicherer und besser koordiniert“ durch Europa zu bewegen, wie die EU-Kommission am Mittwoch bei der Präsentation eines Verteidigungspakets in Brüssel mitteilte. Bis 2027 soll dieser militärische Mobilitätsraum realisiert werden.

EU in Sorge vor Russlands möglichem Angriff auf die NATO – Ernstfall wird vorbereitet

Zu den Maßnahmen der Kommission zählen die Einführung einheitlicher Regeln für die militärische Mobilität und die Festlegung klarer Verfahren für grenzüberschreitende militärische Bewegungen. Diese sollen innerhalb von maximal drei Tagen bearbeitet werden. Ein Schnellverfahren für Notfälle soll eingeführt werden, das unter anderem bei Einsätzen im Rahmen von Nato oder EU den bevorzugten Zugang des Militärs zu Infrastruktur sicherstellt. Im Falle eines Konflikts mit Russland wird Deutschland als zentrales Drehkreuz für Truppen- und Materialtransporte nach Osteuropa betrachtet.

Ein EU-Vertreter erklärte, dass die Mitgliedstaaten zusammen mit der Kommission verpflichtet werden sollen, Routen für die Verlegung militärischer Ausrüstung und Truppen zu entwickeln und zu prüfen, ob Straßen, Schienen, Tunnel oder Brücken die erforderlichen Bedingungen erfüllen. Auf Basis dieser Routen könnten dann grenzüberschreitende Korridore für Militärtransporte festgelegt werden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Pläne der Kommission umfassen auch den Schutz strategischer Infrastruktur sowie Investitionen in die Cyber- und Energiesicherheit. Ein Fahrplan zur Umgestaltung der Verteidigungsindustrie in der EU soll die Verteidigungsbereitschaft stärken. Ein Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro soll Investitionen in Verteidigungsunternehmen fördern und die Entwicklung neuer Technologien beschleunigen.

Für die Jahre 2028 bis 2034 sind laut Kommission rund 18 Milliarden Euro für die militärische Mobilität vorgesehen. Damit sollen unter anderem Engpässe entlang der Transportkorridore beseitigt werden.

Sowohl die militärische Mobilität als auch die Verteidigungsindustrie waren Bestandteil des Weißpapiers zur Verteidigungsfähigkeit der EU, das die Kommission im März vorgestellt hatte. Es bietet den EU-Ländern Finanzierungsmöglichkeiten, um Investitionen im Verteidigungssektor zu steigern.

Daneben plant die EU etwa auch einen Drohnenwall gegen Putins möglichen Angriff. (Verwendete Quellen: afp)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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