Waffenruhe gebrochen
Iran-Krieg: USA setzen trotz Eskalation auf Dialog mit Teheran
Stopp der Kämpfe vereinbart. Neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Dienstag in Katar. Streit über Straße von Hormus.
Update, 29. Juni, 5:00 Uhr: Die USA und der Iran wollen ihre gegenseitigen Angriffe im Streit über die Straße von Hormus US-Angaben zufolge vorerst einstellen und weiter verhandeln. Die beiden Seiten würden „vorerst zurückstecken“ und hätten vereinbart, sich am Dienstag in der katarischen Hauptstadt Doha zu weiteren Gesprächen zu treffen, berichtete der Sender CNN am Sonntag unter Berufung auf einen Regierungsvertreter in Washington. Auch das US-Nachrichtenportal Axios zitierte zwei US-Regierungsvertreter, die dies bestätigten. Die Schiffe in der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus könnten sich nun wieder frei bewegen, sagte einer der Regierungsvertreter.
Iran-Krieg aktuell: Iranischer Klerus fordert Abbruch der Verhandlungen mit den USA
Update, 19:27 Uhr: Der einflussreiche iranische Klerus fordert nach den jüngsten amerikanischen Angriffen einen Abbruch der Verhandlungen mit den USA. In einer Erklärung der theologischen Zentren in der Pilgerstadt Ghom wurden der Präsident, die Mitglieder des Sicherheitsrats sowie das Verhandlungsteam aufgefordert, bei einem erneuten Vertragsbruch die Gespräche mit den USA unverzüglich zu beenden. Dies müsse sowohl aus gesetzlichen als auch aus religiösen Erwägungen geschehen, da ein Vertragsbruch eine Missachtung der im Rahmenabkommen festgelegten Bestimmungen darstelle, heißt es in der Erklärung, die über den Staatssender Irib verlesen wurde.
Die theologischen Zentren in Ghom werden von einflussreichen Klerikern geführt. Sie gelten seit der von Großajatollah Ruhollah Chomeini angeführten Revolution von 1979 als Initiatoren der islamischen Ideologie des Landes und besitzen entsprechend großen Einfluss im politischen System.
Iran-Krieg aktuell: Jordanien und VAE verurteilen iranische Angriffe auf Bahrain und Kuwait
Update, 15:59 Uhr: Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben die jüngsten iranischen Angriffe auf Bahrain und Kuwait scharf verurteilt. Das jordanische Außenministerium erklärte, die „brutalen iranischen Angriffe“ auf die Golfstaaten stellten „eine Bedrohung für ihre Sicherheit und Stabilität sowie die Sicherheit ihrer Territorien“ dar. In einer Mitteilung sprach das Ministerium zudem von „einer gefährlichen Eskalation und einem eklatanten Bruch des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen“. Zugleich betonte es „Jordaniens absolute Solidarität mit dem Schwesterkönigreich Bahrain und dem Schwesterstaat Kuwait“.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg




Auch das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnete die Attacken als „eklatante Verletzung der Souveränität“ der Golfstaaten sowie als Gefahr für „Sicherheit und Stabilität“. Iranischen Staatsmedien zufolge griff der Iran am 27. Juni US-Einrichtungen in der Golfregion als Reaktion auf amerikanische Angriffe auf das Land an. Zuvor hatte Washington Teheran beschuldigt, ein Frachtschiff in der Straße von Hormus angegriffen zu haben.
Iran-Krieg aktuell: Trump setzt scharfe Rhetorik gegenüber Teheran fort
Update, 15:17 Uhr: US-Präsident Donald Trump setzt seine scharfe Rhetorik gegenüber dem Iran fort. „Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht mehr vernünftig sein können und gezwungen sein werden, die Aufgabe, die wir sehr erfolgreich begonnen haben, militärisch zu vollenden. Wenn das passiert, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren“, schrieb Trump am Samstag auf seiner Plattform Truth Social.
Der Verteidigungsanalyst Wolfgang Pusztai, ehemaliger Militärattaché Österreichs, riet jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation. Gegenüber Al Jazeera sagte er, Trump bediene mit solchen Aussagen „nicht nur dem Iran und der internationalen Öffentlichkeit, sondern auch seinem heimischen Publikum. Er verwendet recht seltsame Argumente, daher sollte man das alles nicht wörtlich nehmen.“
Iran-Krieg aktuell: Straße von Hormus erneut im Fokus
Update, 14:35 Uhr: Der Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus hat eine neue Welle gegenseitiger Attacken zwischen den USA und dem Iran ausgelöst. Washington macht Teheran für den Vorfall vom Donnerstag verantwortlich und begründete damit neue Militärschläge gegen iranische Ziele – trotz einer vereinbarten Waffenruhe.
Analysten werten den Frachter-Angriff als Signal: Der Iran wolle damit verdeutlichen, dass er die Kontrolle über die Meerenge beansprucht. Auch Angriffe auf US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait könnten in dieses Muster passen. Sie seien möglicherweise Teil eines Versuchs, die Golfstaaten dazu zu bringen, eine iranische Kontrolle über die Straße von Hormus zu akzeptieren, heißt es in einer Lageanalyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) in Washington.
Update, 11:40 Uhr: Der Iran erhebt aufs Neue den Alleinanspruch auf die Kontrolle der Straße von Hormus. „Die Straße von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt“, sagte Außenminister Abbas Araghtschi bei einer Pressekonferenz in Bagdad. Jede Einmischung oder der Aufbau paralleler Strukturen würde die Lage verschärfen und die Wiedereröffnung der Meerenge verzögern, warnte er.
Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe faktisch gesperrt und als Druckmittel in Verhandlungen eingesetzt. Die Öffnung der Straße ist Teil des jüngst vereinbarten Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran. Während der 60-tägigen Verhandlungen darf der Iran keine Durchfahrtsgebühren erheben.
Waffenruhe im Iran in Trümmern: USA und Teheran greifen sich wieder an – Trump will „Werk vollenden“
Trotz einer erst vor elf Tagen vereinbarten Waffenruhe greifen sich die USA und der Iran an diesem Wochenende wieder an – und der Konflikt droht sich weiter zuzuspitzen. „Es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem wir gezwungen sein werden, das Werk, das wir sehr erfolgreich begonnen haben, mit militärischen Mitteln zu vollenden“, schrieb US-Präsident Donald Trump auf seinem Onlinedienst Truth Social. In diesem Fall werde „die Islamische Republik Iran nicht länger existieren“. Die Revolutionsgarden antworteten mit der Ankündigung einer „vernichtenden Antwort“ auf jede weitere Aggression.
Den Auslöser der jüngsten Eskalation lieferte ein iranischer Drohnenangriff auf den Öltanker „Kiku“. Das Schiff unter der Flagge von Panama transportierte mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus, als es attackiert wurde.
USA reagieren auf Attacke des Iran in Straße von Hormus: US-Kampfjets greifen Ziele im Iran an
Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, US-Kampfjets der Marine und der Luftwaffe hätten am Samstagabend als direkte Reaktion darauf zehn iranische Militärziele „an mehreren Orten in und nahe der Straße von Hormus“ angegriffen. Getroffen worden seien militärische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Mittel zur Minenverlegung. Iranische Medien berichteten von mehreren Explosionen in den Regionen Sirik und Keschm im Süden des Landes.
Es war bereits der zweite US-Angriff binnen zwei Tagen. Schon am Freitag hatte Centcom Angriffe auf iranischem Gebiet gemeldet – ebenfalls als Reaktion auf einen iranischen Übergriff auf ein Frachtschiff in der Meerenge. Teheran warf Washington daraufhin einen „eklatanten Verstoß“ gegen das Abkommen zur Beendigung des Krieges vor.
Mullah-Regime übt Vergeltung in den Golfstaaten und trifft US-Basen in Kuwait und Bahrain
Die Revolutionsgarden schlugen in der Nacht zum Sonntag zurück. Sie erklärten, sie hätten „acht wichtige Einrichtungen der US-Armee“ auf dem Stützpunkt Ali al-Salem in Kuwait und auf dem Stützpunkt der Fünften US-Flotte in Port Salman in Bahrain zerstört. Die kuwaitische Armee bestätigte, sie wehre „feindliche Raketen- und Drohnenangriffe“ ab. In Bahrain wurde zweimal Luftalarm ausgelöst; das Innenministerium rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und Schutzräume aufzusuchen. Ob die Angriffe tatsächlich das von den Revolutionsgarden beschriebene Ausmaß hatten, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Neue Eskalation im Iran-Krieg droht: Trump kündigt an, nicht mehr vernünftig zu handeln
Trump warf dem Iran auf Truth Social vor, „wieder“ gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Es könne ein Zeitpunkt kommen, an dem die USA „nicht mehr in der Lage“ seien, vernünftig zu handeln. Die Revolutionsgarden ihrerseits kündigten an, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus künftig „mit der Islamischen Republik“ zu kontrollieren. Schiffe, die gegen ihre Vorgaben verstießen, würden „mit noch größerer Härte“ behandelt.
Das Rahmenabkommen vom 17. Juni, das unter pakistanischer Vermittlung zustande gekommen war, sieht eigentlich vor, dass beide Seiten binnen 60 Tagen eine endgültige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges aushandeln. Der Iran hatte zugesagt, Handelsschiffen für diesen Zeitraum eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.
Derzeit lässt Teheran nach eigenen Angaben allerdings nur eine Route entlang seiner Küste zu. Vor dem am 28. Februar begonnenen US-israelischen Krieg gegen den Iran passierte rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas die etwa 30 Kilometer breite Meerenge. Centcom erklärte, der Handelsschiffsverkehr laufe trotz der neuen Angriffe weiter. (Quelle: AFP) (smu)
Rubriklistenbild: © Julia Demaree Nikhinson
