Gemischte Gefühle

Hamburg wählt bald: Bundestagswahl-Ergebnisse befeuern den Endspurt

Hamburg steht vor der Bürgerschaftswahl – und das Bundestagswahlergebnis sorgt für Nervosität. Parteien ziehen ihre Lehre für den Wahlkampf-Endspurt.

Hamburg – Die Bundestagswahl ist vorüber und die Stimmen sind größtenteils ausgezählt. Während es im Bund jetzt darum geht, eine Regierung zu bilden, steht den Einwohnern Hamburgs gleich die nächste Wahl bevor. Am Sonntag (2. März) wird in der Hansestadt eine neue Bürgerschaft gewählt. Angesichts dessen betrachten die Hamburger Spitzenkandidaten das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl mit gemischten Gefühlen. Die einen stimmt es zuversichtlich, für die anderen verheißt es nichts Gutes.

Aus der gestrigen Wahl ging die Union mit etwa 28,6 Prozent der Stimmen als Gewinner hervor. Dementsprechend zufrieden ist der Hamburger CDU-Chef Dennis Thering. Gegenüber dem NDR gratulierte er Friedrich Merz (CDU) und blickte frohgemut auf kommenden Sonntag. „In Hamburg gehen wir mit Rückenwind aus Berlin in die Verlängerung des Wahlkampfes bis zur Bürgerschaftswahl am 2. März“, so Thering. Ziel der Hamburger CDU sei es, so viele Stimmen zu bekommen, dass die derzeitige rot-grüne Koalition nicht fortgeführt werden kann.

Bundestagswahl als Stimmungstest: Hamburger Spitzenkandidaten bewerten das Wahlergebnis

Bei der Hamburger SPD liegt die Stimmung dem Bericht zufolge hingegen im Keller. „Das ist ein bitterer Tag für die SPD in Deutschland. Es ist eine sehr schwere Niederlage. Ich bin ebenso enttäuscht über die Verluste überall im Land wie alle Mitglieder der SPD“, so der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Schmidt – seine Bilanz über das Ergebnis von 16,4 Prozent im Bund. Für die Bürgerschaftswahl erhoffte er sich aber ein besseres Ergebnis, auch wegen der aktuellen Umfragewerte.

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Die Hamburger Grünen-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, Katharina Beck, habe sich mit Blick auf die Wahl am Sonntag ebenfalls zuversichtlich gezeigt. Allein, dass die Partei ihr Ergebnis von 2021 in diesen „schwierigen Zeiten“ gehalten habe, sei „bemerkenswert“. Katharina Fegebank (Grüne), die zweite Bürgermeisterin der Stadt, zeigte sich gegenüber der Rundfunkanstalt nachdenklicher. Der Ausgang der Bundestagswahl zeige, dass die politische Mitte geschwächt sei, was sie „mit großer Sorge“ erfülle.

Linke feiern Erfolg bei der Bundestagswahl: Doch AfD-Ergebnis bereitet der Parteispitze große Sorgen

Mehr Grund zu jubeln gab es bei den Linken. Die Bundestagswahl sei „ein Riesenerfolg von uns allen, die diesen unglaublichen Wahlkampf gestemmt haben“, so die Co-Landessprecherin der Partei, Sabine Ritter, laut dem Bericht. Jetzt gehe man gestärkt in die Schlussphase des Wahlkampfs für die Bürgerschaftswahl. Ungetrübt ist die Freude bei den Linken aber nicht. „Eine rechtsradikale Partei steht bei 20 Prozent, gemeinsam mit der erschreckend rechtsoffenen Union der Herren Merz und Söder liegt man über 50 Prozent. Das kann und darf niemanden kalt lassen“, habe sich Co-Landessprecher Thomas Iwan besorgt geäußert.

Am meisten sieht sich die AfD bestätigt. Hamburgs AfD-Chef Dirk Nockemann macht gegenüber der Rundfunkanstalt auf das „historische Wahlergebnis“ aufmerksam. „Das fulminante Ergebnis gibt uns Rückenwind für die letzten Meter im Bürgerschaftswahlkampf. Wir wollen klar zweistellig werden“, habe Nockemann mit Blick auf Sonntag gesagt. Auch für den Bund habe der AfD-Politiker klare Vorstellungen geäußert. Der Wählerwille deute klar auf eine schwarz-blaue Koalition, sie er sicher gewesen.

Umfragen für Hamburg-Wahl: SPD führt klar – Fortsetzung der Koalition mit Grünen wahrscheinlich

Anders als im Bund deutet sich in Hamburg mehr politische Kontinuität an, wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt. Laut Umfragen liegt die SPD derzeit mit deutlichem Vorsprung bei rund 30 Prozent. Dahinter folgen die Grünen und die oppositionelle CDU, die jeweils bei etwa 18 Prozent liegen. Deutlich abgeschlagen sind die Linke und die AfD, die derzeit bei rund neun bis zehn Prozent rangieren. Damit zeichne sich eine voraussichtlich unkomplizierte Regierungsbildung ab, so der Bericht. Die Koalitionspartner SPD und Grüne hätten weiter eine Mehrheit. Ein zumindest denkbarer Koalitionswechsel zu einem Bündnis aus SPD und CDU sei kein Thema.

Die SPD hat Hamburg trotz des katastrophalen Ergebnisses bei der Bundestagswahl fest im Griff – für die Partei Grund zur Zuversicht.

Sowohl SPD als auch Grüne hätten sich bereits klar zu einer Fortsetzung der Koalition ausgesprochen, die weitgehend reibungslos regiere. Das treffe die Stimmung der Wählerinnen und Wähler: Mehr als 50 Prozent hätten sich in Umfragen jüngst für eine Fortsetzung des Bündnisses ausgesprochen, 30 bis 40 Prozent für eine Koalition aus SPD und CDU. Etwa die Hälfte der Befragten wolle Tschentscher auch künftig als Ersten Bürgermeister im Rathaus sehen. (tpn)

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janssen via www.imago-images.de

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