Staatsbesuch in den USA

König Charles im US-Kongress: Eindringlicher Appell für Ukraine und westliche Allianz

König Charles und Camilla reisen in die USA zu Präsident Donald Trump. Der Besuch steht im Schatten von Schüssen, Epstein und dem jüngsten Eklat um Harry.

Update vom 28. April, 22:13 Uhr: Nach wochenlangen Spannungen wegen des Iran-Kriegs hat der britische König Charles III. die USA zum Zusammenhalt mit ihren westlichen Verbündeten aufgerufen. Kein Land könne die großen Herausforderungen der heutigen Zeit „alleine bewältigen“, sagte Charles am Dienstag in einer Rede vor dem US-Kongress. Großbritannien und die USA könnten sich daher auch nicht „auf vergangenen Errungenschaften ausruhen“.

Besuch von König Charles bei Trump: König ruft USA zum Zusammenhalt mit westlichen Verbündeten auf

„Welche Differenzen und Meinungsverschiedenheiten es auch zwischen uns geben mag, wir stehen zusammen in unserem Engagement für die Bewahrung der Demokratie“, sagte Charles vor beiden Parlamentskammern. Er wies in seiner gut halbstündigen Rede immer wieder auf die „besondere Beziehung“ zwischen Großbritannien und den USA hin, die sich zu einem der wichtigsten Bündnisse „in der Geschichte der Menschheit“ entwickelt habe. „Ich bete mit meinem ganzen Herzen dafür, dass unser Bündnis weiterhin unsere gemeinsamen Werte verteidigen wird“, sagte der König.

Auch mit Blick auf die Ukraine mahnte er die Einigkeit des Westen an: Um einen „wirklich gerechten und dauerhaften Frieden“ im Ukraine-Krieg zu erreichen, sei eine „unbeugsame Entschlossenheit“ erforderlich. Neue Bedrohungen erforderten zudem stärkere Verteidigungsanstrengungen.

Erstmeldung: König Charles III. und Königin Camilla absolvieren diese Woche einen mehrtägigen Staatsbesuch in den USA. Das Programm ist dicht: ein Empfang im Weißen Haus, ein Staatsbankett am Dienstag, eine historische Rede vor dem US-Kongress – als erst zweiter britischer Monarch nach Queen Elizabeth II. Anlass ist der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Doch der Besuch findet in einem Washington statt, das politisch und sicherheitstechnisch unter Schock steht. Hinzu kommt ein US-Präsident, der erst in der vergangenen Woche den Sohn von Charles, Prinz Harry, verbal ins Visier nahm.

König Charles III. besucht mit Camilla Donald Trump in den USA. Dem Staatsbesuch geht eine gewisse Brisanz voraus. (Archivbild)

Am Wochenende hatte ein bewaffneter Mann beim traditionellen Dinner der White-House-Korrespondenten versucht, in den Ballsaal eines Washingtoner Hotels einzudringen, in dem der US-Präsident, First Lady Melania und Kabinettsmitglieder an einer Gala teilnahmen. Als Schüsse fielen, wurden das Präsidentenpaar und weitere Regierungsmitglieder in Sicherheit gebracht. Ein Beamter wurde verletzt, der Täter festgenommen. Trump und Melania blieben unverletzt. Der Buckingham-Palast überprüfte daraufhin die Reisepläne in letzter Minute – bestätigte aber schließlich, dass die Visite wie geplant stattfinden werde. Charles ließ ausrichten, er sei „sehr erleichtert zu hören, dass der Präsident, die First Lady und alle Gäste unverletzt geblieben sind.“ Trump lobte den „tapferen“ King dafür, dass er seinen Besuch in Amerika fortsetzte.

Besuch von König Charles bei Trump: US-Reise mit Brisanz

Der Staatsbesuch des britischen Königs findet vor dem Hintergrund tief angespannter Beziehungen zwischen London und Washington statt. Kern des Konflikts ist der Iran-Krieg: Premierminister Keir Starmer lehnte es ab, britische Truppen und Militärstützpunkte für die US-geführten Angriffe auf den Iran zur Verfügung zu stellen. „Das ist nicht unser Krieg“, stellte Starmer klar. Trump reagierte mit unverhohlener Verärgerung. Im März spottete er in Anspielung auf den britischen Kriegspremier des Zweiten Weltkriegs: „Wir haben es hier nicht mit Winston Churchill zu tun.“

Die US-britischen Beziehungen seien „nicht mehr das, was sie mal waren“, schimpfte Trump. In einer Rede auf einem Oster-Lunch äffte er sogar Starmers Tonfall nach, als er über dessen angebliche Zögerlichkeit beim Thema Flugzeugträger spottete: „Ich sagte: Du hast zwei alte, kaputte Flugzeugträger. Könntest du sie rüberschicken? Er sagte: Da muss ich mein Team fragen. Ich sagte: Du bist doch der Premier. Nein, ich muss mein Team fragen.“

Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office

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Wenige Tage vor dem royalen Besuch in den USA hatte zudem Prinz Harry beim Kiewer Sicherheitsforum die USA aufgefordert, ihre Verpflichtungen gegenüber der Ukraine einzuhalten. Trump meldete sich wenig später zu Wort – und ließ keinen Zweifel daran, was er von Harrys Auftritt hielt: „Prinz Harry spricht nicht für Großbritannien.“ Einen weiteren Schatten wirft der Epstein-Skandal. Charles‘ Bruder Andrew, dem der König mittlerweile alle Titel entzogen hat, war jahrelang mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet. Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte mehrfach ausgesagt, sie sei zum Sex mit Andrew gezwungen worden – das erste Mal bereits mit 17.

Reise von König Charles zu Trump – trotz Gala-Schüssen

Dass die Reise von König Charles zu Trump dennoch stattfindet, war für die britische Seite alternativlos – zumindest aus protokollarischer Sicht. Politikjournalist Andrew Rawnsley vom Observer bringt es auf den Punkt: Eine Absage wäre „wohl das Unhöflichste, das Großbritannien den US-Amerikanern angetan hat, seit Soldaten des British Empire im Jahr 1814 das Weiße Haus niederbrannten.“ Die Historikerin und Monarchie-Expertin Anna Whitelock von der St.-George‘s-Universität London ergänzt: „Solche Staatsbesuche werden nur wegen Krankheiten oder Sicherheitsbedenken abgesagt.“ Dennoch sei es „schwer vorstellbar, dass Charles und Camilla die Reise genießen werden.“

Auf britischer Seite ruhen die Hoffnungen auf der persönlichen Beziehung zwischen dem König und dem US-Präsidenten. Trump schwärmte in einem BBC-Interview: „Definitiv“ könne Charles III. dazu beitragen, das Verhältnis zwischen beiden Staaten wieder ins Lot zu bringen. „Er ist fantastisch. Er ist ein fantastischer Mann.“ Der neu ernannte britische Botschafter in den USA, Christian Turner – sein Vorgänger Peter Mandelson war nach Enthüllungen über Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein entlassen worden – bezeichnete den Besuch als „wichtig“. Charles und Trump verbinde ein „sehr persönliches Verhältnis“, geprägt von „tiefer Zuneigung und Respekt“, sagte Turner dem Sender NBC News.

Historiker ordnen den Besuch von Charles in den USA als außergewöhnlich heikel ein. Anthony Seldon, Politikhistoriker an der Universität Wellington, bezeichnet ihn laut Guardian als schwieriger als jeden offiziellen Königsbesuch seit Georg VI., der Roosevelt zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bewegen wollte. Für Charles spreche allerdings ein entscheidender Faktor: Er sei „wahrscheinlich die einzige Person auf der Welt, die Trump nicht verärgern wolle“ – was dem König mehr Spielraum bei den Gesprächen lasse.

Für die Kongressrede des Königs, die international übertragen wird und als womöglich wichtigste seines Lebens gilt, empfiehlt Experte Philip Murphy eine indirekte Strategie: Charles könne gemeinsame Werte – Freiheit, Demokratie, jahrhundertealte Verbundenheit – betonen und damit die amerikanische Öffentlichkeit „quasi über Trumps Köpfe hinweg“ ansprechen, sagte der Experte laut Guardian. Das bilaterale Gespräch im Oval Office findet bewusst unter Ausschluss der Presse statt – eine Lehre, die der Palast offenbar aus Wolodymyr Selenskyjs öffentlicher Demütigung durch Trump gezogen hat. Laut Buckingham Palace wird Charles in seiner Rede „die Herausforderungen anerkennen, vor denen unsere Länder stehen“. 

„Schwieriger Staatsbesuch für den König“ bei Donald Trump

Der Verfassungsexperte Craig Prescott von der Londoner Royal Holloway-Universität bescheinigt Charles diplomatisches Geschick: Der König sei „generell sehr gut“ darin, in schwierigen diplomatischen Fahrwassern zu navigieren. Gleichzeitig räumt Prescott ein, es handele sich „zweifellos“ um einen „schwierigen Staatsbesuch für den König“, wie der Deutschlandfunk schreibt – auch wegen der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten.

Prescott erwartet, dass Charles die bilateralen Spannungen in seiner Rede vor dem Kongress auf verklausulierte Weise ansprechen wird. Laut Palast soll es darin um die gemeinsame Vergangenheit und die tiefe Verbindung beider Staaten gehen. Der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit biete den Briten zudem eine gute Möglichkeit, zu argumentieren, „dass es bei dem Besuch nicht eigentlich um Keir Starmer und Donald Trump geht“. Wenn Trump auch nur einmal das Wort „besondere Beziehung“ sage, „wäre das schon ein Erfolg“, so Monarchie-Expertin Whitelock.

Besuch von Charles in den USA – Kritik in Großbritannien

In Großbritannien selbst ist der Besuch von Charles in den USA umstritten. Laut einer Umfrage im Auftrag von The i Paper sind 44 Prozent der Briten gegen den Besuch, nur 35 Prozent dafür. Der Parteichef der Liberaldemokraten, Ed Davey, forderte im Parlament offen die Absage: „Er ist ein gefährlicher und korrupter Gangster“, rief er laut Tagesschau Premier Starmer zu – gemeint war Trump. Es sei nicht richtig, den König in eine solche Lage zu bringen. Graham Smith von der Anti-Monarchie-Gruppe Republic zeigte sich skeptisch: Charles werde „die Rituale durchlaufen, ohne irgendetwas Gehaltvolles zu bieten“. Das einzig Interessante an diesem „sinnlosen Besuch“ sei die Frage, „wie Trump sich benimmt“. (Quellen: Guardian, Observer, Deutschlandfunk, Tagesschau, dpa, AFP) (fbu)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/AP/dpa

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