„Einziger Russe, den sie tolerieren“

Geheimtreffen in Kiew: Oligarch Abramowitsch überbrachte Selenskyj mysteriöse Botschaft von Putin

Bei einem Geheimtreffen in Kiew soll der russische Oligarch Roman Abramowitsch als Bote fungiert haben – mit klaren Ansagen von beiden Seiten.

In der vergangenen Woche bot der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Wladimir Putin direkte Gespräche zur Beilegung des Kriegs in der Ukraine an. Der Kremlchef lehnte ab. Wie sich jetzt herausstellte, fungierte zuvor der Oligarch Roman Abramowitsch als Bote. Der frühere Besitzer des englischen Fußballklubs FC Chelsea übermittelte eine Nachricht Selenskyjs an Putin. Deren Inhalt lässt das Angebot direkter Gespräche in neuem Licht erscheinen.

Der Oligarch Roman Abramowitsch übermittelte Wladimir Putin eine Nachricht von Wolodymyr Selenskyj.

Über das geheime Treffen zwischen Abramowitsch und Selenskyj hatte zunächst die Financial Times berichtet. Demnach lud der ukrainische Präsident den Milliardär im vergangenen Mai nach Kiew ein. Er sollte Putin die Botschaft überbringen, dass Selenskyj jederzeit bereit sei, sich zu einem Treffen zu verabreden. Es wäre ihr erstes bilaterales Gipfeltreffen überhaupt gewesen.

Geheimtreffen zwischen Selenskyj und Abramowitsch in Kiew

Selenskyj zufolge sei Abramowitsch nach Kiew gekommen, um zu sondieren, wozu die Ukraine bereit sei. Die „Kernbotschaft“ sei gewesen, dass die Ukraine die wichtige Industrieregion Donbass nicht aufgeben werde. „Ich habe ihm gesagt: ‚Wir werden unser Territorium nicht verlassen, nein, wir werden euch keinen solchen Sieg schenken‘“, sagte Selenskyj, der am Sonntag (7. Juni) im Sender Sky News das Treffen bestätigte. Er fügte hinzu, er habe in der Botschaft seine Bitte um ein persönliches Treffen mit Putin bekräftigt.

Abramowitsch hatte aber auch eine Botschaft von Putin im Gepäck. Selenskyj zufolge soll er gesagt haben: „Ich habe eine Nachricht für Sie und ich möchte eine Nachricht von Ihnen an Putin übermitteln.“ Die einzige Voraussetzung sei gewesen, dass darüber Stillschweigen bewahrt werde. Selenskyj habe daraufhin kühl geantwortet: „Es ist Ihre Entscheidung. Für uns spielt es keine Rolle, ob es öffentlich ist oder nicht.“ Er vertraue nicht darauf, dass Moskau diskret bleibe. Zudem glaube er nicht, dass die Russen die Botschaft geheim halten würden. Was konkret Putins Botschaft an Selenskyj war, ist nicht bekannt.

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Selenskyj an Putin: „Waffenstillstand wäre der größte Kompromiss von unserer Seite“

Bei dem Treffen sei auch über mögliche Kompromisse gesprochen worden. „Ich sagte, ein Waffenstillstand wäre der größte Kompromiss von unserer Seite an Ihre“, so Selenskyj. Aus Putins Umfeld verlautete, dass Abramowitsch nicht in offizieller Funktion gehandelt habe. Zuvor hatte ein von Kiew veröffentlichter, offener Brief Selenskyjs an Putin für Wirbel in Moskau gesorgt. Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg, das von Drohnenattacken begleitet wurde, sprach Putin über „Elemente von Unverschämtheit“,

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 war Abramowitsch wegen seiner Verbindungen zum Kreml von Großbritannien und der EU mit Sanktionen belegt worden. Dagegen wehrt sich der Oligarch gerichtlich. Seit Kriegsbeginn trat er immer wieder als Vermittler zwischen Moskau und Kiew in Erscheinung. „Er wird gebraucht, weil er der einzige Russe ist, den sie tolerieren. Er versteht sich mit allen“, sagte eine Quelle der Financial Times. (Quellen: Financial Times, Sky News) (mt)

Rubriklistenbild: © Adam Davy/PA Wire/dpa

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