Aktuelle Unruhen im Iran

Iran in Aufruhr: Neue Protestwelle gegen die Staatsführung breitet sich aus – Trump mischt sich ein

Im Iran löst die Unzufriedenheit der Menschen wieder Proteste aus. Die Demonstrationen erinnern an frühere Aufstände. Wie realistisch ist ein Umbruch?

Teheran – Seit Tagen kommt es im Iran zu Protesten gegen die autoritäre Staatsführung. Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Übereinstimmenden Berichten iranischer Medien und Menschenrechtsgruppen zufolge sind dabei mehrere Menschen getötet worden.

Bei den Protesten im Iran kommt es zunehmend zu Gewalt.

So wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars am Donnerstag in der Stadt Lordegan in der südwestlichen Provinz Schahar Mahall-Bachtiari zwei Menschen getötet. Drei weitere Menschen kamen in der Stadt Asna in der benachbarten Provinz Lorestan ums Leben. Bereits zuvor hatte das Staatsfernsehen gemeldet, dass in der Nacht in der Stadt Kuhdascht in Lorestan ein Mitglied der Sicherheitskräfte getötet worden sei.

Warum gibt es jetzt neue Proteste im Iran?

Die Proteste im Iran erinnern an den Beginn der landesweiten Aufstände von 2019 und 2022. Ausgelöst wurden die aktuellen Unruhen durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag (28. Dezember). Spontan gingen vor allem Händler von Elektronikgeschäften in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten.

Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, politische Repression und internationale Isolation. Zudem bleibt vor allem die wirtschaftliche Lage im Iran prekär. Trotz umfangreicher Ölreserven steckt das Land in einer schweren Krise – ohne erkennbare Perspektive auf Besserung. Die Inflation liegt laut offiziellen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders die junge Generation fürchtet den sozialen Abstieg. Zugleich wächst die Kritik an der außenpolitischen Linie der Führung: Im Konflikt mit Israel fließt ein erheblicher Teil des Haushalts in militärische Ausgaben.

Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran

Haft-e Tir in Teheran
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu
Noch am selben Tag schlug der Iran zurück.
Sowohl im Iran als auch wie hier in der israelischen Großstadt Tel Aviv waren die Schäden der gegenseitigen Luftangriffe enorm.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran

Was fordern die Menschen im Iran?

Die Demonstrierenden fordern neben einer Verbesserung ihrer Lebenslage einen tiefgreifenden politischen Wandel hin zu einem säkularen System und das Ende der islamischen Herrschaft. Ihr Ziel: ein moderner Iran – frei von religiösen Vorschriften und staatlicher Repression, in Frieden mit der Welt, einschließlich des langjährigen Erzfeindes Israel.

Die Frauenproteste im Herbst 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren, wurden gewaltsam niedergeschlagen. Doch seither widersetzen sich viele Frauen in den Großstädten demonstrativ den staatlichen Kleidungsvorschriften – ein sichtbares Zeichen kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. „Frauen stellen die größte Bedrohung für das Regime dar“, erklärte die Iran-Expertin und Aktivistin Neda Amani im September in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

NameIslamische Republik Iran
HauptstadtTeheran
Fläche1,6 Mio. km²
Bevölkerungszahl91,6 Millionen (Weltbank-Schätzung)
StaatsoberhauptAyatollah Ali Khameini
PräsidentMassud Peseschkian
StaatsformTheokratische Präsidialrepublik
ReligionSchiitischer Islam
WährungIranischer Rial

Wie könnte es im Iran jetzt weitergehen?

Ob sich die aktuellen Proteste erneut zu einem landesweiten Aufstand wie im Herbst 2022 ausweiten, bleibt ungewiss. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Iran immer wieder von massiven Protestwellen erschüttert – die Führung reagierte jedes Mal mit Repressionen. Nach den Demonstrationen unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ ließ die Justiz mehrere Männer hinrichten und Tausende Menschen festnehmen. 

Die Proteste der Vergangenheit waren stets ein Belastungstest für das autoritäre System, das seit Jahren um seinen Machterhalt ringt. Nach dem zwölftägigen Krieg im Juni und dem anhaltenden Konflikt mit Israel steht die Führung erneut unter Druck. Die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht und wirtschaftlicher Machtfaktor mit Beteiligungen an Hotels, Fluggesellschaften und Rüstungsfirmen, haben dabei ein doppeltes Interesse am Status quo: politisch und ökonomisch.

Irans Präsident reagiert auf Proteste

Irans Präsident Massud Peseschkian überraschte mit versöhnlichen Signalen. Mit ungewöhnlicher Offenheit erklärte er, Staat und Banken trügen die Schuld an der hohen Inflation. Der Präsident kündigte Reformen an und setzte den umstrittenen Zentralbankchef ab. „Aus islamischer Sicht (…) werden wir in der Hölle landen, wenn wir das Problem der Lebensgrundlagen der Menschen nicht lösen“, sagte Peseschkian bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Veranstaltung.

Trump droht Iran wegen Gewalt gegen Demonstranten

Unterdessen hat sich auch Donald Trump zur Lage im Iran zu Wort gemeldet. Der US-Präsident sagte den Menschen im Iran seine Unterstützung zu. Wenn der Iran friedliche Demonstranten töte, „werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen“, schrieb der Republikaner auf seiner Online-Plattform Truth Social. Was er konkret vorhat, ließ er aber offen.

Die USA gelten seit der Revolution von 1979 als Erzfeind der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten beide Länder nicht. Im Juni 2025 hatte sich das US-Militär Israels Krieg gegen den Iran angeschlossen und dort zentrale Atomanlagen bombardiert. (Quellen: dpa, AFP, Reuters, Statistisches Bundesamt) (cs)

Rubriklistenbild: © -/Fars News Agency/AP/dpa

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