„Zielidentifikationsfehler“

Iran-Krieg: Mädchenschule laut US-Bericht von amerikanischem Angriff getroffen

Der Angriff auf die Grundschule in Minab erschüttert die Welt – und die USA wollen weder bestätigen noch dementieren, dass sie dahinterstecken.

Es war ein gewöhnlicher Samstagmorgen, der erste Arbeitstag der iranischen Woche. In Minab, einer Kleinstadt im Süden des Iran, mehr als 1.000 Kilometer von Teheran entfernt, strömten Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren in ihre Klassenzimmer der Shajarah-Tayyebeh-Grundschule.

Ein Sarg wird während der Beerdigung von Kindern getragen, die bei wohl einem israelisch-amerikanischen Angriff auf eine Mädchengrundschule getötet wurden.

Kurz nach 11:30 Uhr Ortszeit hallten Explosionen über die Stadt. Kurz darauf lagen die Mauern der Schule in Trümmern. Laut iranischen Behörden und Staatsmedien kamen mindestens 175 Menschen ums Leben – Kinder, Lehrerinnen, Eltern. Kein Land hat bisher die Verantwortung übernommen.

Satellitenbilder zeigen: Schule und Militärbasis im Iran gleichzeitig getroffen

Eine visuelle Untersuchung der New York Times auf Basis neuer Satellitenbilder des Anbieters Planet Labs, verifizierter Videos und Social-Media-Beiträge zeigt: Das Schulgebäude wurde durch einen Präzisionsschlag schwer beschädigt – zeitgleich mit amerikanischen Angriffen auf einen direkt angrenzenden Marinestützpunkt der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) nahe der Straße von Hormus.

Insgesamt traf es mindestens sechs Gebäude des Stützpunkts sowie die Schule. Nationaler Sicherheitsanalyst Wes J. Bryant, ehemaliger Berater für zivile Schäden im Pentagon, bewertete die Satellitenbilder und kam zu dem Schluss, es handele sich höchstwahrscheinlich um einen „Zielidentifikationsfehler“ – Streitkräfte hätten den Ort angegriffen, ohne zu wissen, dass sich dort Zivilisten befanden.

USA laut Bericht „höchstwahrscheinlich“ für Angriff auf Mädchenschule im Iran verantwortlich

Da US-Streitkräfte nach offiziellen Angaben genau in dieser Region Marineziele angriffen, deutet die Beweislage laut NYT darauf hin, dass sie „höchstwahrscheinlich“ für den Angriff verantwortlich sind.

General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass US-Kräfte entlang der südlichen Küste Irans operierten und „die Marinefähigkeiten entlang der gesamten Meerenge geschwächt“ hätten. Eine Karte zeigte, dass Minab in den ersten 100 Stunden der Operation zu den Zielgebieten gehörte.

Iran-Krieg: Washington ermittelt – und schweigt

Weißhaus-Sprecherin Karoline Leavitt antwortete auf die direkte Frage, ob die USA den Schulangriff durchgeführt hätten, nur: „Nicht, dass wir wüssten.“ Verteidigungsminister Pete Hegseth räumte laufende Ermittlungen ein und betonte, die USA griffen „natürlich nie zivile Ziele an“.

Das israelische Militär erklärte, ihm seien zum fraglichen Zeitpunkt keine eigenen Angriffe in der Region bekannt gewesen. Reuters berichtet unter Berufung auf zwei anonyme US-Regierungsbeamte, dass das US-Militär intern zu dem vorläufigen Schluss gekommen sei, eigene Kräfte seien wahrscheinlich verantwortlich.

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Mögliches Kriegsverbrechen im Iran – UN fordern Aufklärung

Beth Van Schaack, ehemalige Beamtin des US-Außenministeriums und Lehrbeauftragte an der Stanford University, erklärte gegenüber der NYT: „Angesichts der Geheimdienstkapazitäten der USA hätten sie wissen müssen, dass sich in der Nähe eine Schule befindet.“

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (UN) verlangte eine umfassende Untersuchung. Sprecherin Ravina Shamdasani stellte klar: „Die Pflicht zur Untersuchung liegt bei den Streitkräften, die den Angriff durchgeführt haben.“ Eine Sprecherin des Büros schloss laut dpa nicht aus, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handeln könnte. (Quellen: New York Times, DPA, Reuters) (cgsc)

Rubriklistenbild: © Abbas Zakeri / dpa picture alliance

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