Indirekte Verhandlungen in Doha
Straße von Hormus, Saudi-Arabien, Oman: Iran-Diplomatie bröckelt – Trump droht noch ein Problem
Keine Verhandlungen im Iran-Krieg. Im Hintergrund soll sich Trump über neue Angriffe beraten haben. Im Hintergrund verschiebt sich das Machtgleichgewicht.
Die Diplomatie im aktuellen Iran-Krieg folgt derzeit mehreren Logiken zugleich: In Doha treffen Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner auf katarische Vermittler, während Washington und Teheran gegensätzliche Botschaften aussenden. Direkte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran finden dabei vorerst nicht statt. Beide Seiten verhandeln getrennt mit Vermittlern aus Katar und Pakistan. Ob das Rahmenabkommen auf lange Sicht Bestand haben wird, ist offener denn je.
Die paradoxen Signale spiegeln den fragilen Zustand der Diplomatie wider. US-Präsident Donald Trump behauptete zuletzt auf Truth Social, der Iran habe um ein Treffen gebeten. Teherans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi widersprach umgehend: Eine Gesprächsrunde werde stattfinden, „sobald die Voraussetzungen geschaffen sind und Einigkeit über Termin und Veranstaltungsort erzielt wurde“. Laut Medienberichten laufen in Doha inzwischen indirekte Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Iran. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute diplomatische Quelle berichtete, finden die technischen Gespräche über Vermittler aus Katar und Pakistan statt.
Keine Verhandlungen im aktuellen Iran-Krieg? Angespannte Lage im Nahen Osten
Hinter den Kulissen ist die Lage noch angespannter, als die öffentlichen Aussagen zunächst vermuten lassen. Wie das Wall Street Journal berichtet, hat Trump in den vergangenen Tagen mehrfach mit Verteidigungsminister Pete Hegseth und dem Vorsitzenden der Generalstabschefs über eine Rückkehr zu großflächigen Militärschlägen gegen den Iran gesprochen. Eine endgültige Entscheidung sei nicht gefallen, hieß es. Der US-Präsident halte vorerst an der Diplomatie fest, weil er glaube, dass ein neuerlicher Krieg die Chancen auf eine Demontage des iranischen Atomprogramms zunichtemachen würde.
„Sie stimmen allem zu, was ich will, und das müssen sie auch. Andernfalls kehren wir einfach zurück und tun, was wir tun müssen“, sagte Trump mit Blick auf die jüngsten Eskalationen im Iran-Krieg vergangene Woche vor Journalisten. Die tatsächliche Verhandlungslinie wirkt allerdings flexibler, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Beamte schreibt. Trump sei demnach damit einverstanden, wenn die Verhandlungen mit Teheran für ein Atomabkommen über den 18. August hinausgingen.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg




Energieminister Chris Wright formulierte die US-Position im Iran-Krieg am Dienstag auf Fox News deutlich: „Mit oder ohne Iran werden wir sicherstellen, dass Energie durch die Straße von Hormus fließt. Natürlich besser mit ihrer Kooperation. Wir wollen ihrem Atomprogramm ein Ende setzen.“
Verhandlungen im Iran-Krieg: Vance bleibt zuversichtlich – und lobt US-Rolle
Vizepräsident JD Vance gab sich öffentlich gelassen. „Ich denke tatsächlich, dass die Vereinigten Staaten in einer großartigen Position sind, wie auch immer die Verhandlungen letztlich ausgehen“, sagte er im Gespräch mit Fox News. Ob Diplomatie gelinge oder scheitere – Irans Atomprogramm und konventionelles Militär seien bereits zerstört, die USA daher in einer strategisch stärkeren Position. Experten sehen das skeptischer: Rajan Menon, Professor für Internationale Beziehungen am City College of New York, sagte Newsweek, er könne nicht erkennen, wie die USA gestärkt aus gescheiterten Verhandlungen hervorgehen würden. Zugleich verwies er auf das Szenario, wonach der Iran die Straße von Hormus erneut sperren könnte.
Intern zeichnet Axios das Bild einer Regierung, die zwei außenpolitische Linien verfolgt. Vance, der das Rahmenabkommen vom 17. Juni gemeinsam mit Witkoff und Kushner verhandelt hatte, drängte auf einen raschen Abschluss. Hintergrund sind unter anderem die bevorstehenden Midterm-Wahlen und die wirtschaftliche Stabilität in den USA. Außenminister Marco Rubio hingegen war laut mehreren US-Quellen skeptisch gegenüber dem Abkommen und verkörpert innerhalb der Regierung den konfrontativeren Kurs gegenüber Teheran. Während seiner Golfregion-Reise vergangene Woche habe Rubio mit regionalen Partnern über die Notwendigkeit gesprochen, den Druck auf den Iran zu erhöhen.
„Betrachten Sie Marco und JD als Aspekte der Persönlichkeit und Politik des Präsidenten“, sagte ein ranghoher Trump-Berater gegenüber Axios. „Es gibt einen stärker pro-israelischen Aspekt, und das ist Rubio. Und es gibt einen stärker Israel-skeptischen Aspekt. Das ist JD.“ Ein anderer Regierungsberater widersprach dem Bild eines offenen Konflikts: „Sie sind eher wie die verschiedenen Werkzeuge eines Schweizer Taschenmessers. Und Trump führt das Messer.“
Trump im Iran-Krieg im Dilemma: Saudi-Arabien wird zum unbequemen Partner
Während die Diplomatie zum Iran-Krieg in Doha stockt, offenbart ein weiterer Bericht des Wall Street Journal eine tiefe Verwerfung im US-saudischen Verhältnis. Als Trump im Frühjahr die Militäroperation „Project Freedom“ startete, verweigerte Saudi-Arabien die Nutzung seiner Basen und seines Luftraums. Kronprinz Mohammed bin Salman soll Trump persönlich mitgeteilt haben, die Operation werde den Iran provozieren und sei zu überdenken.
Washington reagierte mit einer unverhohlenen Drohung: Sollte das Königreich nicht einlenken, würden die USA Saudi-Arabien bei der Lieferung von Abfangraketen, die Riad zum Schutz vor iranischen Drohnen und Raketen dringend benötigt, nicht bevorzugt behandeln. Saudi-Arabien gab schließlich nach, doch das Verhältnis blieb belastet. Außenminister Rubio reiste vergangene Woche durch die Golfregion und ließ Riad aus. Saudische Offizielle werteten das als kalkulierten Affront. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte zudem die Einladung zum G7-Gipfel in Frankreich abgelehnt. Die Staatschefs der VAE, Katars und Ägyptens waren hingegen anwesend.
Die USA erwägen nun laut WSJ eine Reduzierung ihrer Militärpräsenz in Saudi-Arabien zugunsten von Ländern, die während des Krieges kooperativer waren. Dazu zählen etwa Israel und Jordanien. Planungen seien noch in einem frühen Stadium, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.
Im Schatten des aktuellen Iran-Kriegs: Oman rückt auf neue Schlüsselrolle
Während Washington, Teheran und Riad um Einfluss ringen, gewinnt Oman an Gewicht. Das Sultanat, das für seine Neutralität bekannt ist und gelegentlich als „Schweiz des Nahen Ostens“ bezeichnet wird, führte zuletzt direkte Gespräche mit dem Iran über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus. Das Rahmenabkommen vom 17. Juni sieht vor, dass der Iran einen Dialog mit Oman „über die künftige Verwaltung und die maritimen Dienste in der Straße von Hormus“ führt. Dieser Dialog hat am Montag in Maskat formal begonnen.
Nach omanischen Angaben erörterten beide Seiten eine engere Abstimmung bei Schifffahrt und maritimen Dienstleistungen. Zugleich bekräftigten sie nach Angaben des Außenministeriums in Maskat ihr Bekenntnis zum Völkerrecht sowie zu den gemeinsamen Interessen und der Souveränität beider Anrainerstaaten. Abdullah Baabood vom Gulf International Forum sagte Newsweek, Oman werde „graduell von der Rolle eines traditionellen Vermittlers zu der eines regionalen Moderators“ übergehen und dabei seine Unabhängigkeit und Neutralität wahren wollen.
Gerade Omans Neutralität könnte für Washington zum Problem werden: „Da US-Beamte Oman angesichts der regionalen Aktionen des Irans als übermäßig neutral wahrnehmen, könnte es schwierig sein, Omans entscheidende Drittpartei-Diplomatie zwischen den USA und dem Iran wiederherzustellen“, sagte Tyler Parker, Assistenzprofessor an der Mercer University, gegenüber Newsweek. (Quellen: Axios, Wall Street Journal, Fox News, Newsweek, dpa, AFP) (fbu)
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