„Ohne jede Strategie“

Brisante Merz-Aussage zu Trump sorgt für Aufsehen: Iran „demütigt“ die ganze Nation USA

Friedrich Merz wirft Donald Trump vor, im Iran-Krieg keine Strategie zu verfolgen. Der Bundeskanzler wird bei seiner Kritik am US-Präsidenten deutlich.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den USA im Umgang mit dem Iran-Krieg eine fehlende Strategie vorgeworfen und damit auch den Kurs von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland sagte Merz: „Die Amerikaner sind ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen.“ Das erschwere es nun umso mehr, den Konflikt zu beenden.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Trump im Iran-Krieg eine fehlende Strategie vorgeworfen. (Archivbild)

Als Vergleich zog der Kanzler frühere Auslandseinsätze heran: „Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen.“

Merz übt Kritik an Trumps Vorgehen im Iran-Krieg: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt“

Merz zeigte sich skeptisch, ob die USA den Krieg schnell beenden könnten. Die Iraner seien „offensichtlich stärker als gedacht“ und die Trump-Regierung habe „keine wirklich überzeugende Strategie“ in den Verhandlungen. Zugleich lobte er – mit kritischem Unterton – das taktische Vorgehen des Mullah-Regimes: „Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln.“ Die Konsequenz sei gravierend: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, so Merz. Die Gesamtlage bezeichnete er als „ziemlich vertrackte Lage“.

Es ist nicht das erste Mal seit den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran, dass Merz offen Kritik an Trump und der US-Regierung übt. Bereits Ende März warf der Kanzler dem US-Präsidenten eine „massive Eskalation mit offenem Ausgang“ im Umgang mit dem Mullah-Regime vor. „Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle“, sagte Merz damals der FAZ. Im ersten Jahr als Bundeskanzler hatte sich der CDU-Chef als Trump-Versteher inszeniert und regelmäßig die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen Deutschland und den USA betont.

Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office

Friedrich Merz trifft Donald Trump
Friedrich Merz beim Besteigen der „Konrad Adenauer“, dem deuschen Pendant der Air Force One.
Für Friedrich Merz ist es der erste offizielle Besuch im Weißen Haus.
 Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office

Wohl keine neue Verhandlungsrunde im Iran-Krieg – drei US-Flugzeugträger im Nahen Osten

Unterdessen zeichnet sich keine neue Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran ab. Weder von Trump aus Washington noch vom Mullah-Regime aus Teheran kamen zu Wochenbeginn offizielle diplomatische Signale. Stattdessen wurde ein Treffen des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erwartet. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Gespräch angesichts der Entwicklungen im Iran und im Nahen Osten als von „unschätzbarer Wichtigkeit“. Russland gilt als Verbündeter des Iran, unterstützt das Land jedoch nicht offen militärisch. Moskau hatte mehrfach angeboten, angereichertes Uran aus dem Iran abzunehmen – eine der zentralen Forderungen der USA bleibt der Verzicht Teherans auf eine Atombombe.

Auf militärischer Ebene zeigen die USA derweil Stärke: Erstmals seit 2003 sind drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz. Auf den Schiffen sind mehr als 200 Flugzeuge sowie rund 15.000 Matrosen und Marineinfanteristen stationiert. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen meldete sich zu Wort: Eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran sei „verfrüht“, sagte sie bei einer Klausurtagung der Unionsfraktion in Berlin. Allein in diesem Jahr seien bereits 17.000 junge Menschen von der iranischen Führung getötet worden.

Merz beklagt Auswirkungen von Iran-Krieg auf Deutschlands Wirtschatsleistung

Auch wirtschaftlich schlägt der Konflikt zunehmend durch. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent stieg auf 108,28 US-Dollar pro Barrel – ein Plus von 2,81 Prozent gegenüber Freitag. Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel der weltweiten Ölmenge transportiert wird, verschärft die Lage. Merz machte den Zusammenhang deutlich: „Dieser Konflikt, dieser Krieg gegen den Iran hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Wirtschaftsleistung.“ In Deutschland verzeichnet das Konsumklima laut den Instituten NIM und GfK einen erneuten Rückgang – die Einkommenserwartungen erreichen den niedrigsten Wert seit Februar 2023.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare