„Er weiß nicht, wovon er redet“

„Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht“: Trump teilt gegen Merz aus

Der öffentliche Bruch über den Iran-Krieg zwischen Merz und Trump verdeutlicht den heiklen Drahtseilakt, den nun alle US-Verbündeten vollführen müssen.

Es schien alles so gut zu laufen für den Bundeskanzler Friedrich Merz, als er im März mit Donald Trump im Oval Office zusammensaß. „Der Kanzler ist in Deutschland sehr gut aufgenommen worden, er ist ein sehr erfolgreicher Mann. Und er macht einen sehr guten Job, einen großartigen Job. Er ist sehr beliebt“, sagte der US-Präsident vor der Presseschar im Weißen Haus, während Friedrich Merz neben ihm saß.

Beim letzten Treffen war man sich noch einig. Nun teilen Kanzler Friedrich Merz und Präsident Donald Trump auf die Entfernung gegeneinander aus.

Merz’ Miene verriet wenig, aber er muss sich gefühlt haben wie die Katze, die die Sahne gestohlen hat. Seine Bemerkungen einige Tage zuvor, in denen er dem US-Krieg gegen den Iran vehement zugestimmt hatte, hatten sich ausgezahlt. Doch zwei Monate später ist diese unwahrscheinliche „Bromance“ zwischen Merz und Trump – der eine ein bekennender Transatlantiker, der andere versucht, sich aus der NATO herauszuwinden – zerfallen.

Ironischerweise war die Ursache ebenfalls der unglückselige Krieg der Trump-Regierung gegen den Iran, wobei Merz es gewagt hatte zu behaupten, das Mullah-Regime habe mit seinen klugen Taktiken „die Vereinigten Staaten gedemütigt“. Die scharfen Bemerkungen bezogen sich nicht nur auf die Schließung der Straße von Hormus, die die Amerikaner unvorbereitet traf und den globalen Handel ins Chaos stürzte. Es ging Merz auch um das Versagen der USA, das iranische Regime nach acht Wochen zu stürzen.

Merz und Trump: Von Verbündeten zu Gegnern

„Er weiß nicht, wovon er redet!“ fauchte Trump in einem Beitrag auf seinem Netzwerk Truth Social und kehrte damit seine Haltung zum Vorsitzenden der CDU ins Gegenteil um. „Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch sonst!“ Verbündete des Präsidenten werden rasch darauf hinweisen, dass er nur mit gleicher Münze zurückzahlte: Immerhin hatte Merz als lautstarker Befürworter des Iran-Krieges begonnen, seine Position aber geändert, nun, da der Krieg sich, gelinde gesagt, nicht ganz planmäßig entwickelt.

Der öffentliche Streit beendet die bislang gemütliche Beziehung zwischen Kanzler und Präsident, der ansonsten wenig mehr als Verachtung für die Führungsfiguren auf dem Kontinent übrig hat. Er folgt zudem auf einen ähnlichen Bruch zwischen Trump und Giorgia Meloni, nachdem sie dem Papst zu Hilfe geeilt war, als der US-Präsident ihn als „schwach“ bezeichnete. In beiden Fällen spielte die Entscheidung, für einen europäischen Kollegen einzutreten – oder taub zu bleiben, während Trump einen von ihnen scharf attackiert – eine entscheidende Rolle für das jeweilige Verhältnis zu den USA.

Besuche im Weißen Haus: Trumps legendäre Momente im Oval Office

Friedrich Merz trifft Donald Trump
Friedrich Merz beim Besteigen der „Konrad Adenauer“, dem deuschen Pendant der Air Force One.
Für Friedrich Merz ist es der erste offizielle Besuch im Weißen Haus.
 Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
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Im Fall Meloni fühlte sie, dass sie nicht tatenlos zusehen konnte, während ausgerechnet der Papst von einem amerikanischen Präsidenten verunglimpft wurde. Merz stand während jenes gemütlichen März-Treffens im Oval Office mit Trump vor demselben Dilemma. Nachdem er Deutschlands Regierungschef über den grünen Klee gelobt hatte, ging der Präsident unmittelbar zu Tiraden gegen Keir Starmer und dann Pedro Sánchez, den spanischen Regierungschef, über. Merz beschloss zu schweigen.

Merz, Starmer und Meloni: Trumps neue Lieblingsfeinde in Europa

Der Premierminister sei „kein Winston Churchill“, sagte Trump, während er Starmer dafür geißelte, sich dem Krieg zu verweigern, während Merz demütig neben ihm schwieg. Was Sánchez betraf, drohte der Präsident mit einem Embargo gegen Spanien, weil das Land sich weigerte, US-Flugzeugen die Nutzung spanischer Stützpunkte für Angriffe auf den Iran zu erlauben. Nach dem Besuch beharrten deutsche Regierungsvertreter darauf, dass Merz den Präsidenten später in einem vertraulichen Gespräch mit diesen Äußerungen konfrontiert habe.

Kein Kanzler vor mir hat so etwas durchmachen müssen.

Friedrich Merz im Interview mit dem Spiegel.

Die meisten deutschen Zeitungen zeigten sich davon dennoch unbeeindruckt, während Sánchez Merz als einen „Vasallen, der Tribut zollt“ an Trump rügte. Dieser peinliche Moment verdeutlicht den heiklen Drahtseilakt, den nun alle US-Verbündeten vollführen müssen, bei dem es äußerst schwierig ist, ein gutes Verhältnis sowohl zu Trump als auch zu den europäischen Partnern zu pflegen. Der Streit hätte für den deutschen Kanzler zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können, da ihm kürzlich von einem US-Meinungsforschungsinstitut der nicht leichtfertig verliehene Titel des „unbeliebtesten Staatschefs der Welt“ zuerkannt wurde.

Einer Umfrage von Morning Consult zufolge, die 24 demokratische Staats- und Regierungschefs miteinander verglich, verfügt Merz über einen Zustimmungswert von 19 Prozent und landet damit auf dem letzten Platz. Sogar Trump überflügelte Merz in der Beliebtheitsrangliste, trotz der innenpolitischen Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg, ebenso wie Recep Tayyip Erdoğan, der türkische Präsident. Merz selbst scheint den Druck zu spüren, wie ein gereiztes Interview widerspiegelt, das er in dieser Woche dem deutschen Magazin Der Spiegel gab und mit dem er sein erstes Jahr an der Macht markierte. „Kein Kanzler vor mir hat so etwas durchmachen müssen“, sagte der deutsche Regierungschef mit Blick auf die harte Kritik, der er sich wegen der wirtschaftlichen Folgen eines Krieges ausgesetzt sieht, den er anfangs unterstützt hatte. „Ich beklage mich nicht, aber so ist es nun einmal.“ (Dieser Artikel von James Rothwell entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © afp

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