Diplomatie im Eigeninteresse

Mit Anruf in Norwegen: Trump wirbt nun selbst um seinen Friedensnobelpreis

Zölle waren nur der Aufhänger. Trump nutzte den Anruf in Oslo, um erneut seinen Anspruch auf den Friedensnobelpreis anzumelden.

Oslo/Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump hat im vergangenen Monat Norwegens Finanzminister Jens Stoltenberg überraschend telefonisch kontaktiert – offiziell, um über die neuen US-Zölle und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu sprechen. Doch offenbar nutzte Trump den Anruf auch, um ein ganz anderes Thema auf den Tisch zu bringen: Er wolle den Friedensnobelpreis erhalten.

Anruf in Norwegen: Trump wirbt nun selbst um seinen Friedensnobelpreis

Der Anruf kam „aus heiterem Himmel“, während Stoltenberg durch Oslo spazierte, berichtet die norwegische Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv unter Berufung auf anonyme Quellen. „Er wollte den Nobelpreis – und über Zölle sprechen“, heißt es wörtlich.

Stoltenberg, früherer Nato-Generalsekretär, erklärte gegenüber Nachfragen von Reuters, das Gespräch habe sich auf Handelsfragen und wirtschaftliche Kooperation vor Trumps geplanten Telefonat mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre konzentriert. „Ich werde nicht weiter auf den Inhalt eingehen“, fügte er hinzu.

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Zölle als offizieller Anlass von Trumps Anruf – doch Nobelpreis im Fokus

Der Hintergrund des Gesprächs: Am 31. Juli hatte das Weiße Haus 15-Prozent-Zölle auf norwegische Importe angekündigt – dieselbe Höhe wie gegenüber der EU. Norwegen und die USA befinden sich seither in Gesprächen, um die Handelsspannungen zu entschärfen. Dennoch war es nicht das erste Mal, dass Trump den Nobelpreis in einer Unterhaltung mit Stoltenberg ansprach, so The Guardian.

Mehrere hochrangige US-Beamte, darunter Finanzminister Scott Bessent und Handelsbeauftragter Jamieson Greer, nahmen ebenfalls an dem Gespräch teil. Offizielle Stellungnahmen des Weißen Hauses oder des norwegischen Nobelkomitees zu Trumps Äußerungen blieben laut Reuters bislang aus.

Ob Zölle oder Zeichen des Friedens – Trump greift lieber selbst zum Hörer. Vielleicht steht die nächste Medaille ja bald in Washington.

Friedensnobelpreis: Internationale Nominierungen für Trump

Trumps Wunsch ist indes nicht ganz aus der Luft gegriffen – mehrere Staaten, darunter Israel, Pakistan und Kambodscha, haben ihn für den Friedensnobelpreis nominiert, schreibt Le Monde. Die Begründungen reichen von der Vermittlung eines Waffenstillstands zwischen Pakistan und Indien über eine Beilegung des kambodschanisch-thailändischen Grenzkonflikts bis zur Organisation des Gipfels zwischen Armenien und Aserbaidschan im Weißen Haus am 8. August, der in ein Friedensabkommen mündete.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu überreichte Trump im Juli persönlich ein Nominierungsschreiben an das Nobelkomitee, in dem es laut The Hill heißt: „Es nominiert Sie für den Friedenspreis, den Sie wohlverdient haben. Und Sie sollten ihn bekommen“. Kambodschas Premier Hun Manet lobte ferner Trumps „historische Beiträge zur Förderung des Weltfriedens“.

Politische Großwette vor dem Trump-Putin-Gipfel in Alaska

Die Information über das Telefonat mit Norwegen fällt mitten in eine entscheidende diplomatische Phase für Trump. Am heutigen Freitag (15. August) trifft er in Anchorage, Alaska, auf Russlands Präsident Wladimir Putin – mit dem Ziel, den seit Februar 2022 andauernden Ukraine-Krieg zu beenden. Die Erwartungen sind hoch, nicht zuletzt, weil Trump im Wahlkampf versprochen hatte, den Krieg „am ersten Tag“ seiner Amtszeit zu beenden.

Einem Bericht von Newsweek zufolge sind Trumps Chancen auf den Friedensnobelpreis so hoch wie nie: Laut dem Wettanbieter Oddspedia liegt er mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 28,6 Prozent gleichauf mit der russischen Oppositionellen Yulia Nawalnaja. Seine Chancen schwanken stark mit der internationalen Nachrichtenlage – ein „politisches Seismogramm“, wie es ein Oddspedia-Sprecher formulierte.

„Internationale Nominierungen und Unterstützer für Trumps Friedensnobelpreis“

Datum der Nominierung / UnterstützungLand / PersonAnlass / Begründung
März 2025Rep. Darrell IssaPolitische Unterstützung im US-Kongress
Juni 2025PakistanVermittlung eines Waffenstillstands mit Indien
Juni 2025Rep. Buddy CarterWaffenstillstand zwischen Israel und Iran
Juli 2025Israel (Netanjahu)Rolle bei den Abraham-Abkommen, Förderung von Frieden im Nahen Osten
August 2025Armenien & AserbaidschanGemeinsamer Friedensgipfel im Weißen Haus, Ende eines jahrzehntelangen Konflikts
August 2025KambodschaVermittlung im Grenzkonflikt mit Thailand
Hillary ClintonBedingte Zusage, falls gerechter Ukraine-Frieden erreicht wird

Quellen: The Hill, Le Monde, Daily Beast, Newsweek, New York Post.

Ungewöhnliche Rückendeckung für Trumps Nobelpreis-Bestrebungen – sogar von Clinton

Für Überraschung sorgte am Freitag die ehemalige US-Außenministerin und Trump-Rivalin Hillary Clinton. Im Podcast Raging Moderates, berichtet die New York Post, sagte sie, sie würde Trump nominieren, wenn er einen Frieden aushandele, der die territoriale Integrität der Ukraine wahre und nicht auf Kosten europäischer Sicherheit gehe. „Wenn Präsident Trump der Architekt dessen wäre, würde ich ihn für den Friedensnobelpreis nominieren“, erklärte Clinton.

Trump selbst äußerte wiederholt Zweifel, jemals ausgezeichnet zu werden. In einem Truth-Social-Beitrag im Juni schrieb er: „Nein, ich werde keinen Friedensnobelpreis bekommen, egal was ich tue, einschließlich Russland/Ukraine und Israel/Iran, … aber die Menschen wissen es, und das ist alles, was für mich zählt“.

Zwischen Anerkennung und Kritik: Trumps Traum vom Nobelpreis

Während seine Unterstützer ihn als „Peacemaker-in-Chief“ feiern, so The Hill, verweisen Kritiker darauf, dass zentrale Konflikte wie in der Ukraine oder im Gazastreifen weiterhin ungelöst sind. Ein ehemaliger nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Biden warf Trump vor, oft „im letzten Moment einzusteigen“ und die Arbeit anderer als eigenen Erfolg darzustellen.

Auch historische Vergleiche machen die Runde: In Europa warnen Beobachter, konstatiert die Le Monde, vor einem „neuen München 1938“, sollte Trump im Ukraine-Krieg zu weitgehende Zugeständnisse an Putin machen. Trump hingegen vergleicht sich gern mit früheren US-Friedenspreisträgern – und beklagt, dass Barack Obama den Preis 2009 „praktisch ohne Leistung“ erhalten habe. (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: IMAGO / Panama Pictures | Foto rechts: IMAGO / ZUMA Press Wire

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