Risiko für Investitionen
Nach riesiger Hyundai-Razzia: Trump nimmt Investoren ins Visier
Die ICE-Razzia in Georgia könnte südkoreanische Investitionen gefährden. Trump verlangt Respekt vor Migrationsgesetzen. Südkorea äußert sich besorgt.
Ellabell – Bei einer ICE-Razzia einer Hyundai-Fabrik im US-Bundesstaat Georgia wurden fast 500 Menschen inhaftiert. Der US-Präsident Donald Trump versteht das nur als kleinen Rückschlag in der Beziehung zwischen den USA und Südkorea. „Wir haben eine großartige Beziehung“, so Trump laut Newsweek. Er stellt Forderungen an die Investoren. Doch eine Vielzahl von Stimmen schlagen Alarm: Trumps US-Politik könnte die südkoreanischen Wirtschaftsinvestitionen belasten.
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik




Laut dem südkoreanischen Außenministerium, das Newsweek zitiert, handelt es sich bei mindestens 300 der Inhaftierten um südkoreanische Staatsbürger. Sie waren wohl zum Teil illegal eingereist oder hatten ein temporäres Visum genutzt, das jedoch keine Arbeit erlaubt. Am Montag (8. September) soll der südkoreanische Außenminister Cho Hyun laut BBC in die USA fliegen, um dort die Rückführung dieser Personen final zu planen.
Trump fordert Respekt von Investoren aus Südkorea: Sollen US-Amerikaner ausbilden
Trump forderte nach der ICE-Razzia ausländische Unternehmen über einen Beitrag auf der Onlineplattform Truth Social, „das Migrationsrecht der Nation zu respektieren“. Auf legalem Weg seien „eure sehr schlauen Leute, mit großem technischem Talent“ willkommen. „Was wir dafür verlangen, ist, dass ihr amerikanische Arbeitnehmer einstellt und ausbildet.“
Auch der Geschäftsführer einer lokalen Gewerkschaft, Barry Zeigler, argumentierte laut der New York Times: „Menschen aus Georgia wurden diese Arbeitsplätze versprochen“. Er habe ein Problem damit, wenn Menschen ohne Arbeitserlaubnis „unsere Jobs stehlen“ würden.
Das Unternehmen Hyundai stritt ab, dass es sich bei den Inhaftierten um direkte Arbeitnehmer handele. Man wolle jetzt Auftragnehmer und Subunternehmer auf ihre Einhaltung gesetzlicher Vorschriften prüfen. Laut Gerichtsdokumenten, die AP News zitierte, sei bisher nicht klar, welches Unternehmen „Hunderte illegale Aliens“ eingestellt hätte.
„Ihr wollt unser Geld, aber ihr wollt uns nicht“: Trump erzwingt Investitionen mit Zollpolitik
Während sich die südkoreanische Regierung vorerst versöhnlich zeigt, sorgt das Vorgehen der USA in der südkoreanischen Wirtschaft für Empörung. „Ihr wollt unser Geld, aber ihr wollt uns nicht“, so wird Trumps Politik laut dem ehemaligen Chef des Korea-Wirtschaftsrats bei der US-Handelskammer, Tami Overby, wahrgenommen. „Das hatte eine abschreckende Wirkung auf alle Vorstandsetagen in Asien“, so Overby laut der New York Times weiter.
Damit könnte Trump auf lange Sicht die Investitionen in die USA gefährden. Südkorea ist ein Top-Investor in den USA. Zwischen 2025 und 2028 will allein Hyundai laut einer Pressemitteilung weitere 21 Milliarden US-Dollar investieren, zusätzlich zu 20,5 Milliarden US-Dollar, die bereits investiert wurden.
Eine Fabrik zu überfallen, die Rekordinvestitionen getätigt hat – so behandelt man keine ausländischen Investitionen.
Dass so Trumps Auto-Zölle in der Höhe von 25 Prozent vermieden werden können, sind mit der Grund für die Standortstärkung in den USA. Laut eigenen Angaben soll Hyundai im zweiten Quartal wegen der Zölle über 600 Millionen US-Dollar ausgegeben haben. Im Juli einigte man sich auf Zölle in Höhe von 15 Prozent für alle anderen Produkte, im Gegenzug für 350 Milliarden US-Dollar an südkoreanischen Investitionen in die USA. Grund sind aber auch massive Steuervergünstigungen und eine Subventionskampagne des ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden.
ICE-Razzia in Hyundai-Werk erst der Anfang: Trumps Anti-Migrationspolitik verlangsamt Investitionsprojekte
„Eine Fabrik zu überfallen, die Rekordinvestitionen getätigt hat – so behandelt man keine ausländischen Investitionen“, sagte Mark Keam, Präsident des Korean American Institute, einer Organisation für Politikforschung, laut der New York Times. In den USA gibt es einen Mangel an Arbeitskräften im Baugewerbe. Trumps Anti-Migrationspolitik wirkt zusätzlich kontraproduktiv auf die Umsetzung von Investitionsprojekten aus. Dennoch könnte die ICE-Razzia erst der Anfang sein, wie Reuters berichtete. ICE werde mehr Kontrollen am Arbeitsplatz durchführen, hieß es.
Der US-Bundesstaat Georgia hat für südkoreanische Investitionen gekämpft, nicht ohne kontroverse Debatten zu verursachen. Bewohner der ländlichen Region kritisieren, dass die der Fabrikkomplex ohne Entscheidungsmacht der Anwohnenden entstanden ist. Doch die südkoreanischen Arbeiter waren offenbar Teil der Gemeinschaft. Bewohner Sammie Rentz eröffnete einen asiatischen Lebensmittelladen, der sich durch die südkoreanischen Arbeiter im Fabrikkomplex rentiert. „Es ist ihr Laden“, so Rentz laut der New York Times. (lismah)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Seth Wenig
