„Er muss zurücktreten“
Nach Skandal-Auftritt von RFK Jr.: Eigene Familie fordert seinen Rücktritt
US-Gesundheitsminister Kennedy sorgt weiter für Kontroversen. Einige Mitglieder seiner Familie fordern bereits seinen Rücktritt.
Washington, DC – US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zählt zu den umstrittensten Persönlichkeiten in der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Er sorgte wiederholt für Schlagzeilen, indem er Impfungen infrage stellte, Verschwörungstheorien verbreitete und mit provokanten Äußerungen Aufmerksamkeit erregte. Nun steht er nach seiner Anhörung im Kongress massiv in der Kritik. Einen Tag nach dem Auftritt forderten mehrere seiner eigenen Familienmitglieder öffentlich seinen Rücktritt.
Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen




US-Gesundheitsminister Kennedy nach Senatsanhörung wegen Impfstoffaussagen in der Kritik
Zum Hintergrund: Der Finanzausschuss des Senats hatte Kennedy zu einer Anhörung über seine Initiative „Make America Healthy Again“ vorgeladen. Im Zentrum der Befragung standen seine Pläne im Bereich Impfstoffe. Laut Medienberichten reagierte Kennedy auf kritische Fragen teils wütend, teils spöttisch.
Laut einem Bericht des Spiegels erklärte Kennedy auf die Frage eines Senators, wie viele Menschen an Covid gestorben seien und ob Impfstoffe Todesfälle verhindert hätten, es lägen keine Daten vor. Diese Aussage widerspricht der wissenschaftlichen Evidenz: Das Magazin zeigte vereinzelt Studien auf, die aufgreifen, dass Covid-Impfstoffe Millionen Menschenleben gerettet und zudem Schutz vor Long Covid geboten haben. Zu den Studien zählen der WHO-Bericht, eine Studie in der Fachzeitschrift The Lancet und jeweils eine Studie aus den Universitäten Stanford und Yale.
Kritik an US-Gesundheitsminister Kennedy Jr.: Neffe und Schwester fordern Rücktritt
Der frühere Kongressabgeordnete Joe Kennedy III. kritisierte seinen Onkel in einem Post auf der Plattform X scharf und bezeichnete ihn in einer Erklärung als „Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen aller Amerikaner“. Er warf ihm vor, während seiner Anhörung im Kongress bewusst wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert zu haben und „die Öffentlichkeit in die Irre zu führen“.
Für bevorstehende Herausforderungen wie Krankheitsausbrüche und Krisen im Bereich der psychischen Gesundheit erfordere es moralische Klarheit, wissenschaftliche Expertise und eine auf Fakten basierende Führung. Diese Werte seien im Büro des Ministers nicht vorhanden. „Er muss zurücktreten“, schrieb sein Neffe.
Auch die Schwester des Gesundheitsministers äußert harsche Kritik. Auf der Online-Plattform Instagram schrieb Kerry Kennedy: „Medizinische Entscheidungen gehören in die Hände von geschulten und zertifizierten Fachkräften, nicht in inkompetente und fehlgeleitete Führung.“ Sie fügt hinzu: „Genug ist genug. Minister Kennedy muss zurücktreten. Jetzt.“
Ehemalige CDC-Leiter kritisieren Kennedy: „Gefährdet die Gesundheit aller Amerikaner“
Erst kürzlich hatten mehrere ehemalige Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC sich alarmiert gezeigt über die Amtsführung von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. „Kennedy gefährdet die Gesundheit aller Amerikaner“, erklärten die neun ehemaligen CDC-Chefs in einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag in der New York Times. Sie hatten die Gesundheitsbehörde seit 1977 unter mehreren Präsidenten, vom Demokraten Jimmy Carter bis zum Republikaner Donald Trump, geleitet.
Kennedy habe tausende von Mitarbeiter des Gesundheitssektors entlassen sowie Programme zur Prävention von Krebs, Herzinfarkten und anderen Krankheiten geschwächt, schrieben die Experten. Während des größten Masern-Ausbruchs seit Jahrzehnten habe der Impfskeptiker auf „nicht erwiesene Behandlungen‘“ gesetzt und Impfstoffe kleingeredet.
„Das ist unakzeptabel und es sollte jeden Amerikaner alarmieren, unabhängig von politischen Einstellungen“, schrieben die ehemaligen Leiter der Behörde, unter ihnen Anne Schuchat, die während US-Präsident Donald Trumps erster Amtszeit an der Spitze der CDC gestanden hatte. (jal/dpa)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Bob Daemmrich / ZUMA Press Wire
