Eskalation in Minneapolis

Tödliche ICE‑Schüsse in Minneapolis: Trump trifft jetzt der Zorn der Wirtschaftselite

Nach einem tödlichen Schuss bei einem ICE‑Einsatz in Minneapolis nehmen führende Wirtschaftslenker erstmals öffentlich Stellung.

Lange Zeit schwiegen Amerikas Top-Manager unter Donald Trump. Aus Angst, ins Visier des Präsidenten zu geraten, mieden CEOs öffentliche politische Stellungnahmen. Doch nach den jüngsten Vorfällen in Minneapolis treten nun erstmals Unternehmen aus der Deckung und beziehen öffentlich Stellung.

Polizeibeamte halten einen Demonstranten während einer Protestaktion vor den Hotels SpringHill Suites und Residence Inn by Marriott in Maple Grove, Minnesota, fest.

Am Sonntag veröffentlichten mehr als 60 CEOs von Unternehmen mit Sitz in Minnesota einen gemeinsamen Brief, in dem sie eine „sofortige Deeskalation der Spannungen“ fordern. Anlass war die Tötung des US-Bürgers Alex Pretti durch Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis.

Minnesota‑CEOs fordern Deeskalation nach tödlichen ICE‑Einsätzen

Unter den Unterzeichnern befinden sich Führungskräfte namhafter Firmen wie die der Einzelhandelskette Target, des 3M-Konzerns, des Agrar- und Lebensmittelriesen Cargill, des Krankenversicherers UnitedHealth Group und der Allianz-Lebensversicherung. „Die jüngsten Herausforderungen, vor denen unser Bundesstaat steht, haben zu weitreichenden Störungen und tragischen Todesfällen geführt“, heißt es in der Erklärung.

Laut CNN reagierten einige demokratische Politiker aus Minnesota kritisch auf das gemeinsame Schreiben der Unternehmen, weil es weder die Einwanderung selbst erwähne noch die Erschießungen von Alex Pretti oder Renée Good ausdrücklich verurteile oder die Regierung dazu auffordere, die Einwanderungsbeamten aus den Twin Cities (Metropolregion Minneapolis–Saint Paul) abzuziehen.

ICE-Agenten erschießen Demonstranten - Minneapolis im Ausnahmezustand

Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesgebäude bei den Protesten für Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger in Minneapolis, Minnesota, die von Grenzschutzbeamten getötet wurden.
Eine Demonstrantin in Minneapolis hält ein Schild hoch: „Hört auf uns zu töten“.
Demonstranten halten eine Mahnwache an der Stelle ab, an der Bundesbeamte einen Mann in Minneapolis am Samstag (24. Januar) getötet hatten.
New York City: Menschen protestieren gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE nachdem die Behörde einen US-Bürger in Minneapolis erschossen hat.
ICE-Agenten erschießen Demonstranten - Minneapolis im Ausnahmezustand

Nach tödlichem ICE‑Schuss: CEOs drücken Sorge aus – bleiben aber politisch vorsichtig

Einem Bericht des US-Senders CNBC zufolge nennt das Schreiben weder Präsident Donald Trump noch andere Politiker, die in die Ereignisse in Minnesota involviert sind, ausdrücklich beim Namen. Minnesotas Unternehmen hielten sich in den vergangenen Wochen weitgehend zurück, wie CNN berichtet. Trotz landesweiter Proteste gegen die Einwanderungseinsätze, Festnahmen von Angestellten und sogar einem Generalstreik kleiner Unternehmen wagten es viele der großen Konzerne nicht, öffentlich Stellung zu beziehen.

Minnesota zählt zu den wirtschaftlich bedeutenden Regionen der USA: Nach staatlichen Angaben haben dort 17 Unternehmen ihren Hauptsitz, die in der Fortune‑500‑Liste der größten US‑Konzerne geführt werden. Der offene Brief der Unternehmenschefs wurde einen Tag nach einem weiteren tödlichen Einsatz von Bundesbeamten in Minneapolis veröffentlicht. Bei diesem Vorfall wurde der 37‑jährige Alex Pretti von einem ICE‑Agenten erschossen, was in der Stadt und darüber hinaus zu massiven Protesten führte.

Trump verstärkt Bundespräsenz in Minneapolis nach tödlichen ICE-Schüssen – Kritik an Eskalation wächst

Parallel zu den Reaktionen aus der Wirtschaft hat die US‑Regierung ihre Präsenz vor Ort verstärkt und zusätzliche Bundesbeamte zur Durchsetzung der Einwanderungspolitik entsandt. Kritiker – darunter lokale Politiker und Aktivisten – werfen der Regierung vor, mit diesem starken Einsatz von Bundeskräften die Spannungen vor Ort weiter zu verschärfen.

Angesichts der landesweiten Empörung über die tödlichen Schüsse auf Alex Pretti in Minneapolis hat US-Präsident Donald Trump versucht einzulenken. „Niemand im Weißen Haus, einschließlich Präsident Trump, möchte sehen, wie Menschen auf Amerikas Straßen verletzt werden oder zu Tode kommen“, sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Montag in Washington. Trump kündigte zudem die Entsendung seines Grenzschutzbeauftragten Tom Homan nach Minnesota an.

Trump bemühte sich zudem um Schadensbegrenzung. In seinem Onlinedienst Truth Social erklärte er, er habe ein „sehr gutes Telefongespräch“ mit dem Gouverneur des Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, geführt und wolle mit ihm zusammenarbeiten. Er werde ein Gespräch zwischen seinem Grenzbeauftragten Homan und Walz veranlassen, damit alle „Kriminellen“ in dem Bundesstaat verhaftet würden. (Quellen: CNN, CNBC, dpa) (jal)

Rubriklistenbild: © Adam Gray/picture alliance/dpa/AP

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