Pistorius warnt

NATO-Übung zeigt Russland „rote Linien“ auf – Eurofighter zerstören Ziele, türkische Marine stürmt Ostsee

NATO-Übung demonstriert klare Abschreckungsbereitschaft. Pistorius verweist auf wachsende Bedrohungslage. Europäische Staaten testen schnelle Truppenverlegung.

Putlos – Der Himmel über der schleswig-holsteinischen Ostseeküste ist blau. Zwei Schwäne schwimmen wenige Meter entfernt von der Küste bei Putlos. Eine schwache Brise weht. Wie aus dem Nichts taucht eine Drohne auf. Sie ist klein, aber aufgrund der ruhigen Atmosphäre weder zu übersehen noch zu überhören. So schnell wie das unbemannte Flugobjekt erschienen war, verschwindet es wieder. Die nicht mit Schnee bedeckten Dünen wehen leicht im Wind. Plötzlich krachen Eurofighters über den Strand. Sie schlagen Loopings – und sind nach wenigen Sekunden wieder verschwunden. Ab jetzt ist es mit der Stille vorbei.

NATO-Übung: Marine-Soldaten landen an der Ostsee-Küste.

Die Szenen sind Teil der NATO-Übung Steadfast Dart 2026. Es ist die diesjährig größte Übung des transatlantischen Verteidigungsbündnisses. Das Maritime Component Command der Allied Reaction Force (ARF), eine Task Force bestehend aus 15 Schiffen aus sechs alliierten Nationen, führt am 18. Februar eine komplexe amphibische Demonstration durch.

NATO-Eurofighter attackieren feindliche Ziele

Die ARF soll im Ernstfall – also etwa bei einem Angriff von außen auf die NATO oder einer humanitären Katastrophe – binnen von zehn Tagen 40.000 Soldaten in den Einsatz bringen. Die Entscheidung dafür muss der Nordatlantikrat NATO treffen. Das Verteidigungsbündnis könnte 500 000 Soldaten innerhalb von 180 Tagen verlegen, sagte Oberstleutnant Dr. Davor Zebec dem Münchner Merkur von Ippen.Media.

Bei der Übung demonstriert die Drohne, wie die Streitkräfte feindliche Ziele am Strand identifizieren. Die Kampfjets schalten diese aus. Scharfe Munition wird nicht verwendet. Die amphibische Landung bildet den Höhepunkt der Steadfast-Übung und findet unter den Augen des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) und Carsten Breuer, Generalinspektor der Bundeswehr, statt.

Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen

Das in hellem Gelb aufleuchtende Mündungsfeuer eines russischen T-80-Panzers, der aus einer Deckung heraus feuert.
Ein von unten beleuchteter Leopard 2A8 im Dunkeln auf dem Firmengelände von KNDS.
Ausgemusterte Leopard A1 der belgischen Armee in einer Halle
Tank Leopard 1A5 Military Fire Exercise - Ukraine
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen

NATO-Übung: Spezialkräfte seilen sich aus Hubschraubern ab

Nachdem die Eurofighter am Horizont verschwunden sind, tauchen spanische Spezialeinheiten wenige Meter vor der Küste aus dem Wasser auf. Sie beseitigen simulierte Sprengstoffgefahren. Kurze Zeit später erhalten die Taucher Unterstützung aus der Luft. Türkische und spanische Spezialeinheiten seilen sich von Hubschraubern schnell an Land ab – teilweise mit Hunden. Die Soldatinnen und Soldaten sichern wichtige Positionen. Türkische Kampfhubschrauber unterstützen die Truppen. In den Dünen wird ein Hase aufgeschreckt, der schnellstmöglich aus der Übungszone rennt.

Für einige südeuropäische Partner startete die NATO-Übung bereits im Januar. Die Verbündeten demonstrieren, wie Truppen schnell aus Südeuropa näher an die Ostflanke verlegt werden. Insgesamt nehmen 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus 13 Nationen, 17 Schiffe sowie mehr als 1500 Fahrzeuge an der Übung teil. An der amphibischen Landung beteiligen sich nach NATO-Angaben 15 Schiffe und 2600 Soldaten. Die größten Beiträge kommen aus südeuropäischen Staaten wie der Türkei, Spanien, Italien und Griechenland. Die NATO-Übung findet ohne direkte Beteiligung der USA statt.

Laut NATO-Angaben ist dies kein politisches Signal der US-Administration unter Präsident Donald Trump. Die Übung sei bereits vor zwei Jahren geplant worden. Auch Pistorius wehrte später den Eindruck ab, dass das direkte Fehlen der US-Streitkräfte mit den Spannungen im transatlantischen Verhältnis zusammenhänge. Dass nur europäische NATO-Staaten beteiligt sind, sei in der „normalen Rotation“ unter den Bündnispartnern begründet.

Pistorius: NATO-Übung beweist Einsatzbereitschaft

Nun folgen mehrere Hauptlandungstruppen in schneller Abfolge. Türkische Marine-Soldaten nähern sich dem Strand in Schnellbooten, gefolgt von acht amphibischen Angriffsfahrzeugen vom Typ Zaha. Weitere Landungsboote erreichen die Küste östlich der Hauptoperation, um einen Brückenkopf zu verstärken und den Einsatzbereich zu erweitern. Die amphibische Landung ist beendet.

Im Anschluss sagte Pistorius, die Übung habe gezeigt, dass die NATO „geschlossen und einsatzbereit“ ist. „Gerade in der Ostsee hat sich die Sicherheitslage dramatisch verschärft“, fügte er an. „Russland bedroht uns hybrid.“ Die NATO-Staaten zeigten mit Übungen wie der in Putlos, „dass wir es ernst meinen mit der Abschreckung“. Wenn an der Ostflanke etwas passiere, müssten NATO-Verbände schnell verlegt werden.

Breuer griff Pistorius Worte auf. Deutschland und seine NATO-Partner müssten sich einer „realen Bedrohung“ stellen. „Russland richtet seine Streitkräfte weiter nach Westen aus“, sagte er. NATO-Übungen hätten auch eine politische Dimension, weil die Alliierten Einheit und Stärke bewiesen.

NATO will Feinden die roten Linien aufzeigen

Mit der Verlegung der Allied Reaction Force zeige die NATO, „dass wir in einer möglichen Krise sehr schnell einem möglichen Gegner aufzeigen können, wo die roten Linien liegen, sagte NATO-General Ingo Gerhartz, der im niederländischen Brunssum das Kommando über das operative Hauptquartier (Allied Joint Force Command) hat. Dieses NATO-Kommando ist für die Verteidigung Mitteleuropas zuständig – vom Atlantik bis zur östlichen Grenze des Bündnisses.

In der NATO herrsche die allgemeine Überzeugung, dass insbesondere die Luft- und Seestreitkräfte des westlichen Bündnisses denen der russischen überlegen sind, sagte ein NATO-Angehöriger unserer Redaktion, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auch aus diesem Grund sei ein zentrales Ziel von NATO-Übungen das Trainieren gemeinsamer Operationen von Land-, Luft- und Seestreitkräften. Ein effizientes und gut koordiniertes Zusammenwirken dieser Kräfte mache auf dem Schlachtfeld häufig den Unterschied aus. Es sei die „absolute Königsklasse“, sagte die Person unserer Redaktion. (Quellen: eigene Recherche) (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Fabian Bimmer/dpa

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