Treffen in Washington

Netanjahu für Iran-Gespräche bei Trump – „Das Ziel ist der Sturz des Regimes“

Israels Premier trifft Trump zu Gesprächen über den Iran. Netanjahu könnte auf einen Militärschlag drängen. Die Raketen Teherans stehen im Fokus der Verhandlungen.

Bereits zum siebten Mal seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump reist Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Mittwoch nach Washington, D.C. Bei dem Treffen dürfte Netanjahu auf Forderungen seines Landes an ein mögliches Abkommen der USA mit dem Iran pochen. Doch welche Ziele verfolgt Israel mit Blick auf den Iran? Das Mullah-Regime ist seit dem 12-Tages-Krieg im vergangenen Jahr geschwächt, die vom Iran angeführte „Achse des Widerstands“ musste schwere Verluste einstecken. Könnte Netanjahu bei Trump auf den finalen Stoß gegen Teheran drängen?

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu reist für Gespräche nach Washington. Dabei steht auch der Iran im Fokus.

„Das Ziel der gegenwärtigen Regierung Israels ist der Sturz des Regimes gefolgt von einem schwachen Iran oder gar einem Zerfall des Staates“, ordnet Nahost-Experte Andreas Böhm von der Universität St. Gallen das Treffen am Mittwoch ein. „Die entsprechenden Folgen eines syrischen oder libyschen Szenarios nimmt man gerne in Kauf. Denn ein Machtvakuum mit anhaltenden Kämpfen und einer großen Flüchtlingswelle betrifft Israel nicht, sondern vor allem den geopolitischen Rivalen, die Türkei sowie die anderen Nachbarstaaten.“

Israels Premierminister für Iran-Gespräche bei Trump – „Regime Change ist Netanjahus Ziel“

Bei seiner Abreise nach Washington hatte Netanjahu erklärt, er werde Trump die „Ansichten“ Israels zu den „Grundsätzen der Verhandlungen“ darlegen und dabei insbesondere auf die Raketenbestände der Regierung in Teheran verweisen. „Hauptsächlich“ werde es bei den Gesprächen um die Iran-Verhandlungen gehen, Themen seien zudem der Gazastreifen und weitere regionale Fragen.

Die grundsätzliche Haltung des israelischen Premierministers zu Iran ist dabei nicht neu. Das erklärt auch Experte Böhm. „Regime Change im Iran ist Netanjahus Ziel seit er in der Politik ist. In den 30 Jahren seit er zum ersten Mal zum Premierminister gewählt wurde, hat er nichts unversucht lassen, die jeweilige amerikanische Regierung dazu zu bewegen oder Versuche diplomatischen Ausgleichs zu torpedieren.”

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Netanjahu zu Gast bei Trump – iranische Langstreckenraketen im Fokus

Diese Strategie dürfte Netanjahu auch am Mittwoch in Washington verfolgen. „Netanjahu wird also versuchen, Trump zu einem Militärschlag zu bewegen beziehungsweise ihn dazu zu bringen, die Forderungen in den Verhandlungen mit dem Iran so weit zu maximieren, dass eine Einigung unmöglich wird“, führt Böhm gegenüber unserer Redaktion weiter aus. Um dieses Ziel zu erreichen, könnte der israelische Premierminister nach Ansicht des Experten Kooperationen mit Blick auf den Gazastreifen anbieten. Dort will der von Trump ins Leben gerufene „Friedensrat“ unter anderem Geld für den Wiederaufbau der Region sammeln.

Der entscheidende Punkt bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie dem Treffen zwischen Trump und Netanjahu dürften die ballistischen Raketen des Mullah-Regimes sein. Laut der israelischen Zeitung Jediot Achronot will Netanjahu mit Trump unter anderem aktuelle Geheimdienstinformationen über Irans Raketenprogramm teilen.  Netanjahu werde Trump zudem warnen, dass Teheran Langstreckenraketen entwickele, die die Vereinigten Staaten treffen können. Teheran hat hingegen bereits öffentlich darauf bestanden, über keine anderen Themen als sein Atomprogramm zu verhandeln.

Experte nennt rote Linie in Iran-Verhandlungen – „nicht verhandelbar“

„Nachdem die ‚Achse des Widerstands‘, der Ring verbündeter Milizen im Libanon, Syrien, Irak und Jemen weitgehend zerstört wurde, verbleiben dem Iran die Raketen als einzige Abschreckung. Daher stellen sie eine rote Linie in den Verhandlungen dar – eigentlich sind sie aus iranischer Sicht unverhandelbar“, ordnet Nahost-Experte Böhm die Lage ein. Für Israel auf der anderen Seite stellen die Raketen ein massives Sicherheitsrisiko dar. „Der Junikrieg 2025 hat gezeigt, dass die israelische Raketenabwehr nunmal begrenzt ist und durch die schiere Anzahl iranischer Raketen auf die Probe gestellt wird“, erklärt Böhm.

Nahostexperte Dr. Andreas Böhm von der Universität St. Gallen.

Auch deshalb dürfte die israelische Regierung auf eine zunehmende Eskalation im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran hoffen. Netanjahu sei besorgt, dass Trump einem Abkommen zustimmen könnte, das den Iran „vom Haken“ lasse, zitierte das Wall Street Journal Israels früheren Botschafter in den USA, Michael Oren, mit Blick auf den Krieg im Juni. „Dieser militärische Sieg könnte zunichtegemacht werden, wenn dem Iran eine Lockerung der Sanktionen gewährt wird und er wieder zu einer großen regionalen Bedrohung wird, bewaffnet mit ballistischen Raketen und Terror unterstützend“, sagte Oren. Um das zu verhindern, wird Netanjahu am Mittwochnachmittag direkt bei Trump vorstellig. (Quellen: Eigene Anfrage, Wall Street Journal, Jediot Achronot, dpa) (fdu/smu)

Rubriklistenbild: © JIM WATSON/afp

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