Daten aus Deutschland

Neue Umfrage zeigt Sorge vor Putins Russland – und Bereitschaft zu schmerzhafter Neujustierung

Laut einer neue Studie erwarten die Deutschen mehrheitlich einen militärischen Konflikt der NATO mit Russland – und ziehen überraschende Schlüsse.

Mehr Rüstung gegen Wladimir Putins Bedrohung, das steht in Deutschland weit oben auf der Agenda. Eine neue Umfrage zeigt deutlich: Die Menschen im Land teilen nicht nur mit klarer Mehrheit die Sorge vor Aggression aus Russland. Sie stehen auch mit großer Mehrheit hinter sehr viel stärkeren Verteidigungsbemühungen – und sie haben eine eher unerwartete Präferenz in der Frage, wie diese Schritte zu finanzieren sind.

Laut einer Umfrage nehmen die Deutschland Russland mehrheitlich als Bedrohung auch für die NATO war – Verteidigung steht hoch im Kurs.

Das geht aus einer frisch veröffentlichten Studie der TU München und der Universität Leipzig hervor, die dem Münchner Merkur von Ippen.Media vorab vorlag. Eines der überraschendsten Ergebnisse sei, „wie stark die Zustimmung zu höheren Verteidigungsausgaben ausfällt“, erklärte Co-Studienleiter Philipp Lergetporer unserer Redaktion. Die Deutschen würden der repräsentativen Umfrage zufolge die Verteidigungsausgaben auf rund zwölf Prozent der staatlichen Gesamtausgaben erhöhen, sagte er. Aktuell liegt dieser Wert bei gut zwei Prozent.

NATO-Konflikt mit Russland erwartet – Umfrage zeigt Stimmung: Verteidigung statt Soziales

Zugleich überrasche die Bereitschaft, im Gegenzug die Sozialausgaben deutlich zu reduzieren, so Lergetporer. Denn 59 Prozent der Befragten wollen zusätzliches Geld für die Verteidigung durch Einsparungen an anderer Stelle gewinnen. Nur 25 Prozent wollen das durch Neuverschuldung erreichen, 16 Prozent durch Steuererhöhungen. Und 83 Prozent der Befragten plädierten dafür, den Anteil der Sozialausgaben an den staatlichen Ausgaben abzusenken – und zwar in der Zusammenschau deutlich, von derzeit 41 Prozent auf etwa 26 Prozent, wie Lergetporer sagt.

Tatsächlich fürchten viele Politiker seit Längerem, dass die möglichen sozialen Kosten der Verteidigungsbemühungen erheblichen Zündstoff liefern könnten. Allerdings mussten die Befragten in der Umfrage nicht angeben, in welchem Bereich des Sozialen sie konkret sparen würden; denkbar wären etwa Rentenzuschüsse oder Bürgergeld beziehungsweise Grundsicherung.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
US-Armee Nato
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Polnische Armee
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„Insgesamt scheint es so, dass die jetzigen geopolitischen Konflikte zu einer deutlichen Umpriorisierung der Bedeutung unterschiedlicher Politikfelder für die Bevölkerung führen“, sagt Lergertporer. Denn die Studie zeigt: Rund 62 Prozent der Befragten stimmten der Aussage „voll und ganz“ oder „eher“ zu, dass ihnen ein direkter militärischer Konflikt eines NATO-Landes mit Russland, große Sorgen bereitet. 58 Prozent sorgten sich über einen militärischer Konflikt Russlands mit einem Nachbarland Deutschlands.

Ein militärischen Konflikt auf deutschem Boden bereitete hingegen „nur“ 42 Prozent der Befragten große Sorge. Trotz dieser eher mittelbaren gefühlten Bedrohung ist die Zustimmung zu stärkerer Verteidigung in der Umfrage groß. 60 Prozent der Befragten sprachen sich „sehr“ oder „eher“ für mehr Soldaten für die Bundeswehr aus, 58 Prozent für ein „Eingreifen gegen hybride Kriegsführung“ – und 55 Prozent für eine gemeinsame EU-Armee. Überhaupt scheint europäisches Handeln hoch im Kurs zu stehen. Mehrheiten gab es auch für Zusammenarbeit mit EU-Staaten in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik (67 Prozent), im Zivilschutz (66 Prozent) und in der Außenpolitik (60 Prozent).

Umfrage zu Deutschlands Verteidigung: EU-Armee findet Zustimmung – höhere Ukraine-Hilfe nicht

Auffällig: Der Anteil Unentschlossener pendelte bei den meisten Fragen zwischen 20 und 30 Prozent, Gegenstimmen gab es aber kaum. So sprachen sich nur 18 Prozent der Befragten „sehr oder eher“ gegen eine gemeinsame Armee der EU aus, 14 Prozent gegen weitere Bundeswehr-Soldaten. Umstritten blieb die Wiedereinführung der Wehrpflicht mit einer Zustimmung von „nur“ 49 Prozent, ein „Gesellschaftsdienst“ erhielt 38 Prozent Zustimmung – kritisch fiel die Stimmung zu einer Aufstockung der Militärhilfen für die Ukraine aus. 27 Prozent der Befragten befürworteten eine solche zumindest tendenziell, 41 Prozent sprachen sich dagegen aus. Potenziell heikel ist das auch, weil die Ukraine weiter stark auf die Donald Trump wankelmütigen USA angewiesen ist.

Befürworte...Stimme voll und ganz zuStimme eher zuWeder nochStimmer eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu
...mehr Soldat*innen24%36%26%7%7%
...gemeinsame EU-Armee22%33%27%8%10%
...Ausbau der Zusammenarbeit in Verteidigung/Sicherheit28%39%22%6%6%
...Erhöhung der Militärhilfe für Ukraine9%18%32%17%24%

*Ausgewählte Umfrage-Ergebnisse. Quelle: Studie „Gefahr im Verzug“, TU München und Universität Leipzig. Statistischer Fehlerbereich +/- 3 Prozentpunkte.

Die Umfrage-Ergebnisse beruhen auf 1.095 Antworten von in Deutschland lebenden Personen zwischen 18 und 74 Jahren. Durchgeführt hat sie das Institut Bilendi von Juli bis September – und zwar online. Die Ergebnisse von Online-Befragungen seien „denjenigen aus persönlichen Befragungen sehr ähnlich“, sagte Lergetporer auf Nachfrage. Zwar seien weniger internetaffine Personen tendenziell schwerer zu erreichen. „Die Stichprobe für unsere Studie wurde jedoch so gezogen, dass sie die deutsche Bevölkerung anhand zentraler demografischer Merkmale möglichst gut abbildet.“ (Quellen: TU München, Philipp Lergetporer, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © RIA Novosti/SNA/Chris Emil Janßen/Imago

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