Bedrohung durch Russland

Deutscher Admiral befürchtet Russland-Eskalation in der Ostsee – Putins Kriegsschiffe könnten NATO testen

Befehlshaber der Deutschen Marine rechnet damit, dass Russland die NATO in der Ostsee militärisch auf die Probe stellen wird.

Eine am Mittwoch (25. Februar) über schwedischen Hoheitsgewässern nahe einem französischen Flugzeugträger gesichtete Drohne ist laut Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson wahrscheinlich russisch gewesen. Das sagte Kristersson dem Sender SVT, als er das französische Militärschiff „Charles de Gaulle“ besuchte, das derzeit im Hafen von Malmö liegt.

Marine-Vizeadmiral Jan Christian Kaack warnt vor einer wachsenden Bedrohung durch Russland in der Ostsee. (Montage)

Für den Befehlshaber der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan-Christian Kaack, ist die Botschaft eindeutig: Deutschland muss sich auf eine mögliche militärische Eskalation Russlands in der Ostsee vorbereiten. Das sagte er in einem Interview mit der britischen Zeitung The Times.

„Ernst, aber nicht unerwartet“ – Schwedisches Militär stoppt Drohne nahe französischem Flugzeugträger

Am Donnerstag (26. Februar) hatte das schwedische Militär mitgeteilt, dass es eine mutmaßliche Drohne im Öresund gesichtet und gestört habe. Danach sei der Kontakt zu der Drohne abgerissen. Der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson sagte zu SVT, dass er davon ausgehe, dass es sich um eine russische Drohne handelte, weil sich gleichzeitig ein russisches Militärschiff in der Meerenge zwischen Schweden und Dänemark befand – unweit der „Charles de Gaulle“.

Ministerpräsident Kristersson nannte den Vorfall nun „ernst, aber nicht unerwartet“. Es sei sicher kein Zufall, dass so etwas gerade während des Besuches des französischen Flugzeugträgers in Schweden passiere. „Das Wichtigste ist, Klartext zu reden und zu zeigen, dass wir vorbereitet sind und mit solchen Situationen umgehen können“, sagte Kristersson zu SVT. Derzeit sei dem Ministerpräsidenten zufolge eine technische Untersuchung im Gange, die mehr Details zu dem Vorfall ans Licht bringen solle.

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NATO in Alarmbereitschaft: Deutscher Marinechef warnt vor russischer Bedrohung in der Ostsee

In Europa wächst die Sorge, dass der Kreml die Unsicherheit über das US-Engagement in der NATO nutzen könnte, um Artikel 5 – die kollektive Beistandspflicht – auf seine Belastbarkeit zu testen. Zwei Quellen, die an NATO-Planspielen beteiligt sind, bestätigten gegenüber der Times, dass die Planer des Bündnisses in den vergangenen Monaten zunehmend Szenarien auf der Ostsee durchgespielt haben.

Die Ostsee gilt seit dem NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens infolge der russischen Invasion in der Ukraine als gesichertes Gewässer. Kaack wies die gängige Einschätzung zurück. Russland könne die Seewege mit seiner Marine oder von Kaliningrad aus blockieren – und damit im Kriegsfall die deutsche Brigade in Rudninkai, Litauen, abschneiden, so der Admiral gegenüber The Times. Er sagte darüber hinaus, Russland habe erheblichen Spielraum für Hybridangriffe unterhalb der Schwelle eines offenen Konflikts. „Das ist kein NATO-See und wird es niemals sein, solange die Russen Kaliningrad und Sankt Petersburg haben. Die Ostsee ist sehr eng – das bedeutet, wir stehen vor einer schnellen Bedrohung.“

Russland-Bedrohung in der Ostsee steigt: NATO-Generäle warnen vor Aggression

Kaack hat bereits vor einer zunehmenden Bedrohung durch Russland auf See gewarnt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte Kaack: „Die Bedrohung ist real.“ Besonders in der Ostsee habe die Aggressivität russischer Streitkräfte in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Die Marine registriere verstärkt tief anfliegende russische Flugzeuge über NATO-Schiffen sowie aggressivere Annäherungen an deutsche und alliierte Schiffe.

Auch Norwegens Armeechef, General Eirik Kristoffersen, sieht eine Bedrohung durch Russland. In einem Interview mit dem Guardian warnte er vor einer möglichen Invasion, die Russland womöglich plant, um seine im hohen Norden stationierten Nuklearwaffen zu schützen. „Wir schließen eine Landnahme durch Russland nicht aus,“ sagte Kristoffersen.

NATO trainiert Marine für schnelle Reaktion auf russische Sabotage in der Ostsee

Um Eskalationen zu verhindern, bereite man die Kommandantinnen und Kommandanten gezielt auf solche Situationen vor. Es gebe klare Verhaltensregeln, sagte Kaack der Süddeutschen Zeitung. Zudem würden diese Szenarien in militärischen Planspielen regelmäßig durchgespielt.

Positiv bewertete der Marineinspekteur die Nato-Mission „Baltic Sentry“, die vor einem Jahr zum Schutz von Pipelines und Unterseekabeln in der Ostsee gestartet ist. Immer wieder hatte es dort Sabotageakte von Schiffen mit Verbindungen zu Russland etwa an Unterseekabeln gegeben. Die Reaktionszeit bei verdächtigen Ereignissen habe von 17 Stunden auf eine Stunde verkürzt werden können, sagte Kaack. (Quellen: SVT, The Times, afp, Süddeutsche Zeitung) (jal)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa; Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin via AP/dpa

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