Ust-Luga erneut angegriffen
Russlands Öl-Herzstück im Visier: Ukraine attackiert Putins Wirtschaft – Milliarden-Einnahmen in Gefahr
Drohnenalarm am Finnischen Meerbusen. Die Ukraine nimmt im Krieg Russlands Wirtschaft ins Visier. Immer wieder werden Putins Öl-Exporte angegriffen.
Zum vierten Mal binnen weniger Tage haben ukrainische Langstreckendrohnen in der Nacht zum 31. März den russischen Öl- und Gashafen Ust-Luga an der Ostsee angegriffen. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, bestätigte Schäden an den Hafenanlagen sowie Opfer in der Region – obwohl die russische Flugabwehr nach eigenen Angaben 38 Drohnen abschoss. Die Systematik der Angriffe ist dabei kein Zufall.
Ust-Luga ist gemeinsam mit dem ebenfalls attackierten Hafen Primorsk für rund 40 Prozent der russischen Seeölexporte verantwortlich – und damit ein Herzstück von Russlands Wirtschaft. Ausgerechnet in den vergangenen Tagen hätte Russland besonders viel aus diesem Wirtschaftszweig schlagen können: Infolge des Iran-Krieges waren die globalen Energiepreise stark gestiegen, der Preis für russisches Urals-Rohöl überstieg in Indien die Marke von 120 US-Dollar pro Barrel. Laut Bloomberg erzielte Moskau vor den Drohnenangriffen 2,5 Milliarden US-Dollar aus Ölexporten – der höchste Wert seit April 2022.
Russlands Wirtschaft im Visier: Ukraine greift im Krieg mehrfach Ust-Luga an
Bereits bei den vorangegangenen Angriffen am 25., 27. und 29. März hatte die Ukraine den Betrieb in Ust-Luga empfindlich gestört und damit Russlands Wirtschaft einen empfindlichen Dämpfer versetzt. Der Hafen wickelt täglich rund 700.000 Barrel Rohöl, Naphtha, Schweröl, Kerosin und Gasöl ab. Gemeinsam mit dem nahe gelegenen Hafen Primorsk – ebenfalls mehrfach in den vergangenen Tagen angegriffen – ist Ust-Luga für rund 40 Prozent der russischen Seeölexporte verantwortlich. Der Ukrainische Sicherheitsdienst (SBU) hatte am 29. März bestätigt, dass seine Drohnen das Öl-Terminal in Ust-Luga zum zweiten Mal innerhalb einer Woche getroffen hatten; dabei wurden „schwere Schäden“ und ein Brand gemeldet.
Die Angriffe gegen Russlands Wirtschaft weiten sich geografisch aus: Drohnen wurden auch über den Landkreisen Kingisepp an der Grenze zu Estland und Wyborg an der Grenze zu Finnland geortet. Am Flughafen St. Petersburg mussten wegen der Drohnenbedrohung mehr als 60 Flüge gestrichen oder verschoben werden. Das estnische Militär meldete, dass mehrere Drohnen in den Luftraum des NATO- und EU-Mitglieds eindrangen und von Radarsystemen sowie stationierten NATO-Kampfjets gesichtet wurden – ohne abzustürzen oder abgeschossen zu werden. Auch im benachbarten Lettland näherte sich ein unbekanntes Flugobjekt dem Luftraum, drehte jedoch vorher ab.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Hintergrund der intensivierten Angriffe ist eine klare strategische Kalkulation Kiews: Russland profitiert derzeit von gestiegenen globalen Energiepreisen infolge des Iran-Krieges. Die Einnahmen waren laut Bloomberg seit Ende Februar um 120 Prozent gestiegen, nachdem der Preis für Urals-Rohöl merklich gestiegen war. Analysten zufolge zielt die Ukraine deshalb darauf ab, Moskaus Fähigkeit zu begrenzen, von diesem Preisanstieg zu profitieren.
Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Selenskyj spricht über Waffenruhe an Ostern
Inmitten der militärischen Eskalation im Kontext des Ukraine-Krieges meldete sich Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem Gesprächsangebot zu Wort. Er erklärte, die Ukraine sei zu einer Waffenruhe über die Osterfeiertage bereit. „Wir sind bereit für eine Waffenruhe für die Osterferien… aber normale Menschen, die das Leben respektieren, sprechen über eine Waffenruhe und ein Ende des Krieges für das Leben, nicht für ein paar Tage“, sagte Selenskyj laut Ukrainska Prawda.
Kiew habe zudem einen vollständigen Waffenstillstand, eine „Energiewaffenruhe“ sowie einen Stopp von Angriffen auf Lebensmittel- und Meeressicherheit vorgeschlagen. „Ein vollständiger Waffenstillstand… damit weder Raketen noch Drohnen fliegen. Keine Angriffe auf Infrastruktur. Wenn die Russen bereit sind – bitte, wir sind bereit“, so Selenskyj.
Russlands Wirtschaft: Putin zunehmend unter Druck
Die Lage von Russlands Wirtschaft verschlechtert sich unterdessen. Der Staatshaushalt leidet unter sinkenden Einnahmen aus Öl- und Gasexporten sowie einer schwächelnden Konjunktur. Die Industriestaaten-Organisation OECD rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent, nach 1,0 Prozent im Vorjahr.
Berichten der Financial Times und des Portals The Bell zufolge traf sich Präsident Wladimir Putin hinter verschlossenen Türen mit führenden Geschäftsleuten, um Beiträge für den angeschlagenen Staatshaushalt einzuwerben. Der Milliardär Suleiman Kerimow habe dabei einen Beitrag von 100 Milliarden Rubel – umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro – zugesagt. Diese Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar; eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters in Kerimows Büro blieb unbeantwortet. (Quellen: Ukrainska Pravda, Bloomberg, Kyiv Post, Financial Times, The Bell, dpa) (fbu)
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