Telegram und FSB

Sicherheit von Messengerdienst: Hat Telegram Kontakte zum russischen Geheimdienst?

Telegram inszeniert sich als sehr sicherer Messenger. Neue Erkenntnisse nähren jedoch den Verdacht, es könnte Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB geben.

Moskau – Rund 900 Millionen Menschen weltweit nutzen monatlich den russischen Messengerdienst Telegram, allein in Deutschland sind es den Angaben des russischen Unternehmens zufolge 7,8 Millionen. Viele von ihnen schätzen die Messenger-App für ihre vermeintlich relativ hohe Sicherheit inklusive zahlreicher Funktionen, wie etwa Nachrichten, die sich nach dem Lesen selbst löschen. Seit Jahren gewinnt Telegram deshalb immer mehr neue Nutzer dazu und erhöht so seinen Marktanteil. Nun jedoch wurde ein neuer Bericht veröffentlicht, der aktive Telegram-Nutzer stutzig machen dürfte: Ihm zufolge könnte der bekannte Messengerdienst nämlich über Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB verfügen.

Messengerdienst Telegram könnte mit russischen Geheimdienst verbunden sein

Die unabhängige russische Nachrichtenagentur IStories hat nach eigenen Angaben Beweise dafür gefunden, dass die Server-Infrastruktur Telegrams von Unternehmen betrieben wird, die in der Vergangenheit mit russischen Geheimdiensten zusammengearbeitet haben. Dies werfe erhebliche Bedenken hinsichtlich einer potenziellen staatlich gesteuerten Überwachung von Telegram-Nutzern durch Russland auf, berichtete der US-Nachrichtendienst Newsweek am Dienstag. 

Logo des Messengerdienstes Telegram

Verwaltet wird Telegrams Netzserver-Infrastruktur vom Unternehmen Global Network Management (GNM), das auf Antigua und Barbuda in der Karibik ansässig ist. Dem IStories-Bericht zufolge stellt GNM dem Messengerdienst rund 10.000 IP-Adressen zur Verfügung. Viele jener IP-Adressen seien zuvor im Besitz von Globalnet gewesen, einem Telekommunikationsbetreiber mit Sitz in St. Petersburg. 

In seinem Bericht schrieb IStories, Globalnet besitze Verbindungen zum Kreml und zu russischen Geheimdiensten, einschließlich des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. GNM-Eigentümer ist der Russe Wladimir Wedenejew, der bereits vor einem US-Gericht aussagte, auch Mitarbeiter in Russland zu beschäftigen. IStories fand auch heraus, dass Wedenejew neben seiner Position als CEO auch als Finanzchef von Telegram fungiert.

Mögliche Verbindung Telegrams zu Russlands Geheimdienst – Gerätekennung könnte problematisch werden

Dem Bericht nach soll Telegram weitere 5000 IP-Adressen vom ebenfalls in St. Petersburg ansässigen Unternehmen Electrontelecom zur Verfügung gestellt bekommen haben. Electrontelecom sei in der Vergangenheit bereits mit „Dienstleistungen für die Installation und Wartung eines komplexen Systems für die Übertragung von Geheimakten fester Institutionen zuständig gewesen, die von der FSB-Direktion für St. Petersburg und das Leningrader Gebiet betrieben werden und der Durchführung operativer Ermittlungsaktivitäten dienen“, heißt es in dem IStories-Bericht weiter.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Der Cybersecurity-Experte Michał Woźniak erklärte gegenüber dem nordmazedonischen Nachrichtenportal Sloboden Pečat sowie gegenüber IStories, dass Telegram durchaus Nachrichten von Nutzern speichere – und das selbst, wenn diese verschlüsselt seien. Damit aber noch nicht genug: Zudem füge Telegram auch eine eindeutige Gerätekennung an jede auf der Plattform gesendete Nachricht an, die als „auth_key_id“ bezeichnet wird und den Standort eines Nutzers bestimmen und seine IP-Adresse offenlegen kann.

„Wenn jemand Zugang zum Telegram-Verkehr hat und mit russischen Geheimdiensten zusammenarbeitet, bedeutet dies, dass die Gerätekennung zu einem wirklich großen Problem wird – ein Werkzeug für die globale Überwachung von Messenger-Nutzern, unabhängig davon, wo sie sich befinden und mit welchem Server sie sich verbinden“, sagte Woźniak.

Unternehmen mit Verbindungen zu russischen Oligarchen sollen Telegram bereits finanziert haben

Telegrams Presse- und Medienabteilungsleiter Remi Vaughn bekräftigte auf Nachfrage der Newsweek, Telegram sei für seine Nutzer sicher und ein unbefugter Zugriff durch Dritte könne ausgeschlossen werden. „Als globales Unternehmen hat Telegram Verträge mit Dutzenden von verschiedenen Dienstanbietern auf der ganzen Welt. Keiner dieser Dienstleister hat jedoch Zugang zu Telegram-Daten oder sensibler Infrastruktur“, wurde Vaughn vom US-Nachrichtendienst zitiert. Zudem habe Telegram nie Daten an Dritte weitergegeben „und seine Verschlüsselung wurde nie gebrochen“, fügte Vaughn hinzu. 

Ins Leben gerufen worden war der Telegram 2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow. Auf zunehmenden Druck der russischen Regierung verließen sie das Land jedoch 2013. Wie das Schweizer Nachrichtenportal Swiss Info berichtet, wurde Telegram bis 2017 von den Brüdern selbst finanziert. Im Jahr 2018 starteten sie die Blockchain-Plattform Telegram Open Network (TON), die die Kryptowährung Gram verkaufte, um Gelder für die Bezahlung der Messengerdienst-Server einzuwerben. Insgesamt sammelte Durow rund 1,8 Milliarden damit US-Dollar ein. Zu den Investoren zählte auch Mikhail Abyzov, einer der ehemaligen Minister des russischen Präsidenten Wladimir Putin, und der russische Geschäftsmann Said Gutseriev. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / NurPhoto

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