Lage im Ukraine-Krieg
„Ich fühlte nichts“: Gen-Z-Piloten töten im Ukraine-Krieg mit Drohnen – Ihr Ziel sind 50.000 Abschüsse
Der Ukraine-Krieg ist längst zum Drohnenkonflikt geworden. Kiew setzt auf eine neue Generation an Piloten. Ohne Emotionen schildern sie ihre Fronteinsätze.
„Nach meinem ersten Abschuss habe ich nichts gefühlt. Ich habe meinen Job gemacht. Ich habe einen Russen vom Schlachtfeld genommen und ihn zu Dünger verarbeitet.“ Was ein junger Drohnenpilot der Times erzählt, zeigt eine neue Realität im Ukraine-Krieg: Inzwischen entscheiden Gaming-Skills über Leben und Tod. Währenddessen steuert der Ukraine-Krieg unerbittlich weiter auf den nächsten Jahrestag zu. Seit dem 24. Februar 2022 bekämpfen sich die Truppen von Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj. Auf beiden Seiten steigen die Verluste und ein Ende des Konflikts ist bislang nicht in Sicht. Zwar wird in verschiedenen Formaten um ein Ende des Ukraine-Kriegs gerungen, doch bislang scheitern Verhandlungen an unüberwindbaren Differenzen.
Russlands Armee setzt weiter auf einen Vorstoß im Ukraine-Krieg – zuletzt gab es Berichte über eine mögliche Offensive. Ob Putins Truppen personell in der Lage sind, eine erneute Angriffswelle zu bewältigen, wird gegenwärtig angezweifelt. Und womöglich könnte die Lage im Ukraine-Krieg in wenigen Monaten noch gravierender sein: Die ukrainische Militärführung hatte vergangenen Monat die Weisung herausgegeben, dass die Drohneneinheiten verstärkt Jagd auf russische Soldaten machen sollen. Das Ziel: 50.000 Abschüsse pro Monat. Bereits jetzt zeichnet sich ein gravierender Trend ab. Laut ukrainischen Angaben übertrafen die russischen Verluste die Rekrutierungszahlen. Dank einer neuen Generation von Drohnenpiloten könnte sich die Lage für Putin weiter verschärfen.
Russlands Verluste im Ukraine-Krieg steigen – Drohnenpiloten machen Jagd auf Soldaten
Die Times sprach mit einem 21-jährigen Drohnenpiloten, der gegenwärtig im Ukraine-Krieg Such- und Zerstörungsmissionen gegen Russland fliegt. Zum Henker sei er geworden, erklärte „Strig“. Inzwischen ist er auf den Kampf gegen feindliche Drohnenpiloten spezialisiert. „Es ist das Einfachste von der Welt. Manche Menschen wollen Mitgefühl für alle empfinden. Ich nicht“, erklärte er laut eines Berichts des Kriegskorrespondenten Anthony Loyd.
„Wenn du Videospiele magst, PlayStation magst und kämpfen willst, dann hast du die Fähigkeiten, ein auf Drohnen spezialisierter Krieger zu werden“, sagte Oberleutnant Yurii Butusov die gegenwärtige Motivation der neuen Generation der Drohnenpiloten auf ukrainischer Seite. „Früher ging es in Konflikten um körperliche Stärke und Ausdauer, heute geht es um dynamische Menschen mit einer motivierten Denkweise. Ein 20-jähriger Pilot mit den richtigen Fähigkeiten kann mehr Menschen töten als ein Scharfschütze mit 20 Jahren Erfahrung“, sagte er laut Times.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Das Ziel ist klar: Russland Spielraum im Ukraine-Krieg soll schwinden – oder zumindest die Kosten durch die Verluste so in die Höhe getrieben werden, dass Putin zum Einlenken gezwungen wird. Die Fähigkeit des Kremls, Einsätze im Ukraine-Konflikt durchzuführen, hängt davon ab, ob die russische Führung monatlich mehr Soldaten ersetzen kann, als auf dem Schlachtfeld sterben oder verletzt werden. Die geforderten Abschüsse von 50.000 russischen Soldaten pro Monat würde die russische Strategie erheblich gefährden. In den vergangenen Monaten wurden laut ukrainischen Angaben bereits über 30.000 Soldaten pro Monat ausgeschaltet.
Drohnen im Ukraine-Krieg: Verluste steigen gravierend
Dass Drohnen zum entscheidenden Element im Ukraine-Krieg werden, ist nicht neu. Bereits im Frühjahr 2025 kamen Analysen zu dem Fazit, dass unbemannte Flugkörper längst die Artillerie bei der Tödlichkeit übertroffen haben. Army Technology gab in einem Beitrag an, dass im April des vergangenen Jahres davon ausgegangen wurde, dass zwischen 70 und 80 Prozent der täglichen Verluste im Ukraine-Krieg durch Drohnen verursacht worden.
Mit Blick auf den vierten Jahrestag des Ukraine-Kriegs beschrieb das Atlantic Council eine militärische Revolution, die gegenwärtig auf ukrainischer Seite stattfinden würde. Angesichts einer vermeintlich prekären Lage im Konflikt würden eine Vielzahl an „Talenten“, die bislang nicht in der Rüstungsindustrie tätig waren, daran arbeiten, neuartige Lösungen für die ukrainische Verteidigung zu finden. Das Ergebnis seien Fortschritte bei kosteneffizienten Systemen im Bereich der Langstreckenwaffen, aber auch bei Drohnen. Eine erhöhte Anzahl von Langstreckenwaffen würde demnach einen strategisch erfolgreichen Feldzug mit einer operativen Tiefe von Hunderten von Kilometern hinter den Frontlinien ermöglichen.
Russland reagiert im Ukraine-Krieg: Putins Armee treibt Drohneneinheiten voran
Doch nicht nur die Ukraine treibt die Entwicklung von unbemannten Flugkörpern voran. Auch Russland reagiert auf die veränderten Bedingungen im Ukraine-Krieg. Das Institute for the Study of War schrieb Anfang Februar, dass die Truppen von Wladimir Putin systematisch ihre „Battlefield Air Interdiction“ (BAI)-Kampagne intensivieren. Ziel ist es, gezielt ukrainische Versorgungslinien durch Luftangriffe zu unterbrechen, bevor Bodenoffensiven beginnen. Diese Taktik wurde erfolgreich in Pokrowsk getestet und wird nun im Kostyantynivka-Druzhkivka-Korridor ausgeweitet.
Parallel dazu setzt Russland im Ukraine-Krieg auf die Expansion der eigenen Drohnentruppen. Im Jahr 2026 sollen die Drohneneinheiten um Dutzende Bataillone erweitert werden. Zum Einsatz kommt neuerdings auch eine zunächst harmlos wirkende Drohne. Die sogenannte Gerbera-Drohne kann mehrere FPV-Drohnen transportieren. Im Zielgebiet lösen sich dann die kleineren Flugobjekte vom Träger ab, um präzise feindliche Einheiten zu bekämpfen.
Folgen von Drohnen im Ukraine-Krieg: Piloten können Traumata davon tragen
Mit Blick auf solche Entwicklungen wird künftig die systematische Bekämpfung von Drohnenpiloten im Ukraine-Krieg deutlich entscheidender werden, um die eigenen Verluste möglichst gering zu halten. Doch zugleich droht der Konflikt durch die Vielzahl neuer Waffen, noch gefühlsloser zu werden. Die Folgen für junge Drohnenpiloten könnten allerdings verheerend sein. Während ein junger Kämpfer gegenüber der Times davon berichtet, er habe nach seinem ersten Abschuss „nichts gefühlt“, zeigt die Forschung, dass Soldaten trotz der absoluten Distanz durch ihre Arbeit sogenannte moralische Verletzungen davon tragen können.
Eine Untersuchung der US-Luftwaffe aus dem Jahr 2021 ergab, dass Drohnenpiloten besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Studien der Luftwaffe berichten unter anderem von erhöhtem Burnout, psychischer Belastung und Schlafproblemen. Für eine Generation junger Drohnenpiloten stellt sich damit unmittelbar die Frage, wie eine durch Gaming sozialisierte Gruppe nach einem Ende des Ukraine-Kriegs wieder zurück zu einer „Normalität“ finden kann. (Quellen: Times, Army Technology, Atlantic Council, Institute for the Study of War) (fbu)
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