Verpflichtende Musterung

Wehrdienst: Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung empfehlen Männern neue Strategie

Auch wer den Kriegsdienst bei der Bundeswehr verweigern will, soll in Zukunft zur Musterung. Beratungsstellen erfahren deshalb offenbar einen Zulauf.

Berlin – Vor einer Woche hat das Kabinett das neue Wehrdienstgesetz gebilligt. Danach wird die Musterung für junge Männer ab 2027 zur Pflicht. Wer verweigern möchte, bekommt nun andere Ratschläge als bisher. Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung empfehlen jungen Menschen jetzt, direkt einen Antrag zu stellen.

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Insbesondere den nach dem 1. Januar 2010 Geborenen empfehlen Beratungsstellen den Antrag auf Kriegsdienstverweigerung, da sie laut dem neuen Wehrdienstgesetz sowieso gemustert werden sollen, sagte Michael Schulze von Glaßer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Glaßer ist der politische Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft (DFGVK).

Wehrdienst bei der Bundeswehr: Neuregelung betrifft Ungediente

„Bis vor Kurzem haben wir Ungedienten – also Zivilisten, die bislang noch nichts mit der Armee zu tun hatten – empfohlen, noch keinen Verweigerungsantrag zu stellen, da sie dann zur Musterung eingeladen worden wären“, so Schulze von Glaßer. So könnten sie „unter dem Radar fliegen“ und würden der Armee nicht auffallen. Dies werde sich aber mit der Neuregelung ändern. 

Sorgen wegen Bundeswehr-Musterung? Zulauf bei Beratungsstellen

Die Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung registrieren nun wieder wachsenden Zulauf. „Allein unsere Website zählte im August 54.946 Aufrufe. Im Mai lag die Zahl noch bei 24.151“, so Glaßer. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) teilte dem RND mit, die Wehrpflicht-Debatte habe die Zahl der Beratungsanfragen bereits 2024 um mehr als 30 Prozent ansteigen lassen. 

Das Gesetz zum neuen Wehrdienst (Symbolbild) hat Auswirkungen auf alle Jugendlichen, die 2026 volljährig werden.

Beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das über die Anträge entscheidet, gingen in diesem Jahr bis Ende Juni bereits 1.363 Anträge zur Anerkennung auf Kriegsdienstverweigerung ein. 2022 lag die Zahl noch bei 951.

Neuer Wehrdienst: Ab 2027 verpflichtende Musterung für Männer

Der Gesetzentwurf für den neuen Wehrdienst sieht vor, dass junge Männer ab Jahrgang 2008 vom 1. Januar 2026 an in einem Fragebogen Auskunft geben müssen, ob sie zu einem Wehrdienst fähig und bereit sind. Junge Frauen können die Fragebögen ausfüllen, sind aber (bislang) nicht dazu verpflichtet.

Zunächst wird nur eine Auswahl des Jahrgangs zu einem „Assessment“ - einer Beurteilung - für die Bundeswehr eingeladen. Ab dem 1. Juli 2027 soll aber auch die Musterung für Männer verpflichtend sein. (frs/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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