Pawel Durow

„Russlands Mark Zuckerberg“ festgesetzt – Lawrow Sprecherin äußert sich zu Telegram-Chef

Der russisch-französische Unternehmer Pawel Durow sitzt aktuell in Frankreich in Haft. Sein Messenger Telegram spielt auch im Ukraine-Krieg eine Rolle.

Paris – Schon länger wird Telegram vorgeworfen, nicht konsequent genug gegen illegale Inhalte vorzugehen. Für Firmengründer Pawel Durow hat das nun Konsequenzen – in Frankreich wird er jetzt festgesetzt. Der 39-Jährige steht in der Kritik, mit Telegram Extremisten und Verschwörungstheoretikern eine Plattform zu bieten.

Fall Pawel Durow: Lawrow-Sprecherin Sacharowa schaltet sich ein

Die russische Botschaft in Frankreich habe sich des Falls bereits angenommen, hieß es in einer Stellungnahme des russischen Außenministeriums mit Sergej Lawrow. Die französischen Behörden seien aufgerufen worden, konsularischen Zugang zu Durow zu erlauben, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Telegram-Chef Pawel Durow bleibt nach seiner Festnahme in Frankreich vorerst in Gewahrsam.

„Das Problem ist nur, dass Durow auch die französische Staatsbürgerschaft hat“, so Sacharowa. „Entsprechend wird ihn Frankreich in erster Linie auch als seinen Staatsbürger betrachten.“

Telegram nennt Vorwürfe gegen Messenger-Gründer Durow „absurd“

Der Sankt-Petersburger bezeichnet sich selbst als libertär und hatte den Messenger-Dienst auch nach Querelen mit den russischen Behörden gegründet. Mehrere französische Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise einstimmig, dass der Polizeigewahrsam nach Durows Festnahme in Le Bourget am Samstagabend (24. August) verlängert worden sei.

Der Chatdienst selbst verteidigt sich gegen die Vorwürfe. In einer Stellungnahme schrieb das Unternehmen, alle geltenden Regeln würden eingehalten. Durow habe „nichts zu verbergen“ und reise häufig in Europa. Außerdem sei es „absurd“, eine Plattform oder ihren Besitzer für den Missbrauch des Dienstes durch Dritte verantwortlich zu machen.

Telegram-Dienst von Pawel Durow wird auch im Ukraine-Krieg genutzt

Die französische Justiz könnte das anders sehen. Berichten zufolge laufen bereits seit Längerem Vorermittlungen gegen Durow. Der Verdacht soll dabei lauten, dass er sich durch fehlendes Eingreifen bei Telegram und unzureichende Kooperation mit Behörden des Drogenhandels, Betrugs und mehrerer Vergehen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch mitschuldig gemacht habe. Der Franko-Russe sei deshalb von den Behörden gesucht worden.

Telegram ist in Russland eines der wichtigsten Online-Netzwerke, das auch von vielen Behörden und Politikern zur Kommunikation genutzt wird. Im Ukraine-Krieg wird der Dienst von beiden Seiten für Mitteilungen genutzt, unter anderem zur Lage an der Front in der Ukraine.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Der „russische Mark Zuckerberg“ Durow machte Facebook Konkurrenz

In seinem Heimatland Russland macht sich Durow 2006 mit der Gründung des Online-Netzwerk VKontakte (VK) einen Namen. Die Plattform stellt in der ehemaligen Sowjetunion sogar Facebook in den Schatten. Durow erhielt deshalb auch den Spitznamen „russischer Mark Zuckerberg“.

Doch mit dem Kreml liegt Durow über Kreuz, weil er sich weigert, persönliche Nutzerdaten mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB zu teilen. Er verkaufte VK schließlich an Unternehmer, die dem Kreml und Wladimir Putin nahestehen, und verließ Russland kurze Zeit nach der Annexion der Krim 2014. (frs mit Nachrichtenagenturen)

Rubriklistenbild: © STEVE JENNINGS /AFP

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