Vorwürfe gegen Russland und China

Trump löst mit Atomtest-Ankündigung Fragen aus – Experte sieht „Signal an Putin“

Trump und Regierungsmitglied im Dissens über Atomwaffentests. Ein Politikwissenschaftler liefert zu den Hintergründen eine klare Einschätzung.

Schon vergangene Woche hatte Donald Trump „Atomwaffentests“ angekündigt – und damit Stirnrunzeln und Besorgnis ausgelöst. Am Sonntag legte der US-Präsident nach, löste damit aber eher weitere Fragen aus. Ein Experte hat indes im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media eine klare These zu den Gründen für Trumps Auftreten geäußert.

Donald Trump am Sonntag bei seiner Rückkehr aus Florida nach Washington.

In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender CBS behauptete Trump, Russland und China führten heimlich Atomwaffentests durch. „Russland nimmt Tests vor, China nimmt Tests vor, aber sie sprechen nicht darüber“, sagte er. Die beiden Staaten testeten „weit unter der Erde, wo die Menschen nicht genau wissen, was bei den Tests vor sich geht“. Auch Nordkorea und Pakistan führten Atomwaffentests durch, so Trump.

Trumps Atombehauptungen: „Sieht das Säbelrasseln von Putin als kontraproduktiv“

Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump laut Washington Post Russland und China geheime unterirdische Tests vorgeworfen, was beide Länder allerdings dementierten. Verifizieren lässt sich der Vorwurf nicht. Atomwaffentests – im Sinne der Detonation von Atomsprengköpfen – aus den vergangenen knapp zehn Jahren sind jedenfalls nicht bekannt. Als letztes Beispiel gilt ein Test Nordkoreas im September 2017.

Experten rätseln, ob Trump womöglich Tests zum Abschuss von Waffensystemen meint, die mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden können. Dergleichen hatte zuletzt Wladimir Putins Russland gemeldet. So oder so: Der Politikwissenschaftler Siebo Janssen sieht in Trumps Äußerungen vor allem „ein Signal an Putin“, wie er unserer Redaktion vergangene Woche sagte.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Trump wolle vor allem einen schnellen Frieden im Ukraine-Krieg – „und er sieht natürlich das Säbelrasseln von Putin an kontraproduktiv an“, erklärte Janssen: „Ich gehen davon aus, dass er Putin klarmachen will: ‚Pass mal auf, überspanne den Bogen nicht, wir können auch drohen – geh lieber an den Verhandlungstisch zurück‘.“

Am Rande könne auch US-Innenpolitik eine Rolle spielen. Trumps Beliebtheitswerte seien „nicht besonders gut“. „Es kann natürlich sein, dass er versucht, ein bisschen mit der Außenpolitik zu punkten – gerade bei Hardlinern in der republikanischen Partei, die ihm sowieso vorwerfen, er trete Putin gegenüber zu lasch gegenüber auf“, sagte Janssen.

Atomwaffentests in den USA? Trump und Minister widersprechen sich (anscheinend) öffentlich

Gleichwohl scheint Trump mit den Ankündigungen und Behauptungen auch die eigene Regierung ins Chaos zu stürzen. Energieminister Chris Wright hatte am Sonntag eigentlich erklärt, geplant seien nur „Systemtests“. „Es handelt sich nicht um nukleare Explosionen“, betonte Wright in Trumps Haussender Fox News.

Trump widersprach offenbar. Auf die konkrete Frage, ob eine Atomwaffe in den USA zur Explosion gebracht werden wolle, sagte der US-Präsident, er sage, „dass wir Atomwaffen testen werden, so wie es andere Länder auch tun, ja“. Auch damit schien Trump Interpretationsspielraum zu lassen. Trumps erste Testankündigung hatte ein Experte auf Anfrage unserer Redaktion als „kompletten Quatsch“ bezeichnet – aber auch Sorge geäußert. (Quellen: Siebo Janssen, Washington Post, AFP, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Celal Gunes

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