Israel unzufrieden über Abkommen

Tiefer Riss zwischen Trump und Netanjahu: Iran-Deal macht Israel vom Gewinner zum Verlierer

Trump mahnt Israel zur Zurückhaltung im Libanon. Die israelische Regierung ist offenbar unzufrieden mit dem Iran-Deal. Ein Riss bildet sich.

Israel muss beim Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon nach Worten von US-Präsident Donald Trump verantwortungsvoller handeln. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu „muss mehr Verantwortung zeigen mit Blick auf den Libanon“, sagte Trump heute bei einem Treffen mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian. „Ich bin nicht glücklich damit, wie Israel sich mit dem Libanon und der Hisbollah verhalten hat“, sagte Trump.

Trump (r.) will Deeskalation, Netanjahu (l.) schlägt zurück: Wie der Iran den Keil zwischen Washington und Jerusalem geschickt nutzt. (Fotomontage)

Trump und Netanjahu uneins zu Libanon: Israel empört über Iran-Deal

Israel kämpfe schon „zu lang“ gegen die Hisbollah und „zu viele Menschen werden getötet“, sagte Trump zu dem Krieg, bei dem im Libanon etwa 3800 Menschen getötet und etwa 11.700 weitere verletzt wurden. „Man muss nicht jedes Mal ein Wohnhaus zum Einsturz bringen, wenn man nach jemandem sucht. Denn in diesen Wohnhäusern sind viele Menschen, und die sind nicht alle Hisbollah“, sagte Trump mit Blick auf Israels Angriffe.

Die Lage rund um den Libanon sorgt für Spannungen zwischen den USA und Israel mit Blick auf den Iran-Deal. Denn Israel forderte eine Trennung der iranischen und libanesischen Fronten voneinander. Genau das liefert das Abkommen zwischen den USA und dem Iran aber nicht. Israelische Beamte sagten zuletzt gegenüber dem Sender I24 News, die USA hätten sich den iranischen Forderungen „gebeugt“. Weiter hieß es: „Dieses Thema führt zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Staats- und Regierungschefs und ist eine Quelle starker Spannungen.“

In israelischen Quellen lautet die Kritik, dass man dem Iran nicht den finalen Schlag verpasst und so den Krieg beendet habe, bevor man das Mullah-Regime habe besiegen können. Allem Anschein nach ist Israel nicht überzeugt vom Deal und will sich selber ein Bild der Lage machen, ohne auf US-Informationen angewiesen zu sein. Die Trump-Regierung stemmt sich aber dagegen. Der Sender Keshet 12 berichtete, die USA hätten sich geweigert, Israel die volle Fassung des Iran-Abkommens zu überreichen. Heißt: Israel habe nicht alle Informationen zum Deal.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Iran-Krieg - Iran
Angriff auf den Iran - Iran
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Hisbollah als „Nervensäge“: Trump äußert sich zu Iran-Deal

Der Krieg im Libanon gilt jedenfalls als eine der größten Hürden für das Rahmenabkommen im Iran-Krieg. Der Iran – der wichtigste Unterstützer der Hisbollah – hat erklärt, dass neue israelische Angriffe auf den Libanon und weitere Besetzungen der Gebiete als Verstoß gegen die Vereinbarung betrachtet würden. Israel will seine Bodentruppen aber vorerst nicht aus den besetzten Gebieten in dem Nachbarland zurückziehen, mit dem erklärten Ziel, die eigene Bevölkerung in Nordisrael vor weiteren Angriffen der Miliz zu schützen.

Zugleich bezeichnete Trump den Konflikt im Libanon als einen „kleinen Krieg“ im Vergleich zum „großen“ Krieg mit dem Iran. „Aber wir haben diese kleine Nervensäge da draußen, die ständig ihre Fratze zeigt, und es ist die Hisbollah“, sagte Trump. Das Verhältnis mit Netanjahu bezeichnete Trump als „unglaublich“ und „sehr effektiv“. Israel wäre ohne ihn schon vor langer Zeit „in die Luft gejagt“ worden, sagte Trump mit Blick auf den langen Konflikt Israels mit dem Erzfeind Iran. „Ohne die Vereinigten Staaten gäbe es kein Israel. Ohne mich gäbe es kein Israel“, sagte Trump.

Trump brachte erneut eine mögliche Beteiligung Syriens am Krieg im Nachbarland Libanon ins Spiel – eine Idee, von der Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa sich bereits distanziert hat. „Wenn Israel die Sache nicht erledigen kann, ohne alle anderen zu töten“, werde al-Scharaa es tun, sagte Trump. Der US-Präsident lobte auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Man habe al-Scharaa in Syrien gemeinsam mit dem türkischen Amtskollegen an die Macht gebracht. (Quellen: dpa, Keshet 12, I24 News, eigene Recherche) (bb)

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