„Perfekter Anlass“

Desinformation über die Ukraine: Russland nutzt Epstein-Akten für Kreml-Propaganda

Die Veröffentlichung der Epstein-Akten schlägt international massive Wellen. In Russland kursieren tausende Beiträge, die den Fall instrumentalisieren.

Pro-russische Akteure nutzen die kürzlich veröffentlichten Akten des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein offenbar massenhaft zur Verbreitung von Falschinformationen über den Ukraine-Krieg. Laut einer am Donnerstag publizierten Studie des Londoner Instituts für Strategischen Dialog (ISD) werden die Dokumente in millionenfach aufgerufenen Beiträgen auf Facebook, X und TikTok als angebliche Beweise für russische Propaganda instrumentalisiert. Die Beiträge behaupten fälschlicherweise, Russland habe ukrainische Kinder durch „Evakuierungen“ vor einem Sexhandel-Netzwerk bewahrt.

Die Epstein-Akten bringen prominente Namen in Bedrängnis. (Archivfoto)

Ein typischer X-Post mit über drei Millionen Aufrufen verbreitet die Falschbehauptung, die Epstein-Akten würden belegen, dass „Putin keine Kinder aus der Ukraine entführt, sondern sie evakuiert hat, um sie vor dem Verkauf in den Kinderhandel zu schützen“. Das ISD dokumentierte, dass innerhalb von nur zwei Tagen mehr als 15.000 Beiträge mit ähnlichen Falschaussagen auf X erschienen. Es werde das Narrativ verbreitet, die Ukraine sei ein globaler Knotenpunkt für Kinderhandel.

„Veröffentlichung der Epstein-Files perfekter Anlass“: Expertin ordnet Russlands Kampagne gegen Ukraine ein

Julia Smirnova, Senior Researcherin beim Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), sagte gegenüber der Tagesschau: „Für russische Desinformation und Propaganda war die Veröffentlichung der Epstein-Files der perfekte Anlass, um alte Falschbehauptungen wieder neu zu verbreiten.“ Der Fall Epstein sei aus gleich zwei Gründen gut für eine solche Kampagne geeignet: Einerseits handelt es sich um ein emotional stark geladenes Thema, andererseits gibt es inzwischen eine unüberschaubare Anzahl an Vorwürfen. „Genau weil die Flut an den Meldungen über die Epstein-Files so groß ist, ist das Kalkül dahinter, dass die Menschen das gar nicht alles überprüfen.“

ISD-Forscherin Liana Sendetska betont, es gebe zwar keine Beweise für eine direkte Beteiligung Moskaus an der Verbreitung dieser Falschbehauptungen, doch die Veröffentlichung der Epstein-Akten „spielt ihm (dem Kreml) in die Hände“. In Beispielen, die vom ISD veröffentlicht wurden, wird Putin immer wieder als heldenhaft dargestellt. „Putin hat Kinder aus den Tunneln gerettet und Selenskyj will sie zurück“, heißt es in einem X-Beitrag, dessen Verfasser unkenntlich gemacht wurde.

Epstein-Fotos veröffentlicht: Erschreckende Bilder von Trump, Gates und Co.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton taucht öfter in den Epstein-Akten auf – hier mit einer Frau auf dem Schoß.
Ein Foto aus den neuesten Veröffentlichungen der Epstein-Files zeigt Clinton schwimmend in einem Pool mit der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell und einer weiteren Frau, deren Gesicht geschwärzt ist.
Auch das britische Königshaus ist in den neu veröffentlichten Fotos vertreten – in Form von Prinz Andrew, der es sich auf einer Reihe von Frauen bequem gemacht hat und der in Folge seiner Verbindungen zu Epstein von seinen royalen Verpflichtungen zurücktreten musste.
Auch Zauberer David Copperfield ist in den neu veröffentlichten Epstein-Fotos in vertrauter Pose mit Ghislaine Maxwell im Bademantel zu sehen.
Epstein-Fotos veröffentlicht: Erschreckende Bilder von Trump, Gates und Co.

Die ukrainischen Behörden werfen Russland vor, seit Kriegsbeginn 2022 mehr als 20.000 ukrainische Kinder nach Russland verschleppt zu haben. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte wegen der Verschleppung der Kinder Haftbefehle gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen.

Die Ende Januar veröffentlichten drei Millionen Dokumente aus den Epstein-Akten werden nun gezielt für die Desinformationskampagne missbraucht. Der bis in höchste Kreise vernetzte Epstein wurde 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt. Nach seiner erneuten Festnahme 2019 wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen beging er nach offiziellen Angaben in seiner New Yorker Gefängniszelle Suizid. Die Erwähnung einer Person in den Epstein-Akten bedeutet nicht automatisch eine Verwicklung in seine kriminellen Aktivitäten. (Quellen: AFP, Institut für Strategischen Dialog, Tagesschau) (no)

Rubriklistenbild: © Jon Elswick/AP/dpa

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