5000 Soldaten sollen gehen

Kritik an Abzug von US-Truppen aus Deutschland – „NATO ist kein Basar“

US-Verteidigungsminister Hegseth lässt Soldaten aus Deutschland abziehen. Der Schritt soll binnen sechs bis zwölf Monaten erfolgen.

Update, 13.00 Uhr: Die USA haben angekündigt, 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Viele Fragen zu der Entscheidung sind aber offen – offenbar auch für die NATO. „Wir arbeiten mit den USA zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland zu ergründen“, teilte NATO-Sprecherin Allison Hart auf der Plattform X mit.

Das Verhältnis zwischen Merz und Trump verschlechtert sich. (Archivbild)

Die Anpassung unterstreiche aber die Notwendigkeit, dass Europa sich stärker im Verteidigungsbündnis engagiere, verstärkt in die Verteidigung investiere und einen größeren Teil der Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit übernehme. Da gebe es bereits Fortschritte. „Wir bleiben zuversichtlich, dass wir unsere Abschreckung und Verteidigung gewährleisten können, während dieser Wandel hin zu einem stärkeren Europa in einer stärkeren NATO weitergeht“, schrieb Hart weiter.

CDU-Politiker sieht angekündigten Abzug von US-Soldaten aus Deutschland als „Weckruf“

Update, 11:30 Uhr: Zu dem angekündigten US-Truppenabzug aus Deutschland liegen mittlerweile auch erste Reaktionen vor. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, sagte der Rheinischen Post, ein möglicher Abzug von US-Truppen in der angekündigten Größenordnung sei „kein Grund zur Panik, aber ein weiterer Weckruf“. Der CDU-Politiker betonte: „Sicherheitspartnerschaft ist kein Deal und die NATO kein Basar. Deshalb sind die dauernden Provokationen des amerikanischen Präsidenten inakzeptabel.“

CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt sieht die Ankündigung von den schlechten Umfragen für Donald Trump getrieben. Der US-Präsident sehe, dass ihm vor den Midterms im November die Felle wegschwämmen, sagte Hardt im Deutschlandfunk. Beunruhigend sei die Ankündigung vor allem, weil die Glaubwürdigkeit des Abschreckungsnarrativs, dass Europa verteidigt werde, sollte es angegriffen werden, „ein Stück weit unterminiert wird“. 

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US-Verteidigungsminister ordnet Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland an

Erstmeldung: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von rund 5000 US-Soldaten aus Deutschland angeordnet. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst bereits angekündigt, einen entsprechenden Schritt zu prüfen. Zuvor hatte er deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz geübt, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte.

Der Abzug soll innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein, wie Pentagon-Sprecher Sean Parnell am Freitag mitteilte. Die Entscheidung folge „einer gründlichen Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa“ und trage „den Anforderungen der Einsatzgebiete sowie den Bedingungen vor Ort Rechnung“.

Wie viele US-Soldaten sind in Deutschland stationiert?

Die Angaben zur aktuellen Truppenstärke variieren je nach Quelle leicht: Die Nachrichtenagentur AFP beziffert die derzeit in Deutschland stationierten US-Soldaten auf rund 35.000 – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die Deutsche Presse-Agentur gibt hingegen eine aktuellere Zahl an: Laut US-Militär von Mitte April seien es rund 39.000 Soldaten in Deutschland, bei insgesamt rund 86.000 US-Soldaten in ganz Europa. Die Differenz erkläre sich durch regelmäßige Rotationen und Übungen, so die dpa.

Zu den bedeutendsten Standorten zählen der Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz sowie das US-Regionalkommando für Europa und Afrika (EUCOM) in Stuttgart. Der Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr gilt als einer der größten in Europa. Im rheinland-pfälzischen Büchel lagern US-Atomwaffen, und in Landstuhl befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Insgesamt unterhalten die USA rund 20 Einrichtungen in Deutschland, vorwiegend im Süden und Südwesten des Landes.

Auslöser: Streit um den Iran-Krieg

Vorausgegangen war eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Trump und dem Kanzler. Merz hatte bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland die US-Strategie im Iran-Krieg offen kritisiert: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“ Die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben.“

Trump reagierte scharf: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb er auf Truth Social und warf Merz vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge. Trump hatte daraufhin zunächst mit einer Verlegung von US-Truppen gedroht und am Mittwoch erklärt: „Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland.“ Merz versuchte, die Wogen zu glätten: „Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut.“

Ramstein ist wichtiger Stützpunkt fürs US-Militär. (Archivbild)

Kein Novum: Trump drohte schon in erster Amtszeit

Derartige Drohungen von Trump sind bereits aus seiner ersten Amtszeit bekannt. Damals kündigte er an, 12.000 der rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen – als Reaktion auf aus seiner Sicht unzureichende deutsche Verteidigungsausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte diese Pläne nach seinem Amtsantritt.

In seiner zweiten Amtszeit hatte Trump Deutschland zunächst beruhigt: Bei einem Besuch von Merz in Washington im vergangenen Sommer sagte er, wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. Noch im März hatte er Merz nach dessen eigenen Angaben zugesagt, die USA würden an ihrer Truppenpräsenz festhalten.

Zudem hat der US-Kongress Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos stationierten Streitkräfte darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Danach müssten bestimmte Berichtspflichten eingehalten werden, um eine weitere Reduzierung anzustrengen. (Quellen: dpa, AFP) (cs)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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