„Schicksalsfrage schlechthin“

Siko-Chef Ischinger warnt vor russischer Bedrohung: Waffenstillstand könnte NATO-Ostflanke gefährden

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz warnt eindringlich vor den Gefahren eines Waffenstillstands in der Ukraine ohne starke Sicherheitsgarantien.

Der erfahrene Diplomat Wolfgang Ischinger, der seit Februar 2025 erneut die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) leitet, hat vor der kommenden Sicherheitskonferenz vom 13. bis 15. Februar 2026 eine bemerkenswerte Warnung ausgesprochen.

Siko-Chef Ischinger warnt vor der russischen Bedrohung durch einen Waffenstillstand mit der Ukraine.

In einem Interview mit dem Tagesspiegel betonte er, dass ein Waffenstillstand in der Ukraine ohne entsprechende Sicherheitsgarantien die Gefahr eines russischen Angriffs auf östliche NATO-Länder sogar erhöhen könnte.

Ukraine als europäischer Schutzschild

„Solange die Ukraine Europa verteidigt, ist die Gefahr nicht so groß“, erklärte Ischinger. Die Ukraine fungiere derzeit als eine Art Pufferstaat, der russische Truppen bindet und damit die Bedrohung für die NATO-Ostflanke reduziert. Sobald jedoch ein Waffenstillstand eintrete, ändere sich diese Lage fundamental.

„Dann kann Putin seine Aufrüstung in aller Ruhe fortsetzen und die Bedrohungslage verschärft sich für die NATO-Länder an der Ostflanke“, warnte der 79-jährige Sicherheitsexperte. Diese Einschätzung unterstreicht die strategische Bedeutung des Ukraine-Konflikts für die gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Kein Ende des Ukraine-Kriegs: Wenig Hoffnung auf baldigen Frieden

Ischinger bezeichnete den Ausgang des Ukraine-Kriegs als „Schicksalsfrage schlechthin“ für Deutschland und Europa. Besonders mit Blick auf die baltischen Staaten und die dort stationierten Bundeswehrsoldaten sieht er erhebliche Risiken. „Die russische Bedrohung wird auch für uns Deutsche größer, wenn ein künftiger Waffenstillstand nicht von einer massiven Begrenzung des militärischen Aufmarschs in den westlichen Militärbezirken Russlands begleitet wird“, so Ischinger gegenüber dem Tagesspiegel .

Trotz diplomatischer Fortschritte, insbesondere des von Bundeskanzler Friedrich Merz initiierten Berliner Treffens mit Vertretern der Ukraine, der USA und Europas, zeigt sich Ischinger skeptisch bezüglich eines baldigen Waffenstillstands. „Es wäre ein Wunder, wenn dieses Berliner Ergebnis auf gerader Strecke zum Frieden oder zum Waffenstillstand mit Russland führen würde“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Dezember.

Ringen um Ukraine-Frieden: Ungewissheit durch Trump – Europa muss Verantwortung übernehmen

Angesichts der ungewissen Haltung der US-Administration unter Donald Trump sieht Ischinger Europa in einer besonderen Verantwortung. „Europa trägt eine noch größere Verantwortung, die Ukraine weiter zu unterstützen“, erklärte er im Tagesspiegel. Er habe „kaum Hoffnung, dass die US-Regierung in absehbarer Zeit zur aktiven militärischen Hilfe zurückkehre“.

Um Russland effektiv abzuschrecken, müsse Europa seine Verteidigung „deutlich schneller stärken“ und könne sich „nicht so tun, als wären wir hilflos“, betonte der Sicherheitsexperte .

Ischinger zurück an der Spitze

Wolfgang Ischinger, der bereits von 2008 bis 2022 die Münchner Sicherheitskonferenz leitete, übernahm das Amt erneut, nachdem der designierte Nachfolger Jens Stoltenberg als norwegischer Finanzminister zunächst nicht zur Verfügung stand. Die kommende Konferenz, die Ischinger als „Sicherheitskonferenz der Superlative“ bezeichnete, wird voraussichtlich wieder den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als Gast haben. (Quellen: Tagesspiegel, RND, dpa) (sot)

Rubriklistenbild: © Oleg Petrasiuk/dpa, Elisa Schu/dpa; Montage: Redaktion

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