Naher Osten
Mitten in Hormus-Krise: Huthi-Rebellen drohen mit Blockade im Roten Meer
Die Huthi-Rebellen erwägen, dem Iran zur Hilfe zu kommen. Mit einer erneuten Blockade könnten sie eine wichtige Handelsroute im Roten Meer stören.
Rund 1.900 Kilometer von der Straße von Hormus quer über die Arabische Halbinsel entfernt liegt ein weiterer der verwundbarsten Engpässe der Weltschifffahrt. Genau wie der nun lahmgelegte Eingang zum Golf kanalisiert die Meerenge von Bab al-Mandab eine dicht befahrene maritime Handelsroute durch eine enge Passage. Diese Meerenge, die den Suezkanal und das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet, ist mit nur etwa 32 Kilometer Breite noch schmaler, aber ein entscheidendes Tor zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien.
Auf einer Seite der Meerenge liegen die von Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen, die von 2023 bis 2025 während der Offensive Israels im Gazastreifen Drohnen und Raketen auf vorbeifahrende Frachtschiffe abgefeuert haben. Die Gruppe ist ein wichtiger Verbündeter des Regimes und könnte jederzeit eingesetzt werden, falls ein angeschlagenes Teheran beschließt, seine Lage im Krieg gegen die USA und Israel zu verbessern, indem es der Weltwirtschaft zusätzlichen Schmerz zufügt.
Die früheren Angriffe der Huthis stürzten den Handel im Roten Meer und die Lieferketten ins Chaos und veranlassten viele Schiffe, die weitaus längere und teurere Route um Afrika zu nehmen.
Unterstützen die Huthis den Iran mit einer Blockade im Roten Meer?
Die Wiederaufnahme einer solchen Raketen- und Drohnenblockade, um das Rote Meer in Geiselhaft zu nehmen, wäre einer der ersten Schritte, die die Gruppe unternehmen würde, falls sie in den Konflikt einträte, sagte einer ihrer Verteidigungsvertreter am Samstag. Abed al-Thawr sagte gegenüber Irans staatlichem Sender Press TV: „Sobald die Entscheidung zur Intervention getroffen ist, könnte die erste Maßnahme die offizielle Erklärung einer Seeblockade gegen die Vereinigten Staaten und das zionistische Regime sein. Handelsschiffe und Kriegsschiffe, einschließlich Flugzeugträgern, die in Richtung US-Gebiet und die besetzten Territorien unterwegs sind, könnten daher gestoppt werden.“
Bevor die Blockade der Huthis im Jahr 2023 begann, passierten durch die Meerenge rund 10 Prozent des weltweiten Öls und mehr als 20 Prozent der weltweiten Containerschiffe. Diese Werte gingen während der Störung drastisch zurück und haben sich nicht erholt. Doch da die Märkte bereits fast drei Wochen nach Beginn der Offensive von Donald Trump und Benjamin Netanjahu nervös sind und der Ölpreis bei über 100 US-Dollar pro Barrel liegt, könnte eine weitere Blockade für noch größere wirtschaftliche Verwerfungen sorgen.
Der Einfluss von Iran und Huthis auf internationale Schifffahrtsrouten
Im Roten Meer befindet sich auch der saudische Ölterminal Yanbu, den das Golfkönigreich nutzt, um die Straße von Hormus zu umgehen und die Auswirkungen der iranischen Blockade zu mindern. Die Saudis haben die Ölmenge durch die Ost-West-Pipeline nach Yanbu von durchschnittlich 1,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2025 auf Rekordexporte von 5,9 Millionen Barrel pro Tag im März erhöht. Die Zahl soll bald auf sieben Millionen steigen. Diese Verlagerung zum Roten Meer wäre sofort bedroht, sollten die Huthis wieder beginnen, Schiffe anzugreifen.
Simon Miller von Lloyd’s List sagte: „Wenn die Huthis in den Konflikt eingreifen, müssten [Supertanker], die in Yanbu beladen werden, nach Norden in Richtung Suezkanal fahren. Sie müssten teilweise am ägyptischen Sumed-Pipeline-System entladen werden, um durch die Wasserstraße zu gelangen. Sie müssten die Kanalgebühr zahlen, im Mittelmeer wieder voll beladen und dann den ganzen Weg um das Kap der Guten Hoffnung fahren, um nach Indien und weiter östlich zu liefern. Aus Sicht der Schifffahrtsrouten halten die Iraner und die Huthis die Karten in der Hand.“
Irans Krieg gegen Israel und die USA: Warum die Huthis bisher zögern
Angesichts des potenziell so bedeutenden wirtschaftlichen Druckmittels der Huthis rätseln Analysten, warum sie bislang am Rand stehen und sich nicht am Kampf beteiligen. Einige der engsten Verbündeten Teherans sind fast unmittelbar in den Konflikt eingestiegen, wobei die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel innerhalb von zwei Tagen nach dem Angriff auf Iran wieder aufnahm. Milizen, die mit dem Islamischen Widerstand im Irak verbunden sind, haben Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte in Erbil für sich reklamiert. Doch die Huthis haben bislang nichts unternommen, obwohl ihr Anführer Abdul Malik Al-Houthi sagte: „Unsere Finger liegen am Abzug, bereit, jederzeit zu reagieren, falls es die Entwicklungen erfordern.“
Experten sagen, die Milizen seien stark auf ihre inneren Angelegenheiten im Jemen fokussiert, was sie trotz der Unterstützung durch Iran davor zurückschrecken lassen könnte, sich übereilt in den größeren Konflikt zu stürzen. „Die scheinbare Zurückhaltung der Huthis war für jene eine Überraschung, die sie lediglich als iranische Stellvertreter oder schießwütige Miliz sehen“, schrieb Allison Minor vom Atlantic Council Anfang dieses Monats. Während die Huthis eine wichtige Säule des iranischen Einflusses im gesamten Nahen Osten waren, folgen sie einer anderen Lehre des schiitischen Islams und sind unabhängig vom iranischen Obersten Führer, anders als die Hisbollah und mehrere von Iran unterstützte irakische Milizen.
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Die Situation der Huthis: Eigeninteressen, Waffenknappheit und US-Warnungen
Die Huthis „sind eine lokale Gruppe, die Iran nutzt und unterstützt, aber nicht geschaffen hat“, sagte Farea al-Muslimi, Research Fellow des Thinktanks Chatham House, am 15. März. Zudem könnten ihnen nach ihrem früheren Blitzangriff auf die Schifffahrt im Roten Meer die Waffen ausgehen. Dieser löste umfangreiche amerikanische Luftangriffe aus und mündete in einen Waffenstillstand von 2025. Während dieser Waffenstillstand gehalten hat, sollen die USA die Huthi-Führung angeblich davor gewarnt haben, sich in den aktuellen Konflikt einzumischen.
Huthi-Vertreter sagten der Nachrichtenagentur Associated Press, Washington habe über omanische Vermittler Warnungen vor einer Beteiligung übermittelt. Sie sagten, Huthi-Führer aus Politik und Sicherheitsapparat seien zudem darüber informiert worden, dass ihre Mobiltelefone von den USA und Israel überwacht würden. Aus Furcht vor möglichen israelischen Attentaten seien Huthi-Führer angewiesen worden, nicht in der Öffentlichkeit zu erscheinen, sagten die Vertreter. Doch je stärker der Konflikt eskaliert, desto drängender stellt sich die Frage, ob Teheran beschließt, die Gruppe am Roten Meer einzusetzen.
Sollte es dazu kommen, könnten die gravierenden wirtschaftlichen Folgen sowohl europäische Regierungen als auch Golfstaaten von ihren ohnehin schon wackeligen Positionen an den Rand des Zerbrechens treiben. (Dieser Artikel von Ben Farmer entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)
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