Panzer in Bildern
Das Rasseln des Krieges: Aus Wotan wird Dachs – Panzer und ihre Bedeutungsvielfalt

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Zum Sattsehen – der Mythos „Tiger“ lebt: Zwei Mal im Jahr wird im britischen Bovington dem letzten fahrbereiten Tiger-I-Panzer „gehuldigt“. Das dortige Panzer-Museum stellt das letzte Gefecht des „131“ am 24. April 1943 in Tunesien nach. Der Tiger galt als die große Hoffnung der deutschen Wehrmacht. Sie versprach sich von dem schweren Panzer die Fähigkeit zum Durchbruch durch feindliche Linien – und weniger das Zeug zum Duell mit russischen schweren Panzern. Daran gemessen blieb der Tiger aber eine Enttäuschung: Seine Stückzahl war mit rund 1400 Exemplaren einfach zu gering, er war technisch anfällig und geriet leicht in Brand. Dennoch wird kein Panzer stärker mit dem Zweiten Weltkrieg identifiziert als der Tiger. Er gilt nach wie vor als der Panzer schlechthin.
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„Wotan“ – der von Anbeginn an Unterlegene: „A7V“ lautet die technische Bezeichnung des ersten Panzers der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Von diesem Modell seien 20 Exemplare gebaut, von einem anderen fünf, erläutert Ralf Raths. „Dem gegenüber standen 6838 alliierte Panzer. Das bedeutet ein Verhältnis von 273:1“, so der Wissenschaftliche Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster – dort steht ein Modell, das „Wotan“ getauft worden ist. Die Oberste Heeresleitung und der Kaiser waren keine Freunde von Panzern. Deutschland wollte den Krieg auf See gewinnen, und die britischen Panzer hatten sich als weniger schrecklich, dafür aber sehr anfällig erwiesen. „Wotan“ soll die Hölle auf Erden gewesen sein – für die Besatzung. Die bestand aus bis zu 23 Soldaten in einem engen Stahlcontainer, darunter auch Brieftaubenwarte als Vorläufer des Funkers. Raths: „Das Fahrzeug war unglaublich voll, es war unglaublich eng. Gleichzeitig waren die Lebensbedingungen hier drinnen fürchterlich.“ Allein der Motor sei groß gewesen wie ein Schrank, und das ganze Fahrzeug war voller Abgase.
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Die Hölle auf Ketten: Der Erste Weltkrieg endete mit der Einführung von Tanks. „Die Idee der Briten war, ihre Panzer möglichst überraschend und in großer Zahl aufs Schlachtfeld zu bringen, um eben den größtmöglichen Effekt zu haben“, sagt Ralf Raths. Zu Zeiten ihrer Entwicklung während des Krieges wollten die Briten Spionen keine Hinweise geben, woran sie arbeiteten und suchten eine Bezeichnung der neuen Waffe, die möglichst viel verschleierte, so der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. „Landschiff“ beziehungsweise „Landkreuzer“ seien literarisch bereits bekannt gewesen. „Machine Gun Destroyer“ wäre zu verräterisch gewesen. Letztlich einigten sich die Konstrukteure auf die Bezeichnung für einen schweren Wasserbehälter: „Water tank“ – was dann zu „Tank“ verkürzt wurde. Hier ein britischer Beutepanzer, der bereits mit deutschen Insignien versehen wurde.
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Der Anfang vom Ende – die Schlacht von Kursk: „Kursk galt in der sowjetischen Geschichtsschreibung neben Moskau und Stalingrad als eine der drei Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkriegs“, schreibt der Historiker Roman Töppel. Unbestreitbar trafen niemals wieder so viele Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und/oder Geschütze aufeinander wie in den Kämpfen zwischen der Wehrmacht und der Sowjetarmee – wobei die Zahlen stark variieren. 3147 Panzerfahrzeuge sollen den deutschen Angriffsverbänden am Kursker Frontbogen am 30. Juni 1943 mindestens zur Verfügung gestanden haben. Demgegenüber werden den Sowjets rund 5000 Panzer und Selbstfahrlafetten zu Beginn der Kämpfe zugeschrieben. Laut Töppel soll das Verhältnis aber in der Praxis weniger ungünstig gewesen sein als auf den ersten Blick: Die Verluste der Sowjetarmee zu Beginn der Schlachten gelten als katastrophal. Das Foto zeigt eine Szene aus der Schlacht um Prokhorowka vom 10. Juli 1943. Mit dem „Unternehmen Zitadelle“ wollte Hitler die Wehrmacht im Osten wieder handlungsfähig machen – und das mit aller Panzer-Gewalt.
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Der Panzer als „Steckenpferd“ – Dr. Roman Töppel ist einer der profiliertesten deutschen Historiker in Panzerfragen. Über die Panzerschlacht bei Kursk weiß er Bescheid wie wahrscheinlich kein Zweiter. Und er entzaubert auch den Mythos von Heinz Guderian „als dem geistigen Schöpfer der deutschen Panzerwaffe, der sie aus dem Nichts geschaffen habe“, wie er Zeitgenossen Guderians zitiert. Aufgrund historischer Quellen und im Rückgriff auf seinen Historiker-Kollegen Markus Pöhlmann gilt ihm Guderian eher als „gut vernetzter Medienmanager“, der erst spät in den 1930er Jahren koordinierend in die Entwicklung der Panzerwaffe der Wehrmacht eingriff und Überlegungen seiner Vorgänger realisieren half. Töppel bezeichnet den General der Wehrmacht entgegen der allgemeinen Einschätzung als „höchstens den späteren Ziehvater des Kindes Panzerwaffe, und dieses Kind hatte er weder gezeugt, noch aus der Taufe gehoben.“ Töppel ist hier zu sehen an Bord eines Panzerkampfwagens III.
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Der Mann der schnellen Panzer – Generalfeldmarschall Erwin Rommel (Mitte): Bereits 1937 hatte Adolf Hitler darauf hingewiesen, dass die Kriege gegen seine Nachbarn „blitzartig schnell“ erfolgen müssten. Das geschah vor allem auf dem Westfeldzug: „Rommel enteilt Freund und Feind“ titelt die Bundeswehr über den Vormarsch der 7. Panzer-Division im Rahmen der „Operation Sichelschnitt“ gegen Frankreich unter ihrem damaligen Generalmajor: „Panzer hatte die Wehrmacht bislang nur zur taktischen Unterstützung auf Divisionsebene genutzt. Jetzt wurden sie erstmals zu Panzerkorps zusammengefasst und als eigenständiger Faktor auf operativer Ebene eingesetzt. Es gelang, durch das dicht bewaldete Mittelgebirge der Ardennen durchzubrechen und mit großer Geschwindigkeit nach Norden zum Ärmelkanal vorzustoßen.“ Rommel war während seiner Attacke oftmals selbst für eigene Stäbe kaum zu lokalisieren; auch die Verteidiger überraschte er. Rommels 7. Panzer-Division ist auch unter dem Begriff „Gespensterdivision“ in die Geschichte eingegangen.
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Die Flamme der Freiheit? Das Heck des US-amerikanischen Standardpanzers M4 Sherman im „Musée du Débarquement de Utah Beach“ in der Normandie. Dieser mittlere Panzer war die Standardwaffe der Invasionstruppen zur Unterstützung ihrer Infanterie. Geschätzte 50.000 Einheiten sollen zwischen 1942 und 1945 produziert worden und an vielen Fronten eingesetzt worden sein – teilweise sogar in Nordafrika. Der Sherman galt als ebenbürtiger Gegner für die deutschen Panzerkampfwagen II und III, war aber den schweren Panzern Panther, Tiger und Königstiger an Bewaffnung und Panzerung unterlegen. Das „National WWII-Museum“ in New Orleans merkt an, dass der Panzer leicht zur Todesfalle für seine fünf Mann starke Besatzung wurde: „Aufgrund ihrer hohen Entflammbarkeit erhielten Shermans den Spitznamen ,Ronsons‘, nach einem Feuerzeug, das beworben wurde mit dem Slogan ,Zündet immer an‘.“
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Der Panzer als Illusion von Schutz: In der Schlacht von El Alamein (Foto von einer deutschen Besatzung, die sich ergeben hat) hatten die Panzer sowohl Minen zu fürchten als auch die gegnerische Panzerabwehr – vorrangig durch Geschütze. Aus der Kriegsgeschichte sei bekannt, dass die Panzerwaffe mit ihrer mobilen Art der Gefechtsführung ein probates Mittel ist, um ... Stellungskriege zu vermeiden“, schreibt das Magazin hartpunkt. Bis in die Moderne sind Panzer sogar mit simplen Molotow-Cocktails, also einfachen Brandsätzen auszuschalten gewesen. Die Panzerabwehr ist aber durch Panzerfäuste, Raketen und Hohlladungsgeschosse sehr viel ausgefeilter geworden, und Panzer-Konstrukteure legen heute verstärkten Wert auf Panzerungen, die auftreffende Munition schon vor Auftreffen auf den Stahl neutralisieren.
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Frühe Selbstfahrlafetten – der Panzer als Notbehelf: Um die Mobilität von Geschützen zu erhöhen, wurden Kanonen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs auf Panzerchassis gestellt – um dann in ihrer weiteren Entwicklung entweder als Panzerhaubitzen eingesetzt zu werden oder als Sturmgeschütze. Je älter ein Krieg ist, desto abenteuerlicher die Konstruktionen, die aus der Not an Material geboren werden. Im Gegensatz zu einer modernen Panzerhaubitze 2000 als eigenständige Artillerie-Waffe wurden im Zweiten Weltkrieg Geschütze auf Selbstfahrlafetten auch als Panzerjäger eingesetzt, um die zahlenmäßige Unterlegenheit der Wehrmacht an Kampfpanzern auszugleichen. Die Konstruktionen waren dabei sehr ungelenk: Die Fahrzeuge hatten anfangs eine hohe Silhouette und waren daher schlecht zu tarnen; vor allem aber boten sie der Besatzung kaum Schutz – hier ein Foto aus dem Frankreich-Feldzug um 1940.
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Der T-72 – als monströse Mutation: Diese „Igel“ „verfügen über die üblichen reaktiven Panzerungsblöcke auf ihren Stahl- und Verbundwerkstoffwannen sowie, wie es scheint, über Drohnenabwehrkäfige. Aus diesen Käfigen ragen Tausende von Drahtstreben hervor, die – zumindest theoretisch – Drohnen aus der Ego-Perspektive zur Detonation bringen sollen, „bevor diese die Panzerwannen treffen“, so David Axe im Forbes-Magazin. Beide Kontrahenten im Ukraine-Krieg haben ihre Panzerwaffe schützen müssen gegen die immer effektiveren Drohnenangriffe in den „Todeszonen“, also in den Frontabschnitten, die kein Panzer ohne Angriff passieren kann. In der Ukraine entwickelt sich der endgültig gegen Drohnen resistente Panzer aus einer Do-It-Yourself-Lösung bis zur nächsten weiter.
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VonKarsten-Dirk Hinzmannschließen
Erst Stahlcontainer, künftig hochgerüsteter Netzwerk-Knoten: Panzer sind im Ersten Weltkrieg aufgetaucht und werden wohl auch den nächsten bestimmen.
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