Kreml-naher Separatist hat Nachfolger
„Zwei Dodiks“: Karan folgt auf abgesetzten Präsidenten Dodik
Sinisa Karan wurde als Nachfolger von Kremlfreund Milorad Dodik gewählt. Dodik sieht darin einen Sieg trotz widriger Umstände. Die Opposition fordert Neuwahlen.
Banja Luka/Sarajevo – Fast 20 Jahre war Milorad Dodik Präsident des serbischen Landesteils von Bosnien und Herzegowina, der Republika Srpska. Anfang August dieses Jahres wurde er von der zentralen Wahlkommission wegen separatistischer Aktivitäten seines Amtes enthoben. Nun ist sein Vertrauter Sinisa Karan nach vorläufigen Angaben zu seinem Nachfolger auf Zeit gewählt worden. Die reguläre Legislaturperiode endet erst 2026, dann soll sowohl Parlament als auch Präsident neu gewählt werden. Das berichtet die dpa.
Bis Sonntagabend waren nach Angaben der Wahlkommission 93 Prozent der Stimmen ausgezählt. Karan kam für seine Partei SNSD dabei auf 50,9 Prozent, sein Hauptkonkurrent Branko Blanusa erhielt 47,8 Prozent. Karan schnitt allerdings schlechter ab als sein Vorgänger Dodik bei der Wahl 2022. Dieser hatte damals fast 27.000 Stimmen Vorsprung gegenüber seiner Gegenkandidatin. Karan gewann den bisherigen Ergebnissen zufolge nur mit rund 12.000 Stimmen Abstand. Die Wahlbeteiligung lag bei 35 Prozent.
Sinisa Karan: Vertrauter von prorussischem Seperatisten Dodik gewinnt Wahl in Bosnien und Herzegowina
„Die heutige Wahl wurde von unserem Kandidaten Sinisa Karan gewonnen. Das steht außer Frage“, erklärte der Ex-Präsident und SNSD-Parteivorsitzende Milorad Dodik am Sonntag im serbischen Regierungssitz Banja Luka. „Sie wollten Dodik durch einen vollkommen unfairen politischen Prozess entfernen (…) und jetzt haben sie zwei Dodiks“, fügte er am späten Sonntagabend hinzu. Er betonte, Karans Sieg zeige trotz „ungünstiger Umstände“ die Stabilität der Republika Srpska.
Wahlgewinner Sinisa Karan dankte in seiner Rede seinen Wählern und seinem Vorgänger. „Als es am schwierigsten war, hat das serbische Volk gesiegt. (…) Ein großes Dankeschön an Milorad Dodik und an alle Abgeordneten, die die Republika Srpska verteidigt haben.“
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Sinisa Karan gilt als Vertrauter von Putin-nahem Dodik
Dodik selbst durfte nach seiner Amtsenthebung bei der Wahl nicht antreten. Dennoch gilt er weiterhin als der eigentliche Strippenzieher hinter den Kulissen. Der 66-jährige Nationalist will die serbische Teilrepublik Srpska von Bosnien und Herzegowina abspalten. Dodik pflegt gute Beziehungen zum Kreml und Wladimir Putin.
Nach den vorläufigen Ergebnissen unterlag Karans Konkurrent Branko Blanusa von der Oppositionspartei SDS. Blanusa machte nicht näher erläuterte Unregelmäßigkeiten für seine Niederlage verantwortlich. „Wenn es keine Manipulationen gegeben hätte, hätte ich heute Abend den Sieg verkünden können“, sagte er nach Angaben bosnischer Medien. Die SDS verlangte, die Wahl in drei Städten zu wiederholen, da es dort zu Wahlbetrug gekommen sei. Belege dafür legte die Partei nicht vor.
Seit dem Ende des Bosnien-Kriegs 1995 ist Bosnien-Herzegowina in zwei Landesteile geteilt: Die Föderation Bosnien-Herzegowina (FBIH), in der vor allem Kroaten und Bosniaken leben, und die vorwiegend ethnisch serbisch besiedelte Republika Srpska (RS). Die Landesteile sind weitgehend eigenständig in Bereichen, die nicht die Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik betreffen. (Quelle: dpa) (cdz)
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