Jahrelanger Streit

50+1-Regel im Fokus: Kartellamt verstärkt Druck auf DFL und einzelne Vereine

Das Bundeskartellamt befürwortet den Erhalt der 50+1-Regel – bei konsequenter Umsetzung. Dies erhöht den Druck auf bisherige Sonderfälle.

Frankfurt – Kommt ein jahrelanger Streit im deutschen Fußball nun zu einem Ende? Am Montag (16. Juni) veröffentlichte das Bundeskartellamt seine Einschätzung zur 50+1-Regel im deutschen Profifußball. Die Behörde sieht weiterhin „keine grundsätzlichen Bedenken“ gegen die Regelung, fordert jedoch von der DFL konkrete Nachbesserungen in der Praxis – mit großen Auswirkungen auf die bisherigen Ausnahmefälle.

Gleichwertige Mitgliedschaften: Kartellamt nimmt RB Leipzig ins Visier

Kartellamtspräsident Andreas Mundt formulierte drei zentrale Anforderungen, die eine gleichwertige Anwendung der Regel sicherstellen soll. Erstens müsse die DFL bei allen Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga garantieren, dass die Mitgliedschaft im Mutterverein offen ist – und damit die Mitbestimmung durch Fans gewahrt bleibt. Besonders im Fokus steht dabei RB Leipzig. Das Kartellamt äußerte Zweifel, ob der dortige eingetragene Verein (e.V.) für stimmberechtigte Neumitglieder tatsächlich ausreichend offen ist.

Zweitens solle die DFL dafür sorgen, dass die Grundsätze der 50+1-Regel auch bei internen Abstimmungen eingehalten werden. Hintergrund ist der Fall Hannover 96, bei dem Geschäftsführer Martin Kind bei einer Investoren-Abstimmung mutmaßlich gegen die Weisung des Muttervereins stimmte und sich in einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung gegen seine Absetzung in der Profi-Abteilung zur Wehr setzte. Der Bundesgerichtshof gab jedoch dem Stammverein recht.

XXL-Blockfahne, Heimatverbundenheit und „ewiger Oka“: Diese Eintracht-Choreos gehen unter die Haut

Choreo der Frankfurter Fans beim Bundesliga-Spiel gegen Nürnberg im Jahr 2009.
Choreo der Frankfurter Fans beim Europa-League-Duell in der Gruppenphase gegen Maccabi Tel Aviv (2013).
Die Frankfurter Fans widmen beim Bundesliga-Spiel 2013 gegen Augsburg Oka Nikolov eine große Choreo.
Choreo der Frankfurter Fans in der Nordwestkurve vor dem Bundesliga-Spiel gegen den SV Darmstadt 98 (2015).
XXL-Blockfahne, Heimatverbundenheit und „ewiger Oka“: Diese Eintracht-Choreos gehen unter die Haut

Einheitliche Wettbewerbsbedingungen: Ausnahmenregelungen in Wolfsburg und Leverkusen vor dem Aus?

Der kritischste Punkt betrifft jedoch die Sonderregelungen für Leverkusen und Wolfsburg. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) Ende 2023 sei ein dauerhafter Bestandsschutz für Ausnahmen unter den bisherigen Bedingungen nicht länger rechtssicher. Die Wettbewerbshüter fordern, dass zukünftig alle Clubs einheitlichen und fairen Wettbewerbsbedingungen unterliegen. Das bedeutet: Auch bei Wolfsburg und Leverkusen muss langfristig sichergestellt sein, dass der Mutterverein die Kontrolle über die Profiabteilung behält und offen für Neumitglieder ist.

Für die Umsetzung der geforderten Maßnahmen hält das Kartellamt einen längeren Übergangszeitraum für möglich – unter Verweis auf die sportliche und wirtschaftliche Bedeutung der betroffenen Klubs. Die teils jahrzehntelangen Ausnahmeregelungen scheinen jedoch bald der Geschichte anzugehören. Eine schnelle Umsetzung der Anforderungen durch die Bonner Behörde wäre sehr zur Freude der Befürworter von 50+1, die in der Regel einen Schutz der Mitgliederrechte gegenüber den ausgelagerten Profiabteilungen sehen.

Die DFL-Zentrale in Frankfurt am Main

Zukunft der 50+1-Regel: neue Fan-Proteste in Sicht?

Wie geht es nun weiter? Wie die Sportschau bezugnehmend auf das Bundeskartellamt berichtet, soll nach den aktuellen Empfehlungen eingestellt werden. Möglich seien jetzt Verhandlungen zwischen der DFL und den betroffenen Klubs über strukturelle Anpassungen.

Denkbar sind aber auch politische Manöver innerhalb der Liga – bis hin zu einem Vorstoß zur Abschaffung der Regel oder juristischen Schritten gegen 50+1. Martin Kind und Hassan Ismaik gehörten hier über Jahre zu den prominentesten Verfechtern einer Abschaffung. Etwaige Manöver, die 50+1-Regel weiter aushöhlen oder auf eine vollständige Abschaffung zielen, wären derweil ein perfekter Nährboden für eine Protestwelle aus den Fankurven – womöglich in einem Ausmaß, das sogar die Proteste gegen den Investoren-Deal der DFL übertrifft.

Die DFL selbst kündigte an, die Empfehlungen sorgfältig zu prüfen. Es gelte nun, die Regel weiterzuentwickeln und eine rechtssichere Zukunftslösung zu finden. „Die 50+1-Regel ist elementarer Bestandteil des deutschen Fußballs“, bekräftigte Hans-Joachim Watzke, Sprecher des DFL-Präsidiums. Ziel sei es, die Regel gemeinschaftlich abzusichern und zu stärken. (nki)

Rubriklistenbild: © Jan Huebner/Blatterspiel via www.imago-images.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare