Vielsagende Bilanz
Auf dem „Borussia-Weg“ muss Gladbach noch viele Schritte machen
Borussia Mönchengladbach strebt an, im Kader zu den Wurzeln zurückzukehren. Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt begrenzte Erfolge.
Mönchengladbach – Im Prinzip hat jeder Fußballverein seinen Weg. Hertha BSC rief nach dem Abstieg den „Berliner Weg“ aus, Schalke 04 hat den „Schalke Weg“ für sich entdeckt und bei Borussia Mönchengladbach wird der „Borussia Weg“ verfolgt.
Borussia will wieder mehr Talente fördern
Über eine Mischung aus Basisspielern, hauseigenen Talenten und vielversprechenden Nachwuchskickern, die über das Scouting aufgelesen werden, soll der Traditionsverein unter Sport-Geschäftsführer Roland Virkus wieder dorthin kommen, wo er einst unter Max Eberl war.
Borussia will Spieler und damit Werte entwickeln, um gewinnbringende Transfers abzuschließen, wirtschaftlich zu wachsen und damit die eigenen sportlichen Erfolgschancen zu erhöhen. Beginnen sollte der Prozess in der Saison 2022/23, so richtig ging es aber erst 2023/24 los. Die Zwischenbilanz nach drei Jahren fällt jedoch durchwachsen aus.
Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat die Altersentwicklung des Kaders von Borussia Mönchengladbach anhand von drei Statistiken nachvollzogen, die auf dem Portal Transfermarkt einsehbar sind. Neben dem Durchschnittsalter des Kaders waren das Durchschnittsalter der Startelf und das Durchschnittsalter aller eingesetzten Spieler im Bundesliga-Vergleich in den Saisons 2022/23, 2023/24 und 2024/25 von Relevanz.
Gladbach hatte unter Farke eine der ältesten Mannschaften
2022/23 sprach der damalige Cheftrainer Daniel Farke häufiger von einer jungen Mannschaft, die Erfahrungen sammeln müsse. So ganz passte diese Einschätzung aber nicht mit den Zahlen zusammen. Mit einem Durchschnittsalter von 25,9 Jahren stellte Gladbach den zwölftjüngsten Kader der Bundesliga.
Retro-Design und viel regionale Verbundenheit: Die Trikots der Bundesligisten 2024/25




Die Startelf war im Schnitt 26,7 Jahre alt, das bedeutete im Liga-Vergleich den zehnten Platz. Auch das Durchschnittsalter aller eingesetzten Spieler pro Spiel betrug 26,7 Jahre, mit Platz 14 ging allerdings die fünftälteste Mannschaft in der Bundesliga einher. In dieser Kategorie machten der VfB Stuttgart (24,2 Jahre), VfL Wolfsburg (24,5 Jahre) und Bayer 04 Leverkusen (24,6 Jahre) vor, wie es geht.
Borussia wurde jünger – und wieder älter
Tatsächlich machte Borussia in der Saison 2023/24 einen größeren Schritt in der Verjüngung des Kaders. Dieser war mit einem Durchschnittsalter von 26,0 Jahren älter, die Startelf war im Schnitt aber nur noch 25,4 Jahre alt und der Durchschnitt aller eingesetzten Spieler pro Spiel betrug 25,2 Jahre.
Mit diesen Werten stellte Gladbach in der vergangenen Saison die drittjüngste Startelf und die viertjüngste Mannschaft überhaupt. Verantwortlich dafür waren unter anderem die Abgänge von Lars Stindl , Jonas Hofmann und Ramy Bensebaini, während Rocco Reitz, Robin Hack und Maximilian Wöber regelmäßige Einsätze erhielten.
Aufgrund der sportlichen Schieflage sowie dem Mangel an Führungsqualitäten entschied sich Virkus jedoch für eine Rückwärtsrolle. Mit Philipp Sander, Tim Kleindienst und Kevin Stöger wurden im Sommer 2024 bewusst erfahrene Akteure verpflichtet, die als Basisspieler wichtig für das Mannschaftsgefüge waren.
Die Konsequenz: Das Durchschnittsalter des Kaders ist in dieser Saison auf 26,3 Jahre gestiegen, die Startelf war bis dato im Schnitt 26,5 Jahre alt und die bisher eingesetzten Spieler pro Spiel weisen ein durchschnittliches Alter von 26,2 Jahren auf.
Die Altersentwicklung von Borussia Mönchengladbach im Überblick
| Saison | Durchschnittsalter des Kaders | Durchschnittsalter der Startelf | Durchschnittsalter pro Spiel |
|---|---|---|---|
| 2022/23 | 25,9 Jahre (Platz 12) | 26,7 Jahre (Platz 10) | 26,7 Jahre (Platz 14) |
| 2023/24 | 26,0 Jahre (Platz 9) | 25,3 Jahre (Platz 3) | 25,2 Jahre (Platz 4) |
| 2024/25 | 26,3 Jahre (Platz 8) | 26,5 Jahren (Platz 7) | 26,2 Jahre (Platz 8) |
Stuttgart und Frankfurt machen Gladbach vor, wie es geht
Im Vergleich mit der Bundesliga-Konkurrenz hat Gladbach Fortschritte in der Altersentwicklung erzielt. Die Saison 2023/24 hat den Verantwortlichen jedoch vor Augen geführt, dass ein zu großer Sprung Risiken birgt.
Dennoch dürfte Virkus bestrebt sein, den Kader sukzessive zu verjüngen. Der Transfer von Jens Castrop (21 Jahre) war ein erster Fingerzeig, während Kevin Diks (28) als Basisspieler eingeplant wird. Denn wenn Gerardo Seoane den Auftrag erhalten hat, junge Spieler weiterzuentwickeln – wofür auch Co-Trainer Guido Streichsbier verpflichtet wurde – muss dem Coach entsprechendes Spielermaterial zur Verfügung gestellt werden.
Mit Joe Scally, Rocco Reitz und Lukas Ullrich kann Gladbach drei Positivbeispiele vorweisen. Demgegenüber verliefen die Entwicklungen von Oscar Fraulo, Shio Fukuda, Grant-Leon Ranos und Fabio Chiarodia verhaltener.
Wie der Altersschnitt in einem gefestigten Konstrukt konsequent gesenkt werden kann, macht Eintracht Frankfurt vor. 2022/23 betrug das Durchschnittsalter aller Spieler pro Spiel 26,2 Jahre, 2023/24 sank der Wert auf 25,0 Jahre und im Laufe der Saison 2024/25 auf 24,2 Jahre.
Der VfB Stuttgart stellt ebenfalls seit Jahren eine der jüngsten Mannschaften in der Bundesliga, der Altersschnitt pro Spiel ist seit 2022/23 minimal von 24,2 Jahre auf 24,5 Jahre gestiegen. Auf lange Sicht erscheint diese Region für Gladbach erstrebenswert, um die erhofften wirtschaftlichen und sportlichen Schritte zu erzielen.
Rubriklistenbild: © IMAGO/RHR-FOTO
