Nach enttäuschender Halbserie

Bei wem der BVB 2025 dringend Fortschritte braucht

Borussia Dortmund hat in der Bundesliga auf Position sechs überwintert. Ein Aufwärtstrend ist zwingend nötig, um die Minimalziele zu erreichen.

Dortmund – Auf Borussia Dortmund kommt gleich zum Auftakt ins Fußballjahr 2025 eine echte Standortbestimmung zu: Am Freitagabend hat der BVB in der Bundesliga Doublesieger Bayer Leverkusen zu Gast. Kommt es zum Knallstart oder Kaltstart? Die Schwarzgelben wollen ihre Heimbilanz verteidigen und können sich eine Pleite kaum erlauben.

Dass Dortmund mit Platz sechs während der kurzen Winterpause gefühlt noch recht glimpflich davon gekommen ist, spricht Bände über die bisherige Saison unter Neu-Trainer Nuri Şahin. Das 3:1 gegen den VfL Wolfsburg im letzten Spiel vor der Unterbrechung stand dabei geradezu symbolisch: Nach herausragender erster Hälfte riss sich der BVB in Unterzahl beinahe noch alles ein. Die mangelnde Konstanz selbst innerhalb von 90 Minuten ist ein Dauerthema, das 2025 abgestellt werden muss.

Dortmund hofft auf Aufschwung der vermeintlichen Leistungsträger

Die Hoffnung besteht darin, dass Dortmund seit Jahren in der zweiten Saisonhälfte oft deutlich stärker ist als im ersten Halbjahr, die Sorge besteht darin, dass der Spielplan für den BVB diesmal deutlich komplizierter wird. Drei englische Wochen zum Jahresauftakt bringen eine wichtige Weichenstellung mit sich. Um zu bestehen, ist Dortmund auch darauf angewiesen, dass designierte Leistungsträger auf ein besseres, wenn nicht gar ihr bestes Niveau kommen.

Dabei geht der Blick nicht zuletzt auf die Führungsspieler im Team von Şahin. Über die Rolle von Kapitän Emre Can ist im Verlauf der bisherigen Saison bereits jedes Wort gesprochen worden. Für den EM-Torschützen geht es in den kommenden Monaten mutmaßlich nicht nur um das Amt als Spielführer, sondern seine Zukunft beim BVB insgesamt.

Der BVB blickt auf eine enttäuschende bisherige Bundesliga-Saison zurück.

Selbst Torwart Gregor Kobel schwächelte beim BVB bisweilen

Aber auch Stellvertreter Julian Brandt ist in der bisherigen Saison den Erwartungen nur selten wirklich gerecht geworden. Beim Strategen ist die Hoffnung groß, dass er an den guten Jahresausklang anknüpfen kann: Gegen den SC Freiburg brach er per Freistoß den Torbann, in Wolfsburg ließ er einen weiteren Treffer folgen, von Trainer Şahin gab es prompt riesiges Lob für Brandt.

Im Sommer hatte Brandt nicht nur die Rückennummer 10 übernommen, sondern etwas überraschend auch Gregor Kobel als Vizekapitän abgelöst. Als Torhüter wurde dem Schweizer wohl der neue Kapitänsdialog in der Bundesliga zum ‚Verhängnis‘. Einen Zusammenhang mit den Leistungen in der bisherigen Saison zu sehen, wäre sicher zu weit hergeholt. Aber auch Kobel hat sich einige Luft nach oben gelassen, nachdem er 2023/24 zum besten Torhüter der Bundesliga und Champions League aufgestiegen war. Kobel patzte zwar nicht oft gravierend, leistete sich aber viele kleinere Unkonzentriertheiten, strahlte weniger Sicherheit aus und hielt nur selten Punkte fest.

Große Zufriedenheit lösten nur drei BVB-Profis aus

Überhaupt ist der Vergleich zu den Heldentaten des Europapokallaufs bis ins Finale von Wembley ein Thema beim BVB: Beispielsweise hat auch Marcel Sabitzer dabei Leistungen gezeigt, zu denen er unter Şahin bisher nicht mehr in der Lage war. Der Österreicher schwankte in der ersten Saisonhälfte zwischen Problemfall, als er öffentlich Verstimmung über seine Rolle äußerte, und Mitläufer, weil seine Darbietungen bestenfalls durchschnittlich waren.

Die Liste der Spieler, die sich deutlich steigern müssen, ließe sich dabei noch beliebig fortführen, selbst Top-Einkauf Serhou Guirassy hat vor der Winterpause zu viele Großchancen vergeben. Die größte Zufriedenheit herrscht beim BVB noch mit der Entwicklung dreier Profis: Ramy Bensebaini und Felix Nmecha sind im zweiten Jahr in Dortmund zu Stützen geworden, Jamie Gittens hat den Sprung zum Unterschiedsspieler geschafft.

Um selbst das Minimalziel der Champions-League-Qualifikation nicht zu gefährden, braucht es in der zweiten Saisonhälfte deutlich mehr Erfolgsgeschichten im BVB-Kader. Die Weiterentwicklung des bisher manchmal glücklosen Trainers Nuri Şahin steht dabei noch auf einem ganz anderen Blatt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Noah Wedel

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